Nach jahrelangen Gesprächen, die schlussendlich allesamt ergebnislos versandeten, brauchte es vor zwei Jahren einen Anstoss von aussen, um die verschiedenen Parteien wieder an einen Tisch zu bringen.

Andreas Courvoisier vom gleichnamigen Büro für Projekt- und Stadtentwicklung erkannte das Potenzial des rund 50 Jahre alten Allmendhaus-Areals als Begegnungszentrum für das Hirzbrunnenquartier. Aus Gesprächen mit Bewohnern – sowohl mit jungen Familien als auch mit Senioren – habe er herausgespürt, welche Wichtigkeit das Areal für das Quartier hat, erklärt Courvoisier: «Das Hirzbrunnen ist mit seinen gut 9500 Einwohnern ein sehr bedeutsames Quartier für Basel, auch wenn es dort etwas ruhiger zu und her geht. Gerade weil das Quartier historisch von Reihen- und Einfamilienhäusern geprägt ist, ist dieser soziale Treffpunkt wichtig, damit die Menschen das Zusammenleben pflegen können.»

Hauptbeteiligte Parteien sind die Römisch-katholische Kirche Basel-Stadt als heutige Eigentümerin und die Pfarrei St. Clara als Nutzerin des Allmendhauses und der benachbarten St. Michaelskirche, die reformierte Kirchgemeinde Kleinbasel, das Eltern-Centrum Hirzbrunnen (ELCH) und der Verein Gemeindezentrum St. Markus. Sie haben sich darauf geeinigt, sich im Herbst zum Verein Begegnungszentrum Hirzbrunnen zusammenzuschliessen und gemeinsam mit Quartiervertretern das Allmendhaus-Areal in die Zukunft zu führen.

Im Quartier hat Ökumene eine lange Tradition

Auf Basis dieser Einigung hat die Römisch-katholische Kirche kurz vor den Sommerferien ein Vorprojekt in Auftrag gegeben. Die Verantwortlichen rechnen dabei mit Sanierungskosten von rund zwei Millionen Franken. Dazu kommen die Betriebseinrichtungen und spezifische Aufwertungsmassnahmen in der Höhe von einer Million Franken.

Unter anderem soll der Saal des Allmendhauses aufgefrischt, das Foyer vergrössert und der Vorplatz aufgewertet werden.

Für ELCH-Vorstandsmitglied Isabelle Stocker ist die Aufwertung des Quartiertreffpunkts für das Hirzbrunnen «äusserst wertvoll», gerade weil in diesem traditionellen Wohnquartier viele Familien leben. «Es braucht einen Ort, wo Begegnungen stattfinden und sich Menschen treffen können.»

Für die Reformierten im Hirzbrunnenquartier ist das Zusammengehen mit den Katholiken im Allmendhaus die beste Lösung bei der Suche nach neuen Räumlichkeiten. Aufgrund rückläufiger Mitgliederzahlen und den damit verbundenen gesunkenen Steuereinnahmen wird das reformierte Kirchgemeindehaus St. Markus an der Kleinriehenstrasse beim Claraspital abgerissen. Zwar wäre auch in der neuen Wohnüberbauung ein Gemeindesaal geplant gewesen, doch die ökumenische Lösung im Allmendhaus war aus mehreren Gründen sinnvoller, erklärt Pfarrer Philipp Roth.

«Aus Kosten- und Ressourcensicht ist es interessanter, mit anderen etwas zu teilen. Im Hinblick auf die Zukunft ermöglicht uns diese Zusammenarbeit zudem mehr Flexibilität.» Im Hirzbrunnenquartier habe die Ökumene eine lange Tradition. «Vieles, das kirchlich läuft, ist ökumenisch organisiert», bestätigt Roth. Aber es ist neu, dass sie an einem Ort zusammenspannen und mit Quartierorganisationen eine gemischte Trägerschaft bilden.

Die St. Michaelskirche auf dem Allmendhaus-Areal wird also künftig beiden Landeskirchen als Gotteshaus dienen. Für die Katholiken war die St. Michaelskirche aber schon länger keine Zentrumskirche mehr, in der wöchentlich Gottesdienste stattfinden. Regelmässige Nutzerin der St. Michaelskirche ist auch die Kroatische Mission.

Christian Griss, Präsident des Römisch-katholischen Kirchenrats Basel-Stadt, spricht auf Anfrage von einem «Leuchtturmprojekt» und einem «zukunftsweisenden Konzept für die ökumenische Zusammenarbeit». Damit würden die Kirchgemeinden stärker auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen, in dem sie sich zueinander und gegenüber dem Quartier noch mehr öffnen. «Den Menschen ist heute die Konfessionszugehörigkeit relativ egal. Ihnen ist die Kernbotschaft des Christentums wichtiger.» Das Allmendhaus werde das Christliche als gemeinsame Basis noch stärker miteinander verbinden, ist Griss überzeugt.

Beispielhaft für andere kirchliche Räumlichkeiten

Für Andreas Courvoisier könnten die Öffnung des Allmendhaus-Areals im Hirzbrunnenquartier und das partnerschaftliche Modell beispielhaft für andere kirchliche Räumlichkeiten in der Stadt sein, die unternutzt sind und den Kirchgemeinden viel Geld kosten. Als Beispiele, bei dem sein Büro derzeit Entwicklungsarbeit leistet, nennt er die Pauluskirche, die Johanneskirche und das Gemeindehaus Oekolampad.