«Ich kann nachvollziehen, wenn manche Leute sich wundern, dass ich als Amerikanerin ein Buch über Basel schreibe. Ich wollte gerne meine Entdeckungen teilen – und ich mache immer noch welche», erklärt Jeanne Darling (69). Vor 26 Jahren ist sie mit ihrer Familie nach Basel gekommen.

Von 2004 bis 2013 arbeitete die ausgebildete Lehrerin an der International School of Basel. Damals ist sie auf die Idee gekommen, auf Englisch Führungen durch Basel für Kinder anzubieten. Eine wichtige Rolle spielen Suchspiele. «Kindern gefällt es, etwas zu finden. Sonst finden sie das zu langweilig.»

Vor kurzem ist daraus ein Buch entstanden, das unter dem Titel «Basels verborgene Geschichten» im Basler Verlag Bergli Books erschienen ist; es gibt auch eine englische Ausgabe. Illustriert wurde es liebevoll vom Engländer Jooce Garrettt. «Der Verlagsleiter ist Amerikaner und hat selber drei Kinder. Ihm hat gefallen, dass das Buch ein wenig amerikanisch wird. Ich habe das im Blut», erzählt Darling weiter. Sie stammt von der Ostküste aus Rhode Island – dem kleinsten amerikanischen Bundesstaat.

Viele Aufgaben im Erlebnisbuch

Im «Erlebnisbuch», wie der Verlag es nennt, müssen die Kinder eine Fülle von Aufgaben lösen und sind dafür in verschiedenen Quartieren der Innenstadt wie bei der Gerbergasse, dem Marktplatz oder dem Nadelberg unterwegs. Ausserdem werden Geschichten erzählt: Über den Basilisk, Sophie und den Schwan, den Geist vom Spalenberg oder das Turnier auf dem Münsterplatz.

«Die meisten Geschichten beruhen auf alten Basler Sagen und Legenden. Sie wurden jedoch frei abgewandelt, um sie für die Kinder spannender zu machen», heisst es im Buch. «Alle Fakten über Basel aber sind wahr», ergänzt Darling. Für die Touren und das Buch musste sie viel im Internet recherchieren und viele Bücher lesen, weil es die Informationen für Stadtrundgänge mit Kindern noch nicht gab. Ursprünglich wollte sie eine Liste mit Quellenhinweisen im Buch veröffentlichen, aber das fand der Verlag für Kinder nicht sinnvoll. «Wenn das jemand möchte, kann ich ihm die Liste aber zeigen.»

Überprüft wurden die Fakten vom Basler Historiker Peter Habicht, der auch für die Übersetzung der englischsprachigen Ausgabe des Buches ins Deutsche verantwortlich zeichnet. Die deutschsprachige Ausgabe verkauft sich dabei besser als die englische.

Im Buch finden sich eine Fülle von Informationen, von denen manche auch für Erwachsene neu sein mögen. Nur einige Beispiele: So hätten die Leute früher geglaubt, dass Zahnschmerzen verschwinden, wenn man dreimal auf dem Steg, den es damals gab, um das Käppelijoch auf der Mittleren Brücke herumlief. Von den Häusern am Nadelberg heisst es, dass sie vor 200 Jahren noch keine Hausnummern hatten. Deshalb gab man allen einen Namen. Rheintor hiess das ehemalige Stadttor, das bei der Mittleren Brücke stand. Das Imbergässlein hat seinen Namen vom alten Dialektwort für Ingwer, der früher sehr kostbar war.

Am Münster sorgt ein sogenanntes «Flüsterportal» für Begeisterung bei den Kindern. «Du kannst auf einer Seite ganz leise in den Bogen flüstern und eine Person auf der anderen Seite wird jedes Wort verstehen», steht im Buch. Es funktioniere, weil der Schall dank des runden Bogens auf die andere Seite wandert.

Ursprünglich nur für drei Jahre

Als Darling Anfang der neunziger Jahre mit ihrem Mann und den beiden neun- und fünfjährigen Kindern nach Basel kam, wollte die Familie ursprünglich nur drei Jahre bleiben. «Ich wollte, dass meine Kinder eine andere Kultur kennenlernen.» Ihr Mann arbeitete anfangs als IT-Spezialist für Ciba-Geigy.

Jeanne Darling hat nicht nur eine Lehrerausbildung, sondern auch einen MA in menschlicher Entwicklung von Harvard vorzuweisen. Das Problem war, dass sie keine Arbeitserlaubnis für die Schweiz bekam. «Ich bin nicht für das Daumendrehen geschaffen», erinnert sie sich. Dann hat sie Glück gehabt. Eine Elterngruppe wollte für Novartis einen englischsprachigen Kindergarten gründen, bestand aber darauf, dass die Direktorin Amerikanerin sein sollte. Darling hat den Job erhalten.

Als sie nach zehn Jahren wieder unterrichten wollte und die Stelle deshalb gekündigt hat, kam die zweite Krise. Ein Jahr dauerte es, bis sie die Stelle an der International School of Basel fand.

Heute ist sie seit fünf Jahren pensioniert und wie ihr Mann von Basel begeistert. «Wir fahren oft zu Besuchen in die USA, fühlen uns aber sehr privilegiert, hier leben zu können. Basel ist wunderbar», schwärmt Darling.

Zwei Umzüge wegen Basketball

Vor acht Jahren hat die Familie die Schweizer Staatsangehörigkeit erhalten. Anfangs lebte sie im Gundeli. Weil Mann und Kinder in Riehen Basketball spielten, sind sie dorthin gezogen. Heute sind die Kinder erwachsen und ihr Mann trainiert eine Basketballmannschaft im Kleinbasel. Wieder sind sie dem Basketball hinterhergezogen und wohnen direkt gegenüber auf der anderen Rheinseite im St. Johann.