Wenn die Mezzosopranistin Silke Gäng auf das Thema Lied zu sprechen kommt, dann sprudelt es nur so aus ihr heraus: «Es ist eine besondere Kunstform, die faszinierendste Art des Gesangs, mit Sprache, Stimme und Klavier, die absolute Konzentration auf die Musik und ihre Interpreten», sagt sie.

Gäng ist künstlerische Leiterin eines neuen Musikfestivals: Lied Basel. Vom 23. bis 26. Mai soll dabei nicht nur gesungen und am Flügel begleitet werden. Geplant sind auch Meisterkurse für Nachwuchsduos, interdisziplinäre Diskurse, eine Uraufführung und ein Abstecher in die Gefilde der elektronischen Musik und des Spoken Word (mit Jürg Halter und Janiv Oron). «Wir haben uns die Frage gestellt: Lied, was kannst du?», sagt Gäng.

Lied Basel will also zeigen, dass diese Kunstform mehr ist als das Herunterbeten der bekannten Schubert- und Schumann-Kompositionen. Natürlich werden diese beiden Komponisten vorkommen. Und mit dem Bariton Benjamin Appl sowie dem Pianisten Graham Johnson hat das Festival auch zwei internationale Stars des Genres als Artists in Residence auf dem Programmzettel. Sie werden am 24. Mai im Belle Epoque Saal des Trois Rois ihren grossen Auftritt haben, aber auch Meisterkurse abhalten und an Panels teilnehmen.

Gut aufgehoben im Ackermannshof

Festivalleiterin Gäng liess sich über die Praxis vom Lied einnehmen. «An Privatkonzerten lernte ich die unmittelbare Nähe zum Publikum schätzen», sagt sie. Da sei bald mal die Frage aufgekommen, warum man dies nicht auch in einem öffentlichen Rahmen machen könne – ohne natürlich den intimen Rahmen zu sprengen. Im Ackermannshof sei man da gut aufgehoben.

Mit in der Festivalleitung sitzt der Basler Autor Alain Claude Sulzer. Er hat spätestens seit seinem Roman «Aus den Fugen» (2012) seine grosse Affinität für die klassische Musik unter Beweis gestellt. Als literarischer Begleiter arbeitet er regelmässig mit dem Sinfonieorchester Basel und anderen Musikern zusammen. Sein Interesse am Lied fokussiert sich neben seiner Liebe zur Musik auf den Aspekt der musikalischen Lyrik. «Das Lied hat –mehr als die Arie in der Oper – Literatur als festen Bestandteil», sagt er. Zu den bekanntesten Beispielen gehören sicher Franz Schuberts Vertonungen der Gedichtzyklen «Die schöne Müllerin» oder «Die Winterreise» von Wilhelm Müller.

Wie wichtig der Text im Lied ist, zeigt auch das Beispiel des Volkslieds «Die Gedanken sind frei», eine Zeile, welche die Macher als Motto ihrer ersten Festivalausgabe auserkoren haben.
Sulzer weist darauf hin, dass man mit Lied Basel eine vernachlässigte Nische in der Musikstadt Basel besetze. «Im Gegensatz zur Alten und Neuen Musik, zur Romantik und Oper fristet das Lied hier ein eher stiefmütterliches Dasein», sagt er. Lieder-Freunde aus Basel seien bis jetzt quasi gezwungen gewesen, an auswärtige Festivals wie die renommierte Schubertiade in Schwarzenberg zu reisen oder sich an Hauskonzerte einladen zu lassen.

Apropos Hauskonzerte: Das Festival Lied Basel finanziert sich zu einem wesentlichen Teil durch Beiträge privater Gönner, die in einem Freundeskreis zusammengeschlossen sind. Rekrutiert wurden diese «Freunde» unter anderem an Hauskonzerten.

   

Lied Basel Vom 23. bis 26. Mai im Ackermannshof. Programm: www.liedbasel.ch