Bahnverkehr

Mit einem Kilometer pro Stunde durch die modernste Zugwaschanlage

Nach dem Umbau für 5 Millionen Franken haben die SBB in Basel die modernste Zugreinigungsanlage der Schweiz in Betrieb genommen. Bis zu 26 Züge täglich werden darin gewaschen, neuerdings automatisch. 30'000 Kubikmeter Wasser pro Jahr werden weniger verbraucht als früher.

Die SBB schicken jeden ihrer Züge und jeden Wagen im Schnitt einmal pro Woche in die Wäsche. Zehn Anlagen für die Aussenreinigung gibt es landesweit; jene in Basel ist nach dem Umbau die modernste. Bis 2014 werden jene in Luzern, Biel und Zürich gleichermassen modernisiert, wie Regionalleiter Michel Berchtold am Donnerstag vor den Medien sagte.

Projektleiter Christoph Spitz erklärt die renovierten Zugreinigungsanlagen der SBB.

Projektleiter Christoph Spitz erklärt die renovierten Zugreinigungsanlagen der SBB.

Der Waschgang beginnt mit einem Knopfdruck, wenn der Lokführer aus dem geöffneten Seitenfenster des Führerstandes an einem Panel den jeweiligen Zugtyp eintippt. Gereinigt werden in Basel neben allen Regio-S-Bahn-Zügen auch alle Fernverkehrs-Zugtypen sowie künftig auch die bestellten neuen Doppelstock-Intercities.

«Abkühl-Bogen»

Schon bevor ein Zug in die Drive-In-Waschanlage beim Basler Güterbahnhof Wolf einfährt, wird er aussen beidseits benetzt: Ein «Abkühl-Bogen» mit Wasserdüsen soll verhindern, dass an von der Sonne aufgeheizten Zügen die Waschchemikalien sofort antrocknen, wie Projektleiter Christoph Spitz ausführte.

Kaum ragt die Front in die eingleisige Halle, stoppt der Zug wieder, damit die mit Insekten verklebte Front abgebürstet werden kann. Dabei werden alkalische Reiniger verwendet, während seitlich saure zum Einsatz kommen, um etwa Geleise-Flugrost abzuwaschen. Vor der Reinigung wird die Kupplung durch ein ausfahrbares Blech geschützt.

Während der Frontreinigung ist die Oberleitung sicherheitshalber ausgeschaltet. Danach steht der Zug wieder unter Strom, wenn die Seitenbürsten ihre Arbeit tun. Der Lokführer steuert dazu den Zug mit exakt einem km/h durch die Halle, damit die Reinigungsmittel mit den Nylonbürsten die richtige Wirkzeit auf der Zugoberfläche bekommen.

Wasser und Personal gespart

Nach rund 40 Minuten kommt ein «FLIRT»-S-Bahn-Zug feucht-glänzend am anderen Ende der Halle zum Vorschein. Vier verschiedene, aufwändig ausgewählte und getestete Reinigungsmittel verwendet die SBB heute. Ein allfälliger künftiger Einsatz von Abperl-Substanzen wie für Duschkabinen wird laut Spitz derzeit geprüft.

Eine neue Technik erlaubt die Wiederverwertung etwa eines Drittels des Waschwassers. Mit der Automatisierung ist indes der Kontrollraum verwaist - eine Videoaufzeichnung erlaubt es, allfälligen Fehlfunktionen auf den Grund zu gehen. Gegen 50'000 Wagen-Einheiten respektive 5000 Züge im Jahr muss die neue Anlage bewältigen.

Ein Problem bleibt auch nach der Modernisierung ungelöst: Ungereinigt fahren die Züge in harten Wintern, denn bei Temperaturen unter minus fünf Grad könnte das Wasser anfrieren. In einer anderen Halle werden Züge übrigens nach Personenunfällen gereinigt oder von Graffiti befreit, da dies mehrere Stunden in Anspruch nehmen kann.

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