Der Hof Maienbühl an der Grenze zu Inzlingen ist im Wandel. Vor rund zehn Tagen kam der mobile Hühnerstall und 250 neue Hühner. Diese müssen sich erst noch an ihr neues Zuhause gewöhnen. «Wir müssen sie quasi erziehen, dass sie die Eier an die dafür vorgesehen Stellen legen», erklärt Ivon Karle. Der mobile Hühnerstall lässt sich je nach Zustand des Grases, in dem die Hühner gerne picken und scharren, flexibel verschieben. Er ist Voraussetzung, dass die Eier des Hofs Maienbühl künftig unter dem Label Bio Knospe laufen.

Dazu kommen Anpassungen im Rinderstall und neue Maschinen, um die Äcker biokonform zu bewirtschaften. «Ja, der Aufwand für die Umstellung ist enorm. Im Alltag kommen immer wieder kleine Dinge dazu», bestätigt Hermann Arni Karle die Eindrücke vor Ort. Das Ehepaar nahm die Herausforderung auf dem Hof, der der Gemeinde Riehen gehört, bewusst in Kauf. «Wir wollten etwas Neues ausprobieren und die Komfortzone, in der wir uns seit Jahren befanden, verlassen.»

Kühe für Milch und Fleisch

Ivon Karle gab dafür ihren Beruf an der Höheren Fachschule für Sozialpädagogik in Aarau auf. Hermann Arni Karle übergab den elterlichen Hof bei Burgdorf an Kollegen, die zufällig einen neuen Hof suchten. Der Umstand, dass Ivon wenige Kilometer entfernt des Hofs Maienbühl in Inzlingen aufwuchs, sei mehr Zufall. «Für eine Heimkehr war ich schlichtweg zu lange weg von hier.» Dass sie die Region kennt, sei aber durchaus ein Vorteil.

Ihre Produkte wollen sie lokal vertreiben. Sie planen einen Direktverkauf ab Hof, ein Eierabonnement und möglicherweise einen Milchautomaten in Riehen. Mittel- bis langfristig wollen sie mit den Kühen auch Fleisch produzieren. Dafür züchten sie sogenannte Zweinutzungsrassen, bei der die Kühe Milch geben und die Munis gemästet und geschlachtet werden. Der Hof Maienbühl ist neben dem Hof Klosterfiechten der einzige Landwirtschaftsbetrieb mit Milchproduktion im Kanton Basel-Stadt. Den Viehbestand wollen die Karles von vorher zwölf auf über 30 Stück vergrössern. Auf die Schweinezucht, die während Jahren zum Hof Maienbühl gehörte, haben sie bewusst verzichtet. «Die Umstellung der Schweinezucht auf Bio war von der Infrastruktur her fast nicht machbar und wäre wohl auch nicht rentabel gewesen», begründet Hermann Arni Karle den Schritt.

Label erst in zwei Jahren

Die Umstellung auf Bio ist mit Tieren um ein Vielfaches aufwendiger als nur mit Ackerbau. Dies weiss der gelernte Landwirt aus eigener Erfahrung, da er selber den elterlichen Ackerbau-Betrieb auf Bio umstellte. Die Vorschriften für die Infrastruktur für die Tierhaltung gehen weit, was aus Platzgründen nicht immer einfach sei. Die Kühe brauchen unter anderem im Stall einen gedeckten Ort zur freien Bewegung, einen gedeckten Futterplatz und einen Ort ohne Dach, an dem es ihnen auf den Rücken regnen kann.

Er wolle aber nicht klagen, stellt Hermann Arni Karle klar. Er stehe voll und ganz hinter dem Bio-Label und dessen Ideen und Grundsätzen. Offiziell als Bio gelten ihre Produkte aber erst nach zwei Jahren. Bis dahin produzieren sie zwar gemäss dem Label und haben den entsprechenden finanziellen Aufwand, erhalten aber dafür nicht die entsprechenden Vergütungen auf dem Markt.