Tourismus

Mit dem Tattoo leiden auch die Hotels

The Japan Maritime Self-Defence Force Band am diesjährigen Basel Tattoo.

The Japan Maritime Self-Defence Force Band am diesjährigen Basel Tattoo.

Weil das Basel Tattoo weniger Tickets absetzen konnte als in den Vorjahren, sind auch die Logiernächte erstmals seit vier Jahren im Juli wieder rückläufig.

Für Basel Tourismus war der Juli kein guter Monat. Zumindest, wenn man ihn mit jenem des Vorjahres vergleicht. Den wie die neuste Mitteilung des statistischen Amtes zeigt, wurden über 6491 Übernachtungen weniger gebucht. Dies bedeutet einen Rückgang von 5,7 Prozent. Vor allem der Schweizer Markt ist im Juli regelrecht eingebrochen. Fast 15 Prozent weniger Logiernächte wurden von Schweizerinnen und Schweizern gebucht. Dies ist in absoluten Zahlen ein Minus von 5952 Übernachtungen.

Der Hauptgrund dafür ist schnell gefunden: Das Tattoo. Das Militärmusikfestival verzeichnete dieses Jahr 20 000 Besucher weniger. Ein Fakt, der sich nun auch in den Tourismus-Zahlen niederschlägt. Sowohl Darsteller als auch Besucher des Tattoo buchten weniger Übernachtungen in Basler Hotels. «Der Juli lebt schon auch vom Tattoo», räumt Daniel Egloff, Direktor von Basel Tourismus, ein. «Das Tattoo ist nun einmal ein Treiber, wie jeder andere Grossanlass auch.»

Egloff will dem Grossanlass, der in diesem Jahr zum elften Mal durchgeführt wurde, aber keine Vorwürfe machen: «Man muss auch sehen, dass wir die letzten zehn Jahre sehr stark vom Tattoo profitieren konnten.» Ausserdem sei der Juli 2016, was die Logiernächte betrifft, immer noch der drittbeste je gemessene Juli. Und es dürfte auch ein Wert sein, mit dem man die künftigen Julis realistisch vergleichen könnte. «Ich habe das Gefühl, dass sich das Tattoo zahlenmässig jetzt irgendwo dort einpendeln wird, wo es sich dieses Jahr bewegt hat.» Schliesslich sei die Situation der letzten Jahre, in denen das Tattoo immer extrem schnell ausverkauft gewesen war, aussergewöhnlich für einen Event. «Das jetzt ist die Realität, und darauf müssen wir uns einstellen», sagt Egloff.

Basel Tourismus ist neben den Logiernächten auch noch direkt beim Verkauf seiner Pauschal-Packages für das Tattoo betroffen. Konnten 2015 noch zirka 1300 abgesetzt werden, war die Nachfrage dafür in diesem Jahr ebenfalls rückläufig und belief sich auf etwas 700 verkaufte Packages. Dies hänge vor allem damit zusammen, so Egloff, dass die Kunden nun wüssten, dass das Tattoo nicht mehr restlos ausverkauft sei und somit eher spontan eine Vorstellung besuchten, als dass sie sich im Vorfeld ein Package inklusive Hotelübernachtung sichern würden.

Niveau halten als Ziel

Neben dem Tattoo fiel ausserdem noch ins Gewicht, dass letztes Jahr das Musical «Lion King» noch in vollem Gange war und durch dessen internationale Ausstrahlung zusätzliche Logiernächte hatten generiert werden können.

Sowieso ist das Jahr 2016 für den Tourismus härter als das Vorjahr. Im vergangenen Herbst fanden zwei internationale Kongresse statt – deren Teilnehmer fehlen in diesem Jahr. Neben den beiden Kongressen sowie dem Ausbleiben eines Musicals vom Kaliber eines «Lion King», fällt ein weiterer Anlass weg, der im vergangenen Jahr die Hotelbetten füllte: Die Gaugin-Ausstellung in der Fondation Beyeler.

So muss Daniel Egloff feststellen, dass es in diesem Jahr wohl eher keinen Rekord geben werde: «Sollten wir an den Rekord herankommen, dann wären wir zufrieden. Aber das Wiedererreichen ist optimistisch geschätzt.» Realistisch sei eher ein kleines Minus. Sorgen macht sich Egloff aber noch keine für die Zukunft des Basler Fremdenverkehrs: «Da wir uns auf einem Rekordniveau bewegen, kann das passieren – und solange man sich den Rückgang erklären kann, kann man ihn auch eher akzeptieren.»

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