Experimente

Mit einer Hightech-3-D-Videobrille in eine andere Welt eintauchen

In C.a.p.e. sind Zuschauerinnen und Zuschauer vielmehr Mitmachende, die dank modernster Technik in virtuelle Welten geführt werden.

In C.a.p.e. sind Zuschauerinnen und Zuschauer vielmehr Mitmachende, die dank modernster Technik in virtuelle Welten geführt werden.

Mit Videobrillen und Computerrucksäcken ausgestattet, können Zuschauer in den Produktionen von «Portable Reality» für Momente der Realität entkommen und in eine täuschend echte fiktive Welt eintauchen.

In der Veranstaltungsreihe «Portable Reality» vom 24. bis zum 28. September thematisieren das Museum Tinguely, die Kaserne Basel und das Haus der elektronischen Künste (HeK) in einer Kooperation die Möglichkeiten, die sich dank digitaler Medien an der Schnittstelle von Kunst und Theater auftun. Auf dem Programm stehen neben einem Symposium Performances und Experiences.

Das Thema ist en vogue. Jüngst titelte die Zeitung «The Guardian Weekly» gross: «Ready for a virtual reality revolution?» Vor zwanzig Jahren noch wenig mehr als ein Jahrmarktsgag, rechnen Entwickler heute damit, dass es in wenigen Jahren üblich und erschwinglich sein wird, 3-D-Brillen für den Privatgebrauch zu erwerben. Schnöde 3-D-Brillen aus Papier mit zwei farbigen Gläsern waren aber gestern. Heute geht es um Hightech-3-D-Videobrillen mit integrierten Kopfhörern, in der Art, wie sie in den 90er- und frühen 2000er- Jahren bereits Tom Cruise in den verschiedenen «Mission Impossible»-Filmen trug – nur besser.

Neue Räume und Zeiten

Heute lassen uns solche Brillen Realitäten erfahren, die zwar keine sind, aber so echt wirken, dass unsere Sinne stark gefordert sind, damit wir die Orientierung nicht verlieren. Wir können die Welt als auf dem Kopf stehend wahrnehmen, in eine ferne Zeit reisen oder auch elektromagnetische Strahlungen, wie sie alle elektronischen Geräte aussenden, hören. Diese technischen Möglichkeiten reizen Kulturschaffende weltweit. Jetzt fragen sich die Basler Veranstalter von «Portable Reality»: Welche Möglichkeiten bietet das Zusammenspiel von digitaler Kultur, Theater und Kunst? Und wie veränderst sich das Rezeptionsverhalten kultureller Nutzer?

Im Zentrum steht diesen Samstag ein Symposium mit namhaften Referenten und Moderatoren aus Theater, Tanz, Kunst und Wissenschaften. Zum Beispiel mit Jan Torpus, dem Schweizer Medienkünstler und leitenden Forscher am «Institute of Experimental Design and Media Cultures» und der Fachhochschule Nordwestschweiz oder auch mit dem Belgier Eric Joris, der sich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit dem Thema auseinandersetzt. Er nimmt mit Performances seiner Gruppe «CREW» an der Veranstaltungsreihe teil.

Gerade die beiden Beiträge von CREW gehören zu den Höhepunkten des Programms. Die Gruppe hat sich auf dem Gebiet der virtuellen Erzählweisen zu einem international führenden Kollektiv entwickelt und gastiert mit den Produktionen «Terra Nova» und «C.a.p.e.» (Computer Assisted Personal Environment)» hier. «Terra Nova» ist eine Mischung aus Theater, Installation und virtuellem Abenteuer. In Gruppen aufgeteilt, an Bretter angeschnallt und mit Brillen und Kopfhörern ausgestattet, begleiten die Zuschauer den Entdecker Robert Scott auf der tragischen Antarktis-Expedition von 1910. In «C.a.p.e.» bewegt man sich frei in den Räumen des Museum Tinguely. Während sich die Füsse auf Basler Boden bewegen, befinden sich die Augen, Ohren und anderen Sinnesorgane dank Videobrille, Kopfhörer und Computer-Rucksack an ganz anderen Schauplätzen.

Wohin diese Experimente führen und ob sie sinnvoll sind, ist offen. Schliesslich sind wir mit einem Gehirn ausgestattet, das es uns erlaubt, auch ganz ohne Hilfsmittel unsere persönlichen Welt- und Zeitreisen zu imaginieren. Erweitern digitale Medien tatsächlich unsere Rezeptionsfähigkeit oder handelt es sich hierbei doch nur um eine weitere Form der Unterhaltungskultur?

Portable Reality. 24.–28.9., Museum Tinguely, Kaserne, Haus der elektronischen Künste.

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