Rhein
Mit eigener Muskelkraft bis hin zur Schwerelosigkeit

Die Basler Ruderer vom Ruderclub Blauweiss schreiben auf der Birsfelder Kraftwerkinsel ihre Erfolgsgeschichte. Seit 24 Jahren rudert der Basler Björn Uhlmann. Zuerst als Spitzensportler, jetzt trainiert er den Nachwuchs.

Eva Wieser
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Im Bootshaus des Ruderclubs Blauweiss auf der Kraftwerkinsel Birsfelden fühlt sich Björn Uhlmann zu Hause.Der ehemalige Spitzensportler gibt als Trainer seine Ratschläge an die nächste Rudergeneration weiter.

Im Bootshaus des Ruderclubs Blauweiss auf der Kraftwerkinsel Birsfelden fühlt sich Björn Uhlmann zu Hause.Der ehemalige Spitzensportler gibt als Trainer seine Ratschläge an die nächste Rudergeneration weiter.

Kenneth Nars

Ganz so schwerelos wie auf einem See fühle man sich auf dem Rhein schon nicht, gibt Ruderer Björn Uhlmann zu. «Es ist schwieriger, den Rhythmus auf einem Fluss zu finden. Zudem können Strömungen das Boot wegdrücken», sagt der Leistungssportverantwortliche des Ruderclubs Blauweiss.

Der hohe Wasserstand lässt seit Wochen kein Rudertraining auf dem Wasser zu. Und dennoch ist das Rudern auf dem Rhein eine Erfolgsgeschichte mit langer Tradition – in welcher Uhlmann eine Rolle spielt. Erst als Spitzensportler, dann als Trainer.

Seit 24 Jahren ist der Basler vom Rudern fasziniert: «Aus eigenem Antrieb über das Wasser durch Landschaften zu gleiten, das ist etwas Elementares», schwärmt Uhlmann. Das Klubhaus mit den passend blau-weiss gestrichenen Türen auf der Kraftwerkinsel in Birsfelden ist ihm mehr als vertraut. «Als Jugendlicher war Rudern mein Lebensinhalt», sagt der mehrfache Schweizer Meister. Denn Rudern sei mehr als einfach nur ein Sport.

Der Verein als Familie

Alljährlich dieselben Klubanlässe, die ehrenamtlichen Helfereinsätze: Das Vereinsleben ist intensiv. «Im Ruderclub ist eine Konsummentalität fehl am Platz.» Den Jahresbeitrag zu bezahlen und dann eine Anspruchshaltung zu entwickeln, das funktioniere nicht. Mithelfen ist für Klubmensch Uhlmann selbstverständlich: «Wir haben klare Anforderungen an die Mitglieder, bieten ihnen gleichzeitig aber viel, etwa professionelles Training.»

Die Leistungsbereitschaft junger Athleten zu unterstützen, darin sieht der 38- Jährige seine Aufgabe. «Die Herausforderung ist, Ratschläge so zu erteilen, dass sie von jedem Einzelnen verstanden und umgesetzt werden können.» Uhlmann erwartet von seinen Athleten, dass sie sich nicht sofort mit ihrer Leistung zufriedengeben. «Rudern verlangt eine gewisse Hartnäckigkeit.»

Und zwar von Beginn weg: «Anfänger müssen mindestens zwei bis drei Mal in der Woche trainieren, um das Boot überhaupt in den Griff zu bekommen. Wer diesen Einstieg schafft, bleibe oft sehr lange mit dem Sport verbunden. «Rudern ist alles andere als schnelllebig, denn es baut auf Freundschaften auf.» Man sitze eben buchstäblich im selben Boot. Die Mannschaftsdynamik sei beim Rudern besonders entscheidend. «Ganz wichtig ist, dass man an andere nicht höhere Ansprüche stellt als an sich selbst», sagt Uhlmann. Seine Ansprüche sind hoch. «Wenn es ums Rudern geht, bin ich ein Perfektionist.» Er müsse schon fast aufpassen, nicht zu perfektionistisch zu werden.

Trainieren und dissertieren

«Gewisse Dinge gehe ich bewusst deutlich lockerer an als das Rudern.» Entspannt sei es während der Wettkampfpause im Sommer, dann versteckt sich der Ruderer hinter Büchern und Zeitungen. Lesen ist nicht nur sein Hobby, es gehört zum Beruf. Der studierte Staatsrechtler und Politwissenschafter arbeitet momentan hauptsächlich an der Dissertation. Doch abends um sechs radelt er zum Bootshaus, dann beginnt das Training der Junioren.

Die jüngsten Ruderer sind elf Jahre alt. «Vorher hat man meistens zu kurze Beine, um sich mit den Füssen abstossen zu können.» Zudem muss man bereits gut schwimmen können, denn das Boot kann jederzeit kentern. Trainiert wird zwischen der Kraftwerkinsel und Augst. Auf der deutschen Seite geht es den Rhein hoch, auf der Schweizer Seite wieder runter. Ergänzend zum Training auf dem Wasser stehen im Kraftraum viele Ruder-Ergometer für Trockenübungen.

Erfolgsgeschichte geht weiter

Der Trainingsaufwand wurde in diesem Jahr besonders ausgezeichnet: «Wir haben an den Schweizermeisterschaften sehr gut abgeschnitten.» Trainer Uhlmann ist zufrieden. Seine Athleten seien über sich hinausgewachsen. Doch ein Wermutstropfen bleibt: In Basel wurden die Erfolge fast nicht wahrgenommen. «Unsere Athleten leisten wirklich Grossartiges und verdienen dafür Aufmerksamkeit», sagt Uhlmann.

Basel sei in einer breiteren Sportpalette erfolgreich, als viele wissen. «Es freut mich natürlich sehr, wenn der FC Basel Schweizer Meister wird.» Neid, dass sich in Basel vieles auf den Fussball fokussiert, empfindet er nicht. Doch: «Gute Leistungen, egal in welchen Sportarten, sollen Raum bekommen.» Und gute Leistungen werde es beim RC Blauweiss auch in Zukunft geben. Trainer Uhlmann spürt, dass seine Athleten die Erfolgsgeschichte weiterschreiben.