Was als Zwischennutzung begann, soll spätestens Anfang 2019 als reguläres Konzertlokal wiedereröffnet werden. Das ehemalige «Terrorsamba» an der Ecke Feldbergstrasse/Müllheimerstrasse wird in diesem Jahr umfassend umgebaut.

Liegenschaftsbesitzer Gordon Bell und Architekt Marc Bieri machen nach Ostern Baueingabe, wenn alles nach Plan läuft, soll das Lokal im Sommer umgebaut werden: Ziel ist ein neues Café und, im hinteren Teil, eine schalldichte Raum-im-Raum-Lösung.

Für den Betrieb hat Gordon Bell drei Frauen an Bord geholt. Steffi Klär, Lea Muggli und – für den technischen Support – Regine Wetterwald (Sound & Light Pool). Lea Muggli, Architektin und früher Barchefin der Kuppel, wird sich als Wirtin um die Gastronomie und Personalfragen kümmern. «Wir bauen nun ein Gerüst, das im nächsten halben Jahr mit Menschen und Inhalten gefüllt wird», sagt Klär, die Kommunikation und Konzerte verantwortet.

Ein Zuhause für die Musikszene

Klär war 15 Jahre lang Programmchefin der Kuppel, bis diese abgerissen wurde. Derzeit arbeitet sie als Produktionsleiterin im Musikbüro der Kaserne Basel. Warum stürzt sie sich in ein ungewisses Abenteuer? «Ich habe in den letzten zwei Jahren an verschiedenen Orten Konzerte durchgeführt und dabei gemerkt, dass mir ein Zuhause, wie es die Kuppel war, fehlt. Ein Zuhause für die Musikszene wie auch für mich selbst», sagt Klär.

Gerade die überschaubare Grösse des neuen Lokals reizt sie: In beiden Räumen ist Platz für rund 250 Leute, der Konzertsaal selber wird nach dem Umbau maximal 120 Leute fassen. Das entspricht einer deutlich geringeren Kapazität als etwa in der Kuppel, was Klär gerade recht ist. Ein kleiner Saal, der locker gefüllt ist, sei ihr bedeutend lieber als ein grosser Saal, der halbleer stehe. «Die kleinere Kapazität nimmt Druck weg und lässt trotzdem viele Möglichkeiten offen», sagt sie. «Diese Chance wollte ich nicht vorbeiziehen lassen.»

Aber lässt sich mit einem kleinen Club überhaupt genügend Geld verdienen? Partys sollen zwar auch ihren Platz im Programm haben, aber nicht der Quersubventionierung dienen. «Wir rücken den Liveaspekt klar in den Vordergrund», sagt Klär. Zwei, drei Konzerte pro Woche, das wäre ihr Wunsch. «Ich könnte mir auch mehrtägige Gastspiele von Bands vorstellen, so, wie es früher im Atlantis der Fall war.» Was das Konzertprogramm angeht, so werden mit Jennifer Jans (ex-Kuppel, heute BSides Festival) und Andrea Samborski (ex-Parterre, heute eclipse concerts) zwei erfahrene und ebenfalls gut vernetzte Veranstalterinnen mitverantwortlich zeichnen. Ziel sei es, der lokalen Szene eine Bühne zur Verfügung zu stellen, aber auch internationale Bands und Musikerinnen zu buchen.

Die Konzertkosten sollen mit Gastrobetrieb und Fundraising gedeckt werden. Denn ein Konzertlokal selbsttragend zu gestalten, ist sehr schwierig.

Ein Investment mit Spassfaktor

Für Hausbesitzer Gordon Bell, ein Schotte, der schon lange in Basel lebt, ist das Engagement in erster Linie eine Herzensangelegenheit. Als Mäzen sieht er sich nicht, «ich werde Miete verlangen. Die Kosten für den Umbau sind aber beträchtlich und mir ist bewusst, dass ich dieses Geld erst bei einem Verkauf wieder reinholen würde. Doch wenn ich vergleiche, wieviel Spass mir ein Investment Fonds bereiten würde im Vergleich zu einem Konzertlokal, dann ist klar, wofür ich mich entscheide.»

Und wie steht es um seine Geduld? Ist ja möglich, dass das neue Lokal nicht gleich rentieren wird? «Das ist keine Frage der Geduld», sagt Bell mit britischem Humor, «das Projekt erfordert vielmehr eiserne Eier und ein bisschen Wahnsinn.»

Bewegte Vergangenheit

Das Haus hat eine bewegte Geschichte: Ehe Bell die Liegenschaft vor gut zwei Jahren erwarb, hatte diese einen zweifelhaften Ruf, sei es unter dem Namen Sichtbar/Unsichtbar oder später Terra Samba: Es war ein Treffpunkt des Milieus, Krawall und Remmidemmi hielten die Polizei immer wieder auf Trab.

Bell hatte in der Feldbergstrasse schon das Café Smuk realisiert, ehe er das Terra Samba übernahm und eine Zwischennutzung ermöglichte: Terrorsamba.

Diese wurde im vergangenen Herbst beendet. Das Bauinspektorat gab zu verstehen, dass allein die Lärmschutzmassnahmen nicht mehr genügen würden.

Die Zwischennutzung Terrorsamba, als Trash Club definiert und beliebt, wurde von Gastronomin Louise Zitzer angeführt. Nach der Schliessung hat sie im Winter unter dem Label «Terrorsamba im Exil» andernorts Veranstaltungen durchgeführt. Natürlich trauere sie der alten Location nach, sagt sie, «denn einen solchen Ort findet man nicht so einfach wieder. Ich führe den Geist weiter, mit Partys und Konzerten.» So etwa Mitte April: Beim «Terrorfestival» bringt sie verschiedene Bands in die Basler Central Station. «Unsere Linie war, keine Linie zu haben. Alles war möglich», fasst Zitzer ihre Zeit am alten Ort zusammen.

Für Bell war stets klar, dass die Zwischennutzung begrenzt ist. «Darin liegt ja der Reiz. Jetzt muss etwas Neues kommen. Kaffeebar und Club sollen aber nicht steril werden», sagt er. «Wir möchten den Rock’n’Roll-Geist erhalten. Und mit Steffis grosser Erfahrung im Bereich Livemusik bin ich sehr zuversichtlich, dass der Betrieb als Konzertlokal funktionieren wird. Dieser Aspekt hat für mich oberste Priorität.»