Peter Kolb kann auf eine lange Erfahrung im Umgang mit geklauten Velos zurückblicken. Über 20 Jahre arbeitete er bei der Polizei als Leiter der Velo-Sammelstelle. Im Jahr 2009 hat er sich selbstständig gemacht und führt seither die Website veloregister.ch. Dort kann sich melden, wer seinen Drahtesel vermisst. Andere Nutzer veröffentlichen zudem Bilder verdächtig aussehender Fahrzeuge.

Mit beachtlichem Erfolg: «Wir haben eine Wiederfindungsquote von sieben Prozent», sagt der 56-Jährige. Kolb hofft, dass diese Zahl weiter steigt, wenn noch mehr Leute bei seinem Projekt mitmachen. Bereits jetzt beteiligen sich Tausende an der Suche – auch über Twitter und Facebook. In Letzterem formieren sich mehrere Gruppen, in welchen sich Diebstahlopfer gegenseitig helfen; manche zählen über 10 000 Mitglieder. Inzwischen finden sich Vermisstmeldungen aus der ganzen Schweiz auf der Homepage von veloregister.ch

«Chance in spontaner Kontrolle»

Mit seiner Erfolgsrate bewegt sich Kolb in einem ähnlichen Bereich wie die hiesige Polizei. «In Basel werden von den über 2000 Velos, die jährlich gestohlen werden, rund neun bis zehn Prozent wieder entdeckt», sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft (Stawa), René Gsell. Die Zahlen beruhen auf den Erhebungen des vergangenen Jahres.

Es ist jedoch möglich, dass sich unter den zirka 200 wiedergefundenen Fahrzeugen Diebesbeuten aus den Vorjahren befinden und damit die tatsächliche Quote leicht tiefer ist. Erschwert hat die Fahndung nach vermissten Velos die Abschaffung der Velo-Nummer. Zudem kennen viele Velofahrer die Rahmennummer ihres Fahrrads nicht.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Täter tatsächlich gefasst wird, ist zudem noch viel kleiner. Für den Kanton Basel-Stadt liegen diesbezüglich keine Zahlen vor. Landesweit liegt aber die Aufklärungsrate gemäss der aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistik bei lediglich 1,3 Prozent. «Selten wird ein Dieb in flagranti erwischt; die Chance besteht vielmehr in einer spontanen Kontrolle», so Gsell.

Hohe Dunkelziffer

Wohl nicht zuletzt deshalb erfahren Velodiebe nicht nur in der Schweiz derzeit einen Boom: «In Europa werden jährlich rund drei Millionen gestohlene Velos gemeldet, was aber nur die Hälfte der tatsächlichen Delikte darstellen dürfte», sagt Kolb. Auch die Basler Stawa geht von einer hohen Dunkelziffer aus, da viele Delikte nicht zur Anzeige gelangen.

Echten Schutz gibt es kaum: Selbst professionelle Schlösser werden geknackt, wenn sich der Aufwand lohnt. Einen kleinen Lichtblick bildet die Velovignette von veloregister.ch. Für eine einmalige Gebühr von 13 Franken erhebt die Versicherung Helvetia bei einem Diebstahl keinen Selbstbehalt.

Kolb setzt auch hier auf den Einsatz der Velocommunity: Mit dem Kauf einer Vignette wird das Gefährt in einer online abrufbaren Datenbank registriert. «Gibt man den Registriercode auf Google ein, lässt sich so jederzeit innerhalb von Sekunden prüfen, ob ein Fahrzeug zuvor bei uns als gestohlen gemeldet wurde», so Kolb.