Drei Meter dicke archäologische Fundschichten, seit drei Jahrtausenden ununterbrochen bewohnt: Der Basler Münsterplatz ist eine der ältesten Siedlungsstätten Europas. Doch die sichtbaren Überreste einer wechselvollen Geschichte sind oft versteckt, abseits der grossen Besucherströme.

Eine neue App, welche die Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt dieser Tage offiziell lanciert hat, möchte dies ändern. Und dieser Audio-Guide klingt dann an einer der ersten Stationen so: «Basel 80 vor Christus. Murus Gallicus. Der Keltenwall. Wir befinden uns an der Rittergasse 4 und betreten durch ein eisernes Gittertor den Hof mit der archäologischen Informationsstelle. Dort können wir durch drei Erdfenster die Überreste einer imposanten Wehranlage sehen, die hier vor mehr als 2000 Jahren errichtet wurde.» Die sonore Stimme aus dem Smartphone wird ergänzt durch Bilder und Grafiken, so dass der Benutzer eine Ahnung davon bekommt, wie es an der Rittergasse 4 vor 2095 Jahren ausgesehen hat und was die Archäologen hier gefunden haben.

Die geniale Konstruktion des Keltenwalls aus einem mit Geröll aufgefüllten Holzgestell und einem Trockenwall sei praktisch unzerstörbar gewesen, informiert die virtuelle Stimme weiter und zitiert Julius Caesar: «Die Steine schützten vor Feuer. Die Hölzer im Inneren des Erdwalls vor dem Rammbock. Dadurch konnte der Wall von allfälligen Angreifern weder in Brand gesetzt noch eingestossen oder auseinandergerissen werden.» Die Mauer sei aber mit der Zeit zerfallen und mit Bauschutt überdeckt worden, bis die Archäologen im 20. Jahrhundert den Wall wiederentdeckt, ausgegraben und zum Teil konserviert hätten.

Sinnlich und zeitgemäss

Nun sind diese Informationen schon seit vielen Jahren an Infotafeln vor Ort ablesbar, wie auch der Kantonsarchäologe Guido Lassau, Initiant der neuen App, zugibt: «Fast alle Texte und Bilder sind über die Jahre in Museumskatalogen, Artikeln, Büchern und auf den Infotafeln schon veröffentlicht worden. Eigentlich war alles schon vorhanden. Mit der App wird aber alles sehr viel sinnlicher und allgemein zugänglich gemacht.» Lassau steht unter der Pfalz in einer versteckten Krypta, wo die Fundamente des Münsters ebenso sichtbar sind wie die Reste von Vorgängerbauten aus dem Frühmittelalter. Der kühle Ort soll dank der App vermehrt besucht werden. Entstanden sei die Idee zur App aus dem Bedürfnis heraus, die über den ganzen Münsterhügel verstreuten historischen Stätten zueinander in Bezug zu bringen. «Wir fanden, dass wir die Informationsstellen zu einem Rundgang verbinden müssen.» Ausserdem sei die Verwendung einer App mit seinem gesprochenen Text und seinen Bildern sehr viel zeitgemässer als der bisherige Einsatz von ausführlichen Infotafeln und Begleitpublikationen zu den Archäologischen Informationsstellen.

Einfach und kostengünstig

Unter dem Namen «Archaeo Tour» ist der virtuelle archäologische Rundgang der Bodenforschung Basel-Stadt kostenlos im App Store von Apple und auf Google Play Store erhältlich. «Die App richtet sich an Touristen, die Basler Bevölkerung und alle Geschichtsinteressierten», sagt Guido Lassau.

Ziel sei es allen die archäologischen Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte zu zeigen und die Geschichte Basels näher zu bringen. Früher sei dies durch Publikationen und Bücher geschehen. Heute seien eben Apps auf Smartphone und Tablet die Medien der Zeit.

Die Archäologie-App überzeugt durch ihre benutzerfreundliche Gestaltung. Bilder von Grabungen und archäologischen Funden führen durch die Jahrtausende. Anschauliche Computergrafiken zeigen, wie der Münsterhügel zur Zeit der Kelten, Römer und im Mittelalter ausgesehen hat und genutzt worden ist. Die schriftlichen und die gesprochenen Erklärungen sind kurz und verständlich gehalten.

Die Entwickler hätten die App so einfach wie möglich und aus bestehenden Inhalten konstruiert. Man hätte bewusst auf modernen Schnickschnack wie virtuelle Realitäten verzichtet, so Guido Lassau. Darum sei die Programmierung in Frankfurt mit Kosten von 18‘000 Franken relativ günstig gewesen. Layout und Konzept stammen von einer Basler Firma. Das Geld sei aus den regulären Budgets der letzten zwei Jahre gekommen. «Wir haben uns die App vom Munde abgespart», so der Kantonsarchäologe.

Jetzt wolle man schauen, wie die App ankomme. So soll es unter anderem durch Basel Tourismus mittels eines Links auf der offiziellen Website www. Basel.com verbreitet werden.

Schon jetzt, nur wenige Tage nach der offiziellen Lancierung der App, überlege man sich eine Erweiterung des archäologischen Rundgangs. So soll unter dem Münster die verborgene Krypta eines karolingischen Vorgängerbaus aus dem 10. Jahrhundert zugänglich gemacht und mittels App erklärt werden. Ausserdem überlege man sich, die «Archaeo-Tour» auf die Überreste und Spuren der mittelalterlichen Basler Stadtbefestigung auszudehnen, so Guido Lassau. Möglichkeiten, die App für die Archäologie zu nutzen, gebe es viele. Was davon verwirklicht werden könne, sei letztlich eine Frage der finanziellen und personellen Ressourcen.