AVO Session
Mit jugendlichem Charme: Rod Stewart überzeugt an der AVO Session

Mit seiner «Christmas Show» setzte Rod Stewart an der AVO Session einen fulminanten Schlusspunkt. Für sein Engagement soll er eine Millionengage kassiert haben. Der Auftritt überzeugte. Aber Stewart verzichtete auf eine Zugabe.

Rolf De Marchi
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Trotz seiner 67 Jahre wirkt Rod Steward erstaunlich jung.

Trotz seiner 67 Jahre wirkt Rod Steward erstaunlich jung.

Dominik Plüss

Die Gerüchteküche brodelte in den vergangenen Wochen. Da wurde rumerzählt, dass der britische Rock- und Popsänger Rod Stewart für seine «Christmas Show» an den beiden letzten Abenden der AVO Session im Musical Theater Basel eine Gage von mehreren Millionen Franken bekomme – pro Abend wohlverstanden. Auf diese Frage lässt sich der Festivalleiter Matthias Müller entlocken, dass der Popbarde aus England für zwei Konzerte eine siebenstellige Summe und damit die höchste Gage erhielt, die in der Geschichte der AVO Session je an einen Künstler ausbezahlt wurde.

Bilanz

Mit den Konzerten von Rod Stewart und der Baslerin Anna Aaron ging gestern die AVO Session 2012 im Musical Theater zu Ende. An den zwölf Abenden fanden insgesamt 17'500 Besucherinnen und Besucher den Weg in den Festivalsaal. Dies bedeutet eine Auslastung von 96 Prozent. Der Musikevent verabschiedet sich nun vom bisherigen Namen und nennt sich 2013 Baloise Session. (bz)

Ob Rod Stewart so viel Geld verdient, konnte er am ersten Abend im Musical Theater Basel beweisen. Zuvor allerdings hatte die junge Indiepop-Band «We Invented Paris» rund um den Basler Sänger Flavian Graber die Gelegenheit, als Support das Publikum mit ihrer erfischend leger gespielten Musik zu gewinnen.

Gediegen und besinnlich

Gerade mal 30 Minuten durften die fünf Jungs spielen, dann mussten sie dem Meister des Pop Rod Stewart weichen. Kaum betrat der 67-jährige, immer noch erstaunlich jung wirkende Sänger die weihnächtlich ganz in weiss getauchte Bühne, da war das begeisterte Publikum auch schon auf den Beinen, um seinen Star zu feiern. Für viele überraschend aber bat Rod Stewart wenig später seine Fans, sich wieder hinzusetzten. Offenbar war es dem Popbarden ein Bedürfnis, dass man ihn nicht in erster Linie als «Feel good»-Typen wahrnahm, sondern als Künstler, dessen Musik man konzentriert zuhört.

Und in der Tat bekam man eine Show präsentiert, die sich hören und sehen liess. Neben einer sechsköpfigen Band hatte der Sänger sechs langbeinige, in pinkfarbenen Minikleidchen steckende Ladys mitgebracht. Drei dieser Grazien verstanden es, hervorragend zu singen und bildeten als Backing-Chor den passenden Rahmen für Rod Stewarts einzigartige, rauchig helle Reibeisenstimme. Die drei anderen wiederum spielten hervorragend Trompete, Saxofon und Violine. Acht weitere Damen mit Violinen, Bratschen und einem Violoncello schliesslich bildeten ein Streicherensemble, das der Musik einen gediegenen, gelegentlich ein wenig zum Kitsch neigenden Anstrich gab.

Fast perfekter Auftritt

Nachdem das Publikum über eine längere Zeit geduldig zugehört hatte, stimmte Rod Stewart den fetzigen Chuck-Berry-Klassiker «Sweet Little Rock’n’Roller» an. Jetzt aber gabs kein Halten mehr und die begeisterten Fans sprangen erneut aus ihren Sitzen.

Weitere Hits des Sängers folgten wie etwa «You’re in My Heart», wo das Publikum im Chor glückselig mitsingen konnte. Und als der Charmebolzen schliesslich einen seiner grössten Hits «Sailing» zum Besten gab, dürfte nicht wenigen in Jugenderinnerungen schwelgenden Fans das Wasser in die Augen geschossen sein. Schliesslich wurde es nochmals besinnlich, als der Sänger ein paar Christmas-Songs seines diesen Herbst erschienen Albums «Merry Christmas, Baby» interpretierte.

Alles perfekt? Nicht ganz, erlaubte sich Rod Steward zuletzt noch einen Fauxpas, der bei vielen im Publikum deutlich hörbar nicht gut ankam. Selbst nach langem, intensivem Applaus war der Star nämlich nicht bereit, eine Zugabe zu geben.