Eröffnungskonzert
Mit jungen Chören aus Island und Armenien – das Chorfestival ist eröffnet

Das Eröffnungskonzert des europäischen Jugendchorfestivals im Basler Stadtcasino präsentierte Lieder junger Stimmen aus Basel, dem Appenzell, Deutschland, Island, Irland, Armenien und den USA. Sehen und hören Sie hier verschiedene Beiträge.

Tumasch Clalüna
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Gäste und Gastgeber vereint: Der isländische Jugendchor Hamrahlíd mit den Chören Cantat und iVox der Musik-Akademie Basel. ZVG/ Andreas Meier

Gäste und Gastgeber vereint: Der isländische Jugendchor Hamrahlíd mit den Chören Cantat und iVox der Musik-Akademie Basel. ZVG/ Andreas Meier

Mittlerweile alle zwei Jahre wird Basel zum Zentrum der europäischen Jugendchor-Kultur. Rund 500 Sängerinnen und Sänger reisen aus allen Himmelsrichtungen an, um über die Auffahrtstage gemeinsam zu singen und zu feiern. Empfangen werden sie von mindestens ebenso vielen Jugendlichen aus der Region, bei denen sie wohnen und mit denen sie ebenfalls singen.

Wie breit das Spektrum an Musikalität und Performance ist, zeigte eindrücklich das Eröffnungskonzert im Stadtcasino Basel. Es beginnen die Chöre der Musikakademie iVox und Cantat unter der Leitung der Doyenne der Basler Jugendmusikszene, Susanne Würmli-Kollhopp.

Gewohnt souverän singen sie zwei Volkslieder und das populäre «Chilli con Carne», bevor sich der Jugendchor Hamrahlíd zu ihnen gesellt und sie gemeinsam Schweizer und isländische Lieder singen. Das Besondere am Eröffnungskonzert ist jeweils dieser gemeinsame Moment von Gästen und Gastgebern.

Björk sang einst in diesem Chor

Hamrahlíd ist schlichtweg die musikalische Institution Islands. Praktisch alle bedeutenden Musiker sangen in diesem Jugendchor, so einst auch die Avantgarde-Popmusikerin Björk. Entsprechend ist der Klang. Er erinnert leicht an mittelalterliche Instrumente, was durch die Unisono-Passagen der traditionellen Gesänge noch verstärkt wird. Spannend ist ein zeitgenössisches Frühlingsgedicht von Jón Nordal.

Es folgt der Mädchenchor Hannover, der am Dienstag den ersten Preis am Deutschen Chorwettbewerb gewonnen hat. Den «Wassermann» von Robert Schumann singen sie so, wie man sich einen deutschen Frauenchor vorstellt. Stark sind sie bei «Witchcraft» von Cy Coleman, das sie mit Gesten und Bewegungen begleiten. Sie singen zusammen mit dem Young People’s Chorus of New York City, einem Sozialprojekt, das über Chorarbeit rund 1200 jungen Menschen neue Perspektiven eröffnet.

Wiedersehen mit Wagners Matrosen

Wer wohl auf die Idee gekommen ist, dafür den Matrosenchor aus Wagners «Fliegendem Holländer» auszuwählen? Anders «Can you hear», bei dem sich beide Chöre sichtlich wohl-fühlen und dem minimalen Dirigat von Francisco Nuñez willig folgen. Ein Stück des wohl populärsten zeitgenössischen Komponisten Eric Whitacre.

«With a Lily in your Hand» mischt zeitgenössische Klassik mit Pop und liegt diesem Chor perfekt. Aber nicht so perfekt wie die Spirituals. Die Energie, die sich bei «Ain’t no Grave Can Hold my Body down» entfaltet, ist schlicht immens und der Dirigent steuert das nicht, sondern lässt es geschehen.

Ähnlich geht es weiter, als die Little Singers of Armenia dazustossen. Wie zu erwarten, kommt «Amazing Grace» zur Geltung, mit grossen Solostimmen aus beiden Chören. Als Kontrast folgen drei armenische Hirtenlieder und dann fegen die Armenier alle von den Sitzen. In rascher Folge zelebrieren sie «Polifonik Katak», das traditionelle Gesänge persifliert, «Luys Zvart», eine zeitgenössische Komposition und «Steam Heat» mit einer Choreografie, die an Präzision nicht zu schlagen ist. Jedes Stück hat einen anderen Klang, auch hier ist der Dirigent mehr Moderator als Dompteur.

Appenzeller Chor mit Klamauk

Nach der Pause dann die Schweizer Überraschung. Ein Chor, der anlässlich der Olma gegründet wurde und Jodel mit seltsamen Komikelementen mischt: die Hitzigen Appenzeller. Sie sorgen für eine willkommene Auflockerung, vor allem, weil sie auch den irischen Gastchor mit ihrem Klamauk verführen. Diese bieten dann traditionellen feinen irischen Chorklang.

Als zweiter regionaler Chor kommt die Mädchenkantorei zu Eröffnungskonzert-Ehren. Ein Stück aus dem 16. Jahrhundert und eine zeitgenössische Komposition von Beat Furrer singen sie anständig, wenn auch das Dirigat von Cordula Bürgi irgendwie nicht zu der Ruhe der Stücke passen mag. Zusammen mit dem israelischen Chor Moran, auch dies ein Sozialprojekt, das Benachteiligte und Behinderte integriert, folgen zwei Volkslieder und ein beschwingtes Makhela Aliza.

Und dann entfaltet Moran das gesamte emotionale Potenzial, das in diesem Chor steckt. Wunderschöne Klänge, vielleicht etwas ethnokitschig, aber als sie ihren Gesang noch mit Gebärdensprache begleiten, öffnen sich die Herzen des Publikums. Tosender Applaus zum Abschluss eines hochkarätigen Eröffnungskonzertes.

Informationen zum weiteren Programm: www.ejcf.ch

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