Athanassios Dellas ist der Programmleiter des Mammografie-Screenings. Im Aufbau wurde das Basler Programm von Chris de Wolf unterstützt, der für das Mammografie-Screening Programm in Bern verantwortlich ist.

Das neue Screening-Programm soll die opportunistische Brustkrebs-Früherkennung im Kanton ablösen. Was ist dabei der entscheidende Unterschied?

Chris de Wolf: Im bisherigen System erfolgten die Mammografien nach Überweisungen durch Hausärzte oder Gynäkologen. Viele Frauen liessen sich auch ohne konkreten Verdacht auf eine Brusterkrankung untersuchen. Das zeigte ein grosses Bedürfnis der Baslerinnen auf, Möglichkeiten der Krebs-Früherkennung nutzen zu wollen.

Welche Vorteile hat das Programm jetzt konkret für diese Frauen?

De Wolf: Das Screening ermöglicht eine umfassendere Früherkennung. Je früher Brustkrebs erkannt wird, um so günstiger ist in den meisten Fällen der Verlauf der Erkrankung nach Behandlungsbeginn. Ausserdem werden die Kosten der Mammografie von der Krankenversicherung gedeckt. Es bleibt ein Restbehalt von ungefähr 20 Franken: So sind die Untersuchungskosten kein Grund mehr, sich nicht untersuchen zu lassen.

Er gehört als externer Berater zum medizinischen Leitungsteam des Brust-Screening-Programms in Bern.

Dr. med. Chris de Wolf: «Das Bedürfnis der Baslerinnen, sich abklären zu lassen, ist gross.»

Er gehört als externer Berater zum medizinischen Leitungsteam des Brust-Screening-Programms in Bern.

Das heisst, das Programm will auch einen Beitrag zu einem gerechteren Gesundheitssystem leisten?

Athanassios Dellas: Wir wollen alle Frauen ansprechen, ungeachtet von ihrer Bildungs- oder kulturellen Herkunft. Deshalb informieren wir die Frauen auch in sieben Sprachen.

Der Wechsel hat aber auch Konsequenzen für die beteiligten Ärzte.

Dellas: Das Programm wird die Frauen zur Teilnahme einladen. Diese vereinbaren selber einen Termin für die Untersuchung direkt über die Radiologie-Institute. Die Hausärzte und Gynäkologen, die die Frauen bisher überwiesen hatten, standen dem Programm darum anfangs skeptisch gegenüber. Sie befürchteten, Patienten zu verlieren.

De Wolf: Das ist meistens nicht der Fall. Wenn der Screening-Bericht positiv ausfällt, ist die Aufgabe der Hausärzte und Gynäkologen sehr wichtig: Sie sind unsere Hauptkontaktstelle zur Patientin, die sie bei den weiteren Abklärungen begleiten. Das Programm hat beim Aufbau mit den beteiligten Ärztegruppen eng zusammengearbeitet, um diese Bedenken aus dem Weg zu räumen.

Auch bei den Frauen selbst gibt es Zweifel gegenüber dem Programm, gerade punkto Überdiagnosen oder falsch-positiven Befunden.

De Wolf: Das hat vor allem den Grund, dass die Statistik bei systematischen Programmen immer ausführlicher ist, als bei nicht systematischen. Dieselben Probleme, wie Überdiagnosen oder falsch-positive Befunde, gibt es auch bei der opportunistischen Krebs-Früherkennung, sie wurden lediglich nicht erfasst oder so deklariert.

Eingeladen werden zurzeit nur die Frauen zwischen 50 und 69. Sind diese Altersgrenzen flexibel?

Dellas: Brustkrebs ist vor allem eine Erkrankung, die mit dem Lebensalter zunimmt. Er ist ein häufiger und frühzeitig erkennbarer Krebs zwischen dem 50. und 75. Lebensjahr. Deshalb wurde entschieden, diese Altersgruppen einzuladen. Es gibt auch Kantone, die Frauen bis 74 Jahre einladen. Das würde in der Anlaufzeit des Programms die Kosten massiv erhöhen. Sobald das Programm läuft, führt eine Erweiterung der Teilnehmerzahlen nicht mehr zu einer grösseren finanziellen Belastung des Programms. Dann wäre eine Neuprüfung mit dem Gesundheitsdepartement Basel-Stadt denkbar.

Er ist Brustkrebsexperte und Leiter des Screening-Programms im Kanton Basel-Stadt.

Prof. Athanassios Dallas: «Brustkrebs ist ein häufiger, frühzeitig erkennbarer Krebs zwischen dem 50. und 75. Lebensjahr.»

Er ist Brustkrebsexperte und Leiter des Screening-Programms im Kanton Basel-Stadt.

Wie lange dauert es, bis das Programm angelaufen ist?

De Wolf: Sicher noch vier bis fünf Jahre. Im ersten Jahr werden wir möglicherweise eine Teilnahmerate der Frauen um die
30 Prozent erreichen. Diese wollen wir mindestens auf 60 Prozent steigern. Wir laden die Baslerinnen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren ein, die Möglichkeit der qualitätskontrollierten systematischen Brustkrebs-Früherkennung zu nutzen.