Was vor 15 Jahren begann, ist zur schönen Tradition geworden, und zu der gehört auch Thomas Herzog, der am Samstag zum 10. Mal die «Jahresendmusik» dirigierte.

Bei Jubiläen gehen die Blicke gern kurz zurück, und so eröffnete, wie im ersten Konzert, Giacomo Rossinis Ouvertüre zur Oper «Wilhelm Tell» das Programm, das für ein solches Konzert überraschend seriös und einfallsreich war.

Kein Potpourri von der ernsten zur heiteren Muse, Euridice endete nicht als lustige Witwe, stattdessen fünf Sätze aus Tschaikowskys Ballett «Schwanensee», danach sogar eine «marche funèbre», wenn auch «d´une marionette» von Gounod, dann die ganz selten zu hörende Konzertouvertüre von Mendelssohns «Ruy Blas» (1839 für den Leipziger Theater-Pensionsfond» eher widerwillig komponiert), gefolgt von der fetzig-tänzerischen Vorankündigung des nächtlichen Feuerwerks, José Pablo Moncayos «Huapango», mit durchs Orchester wandernden Sombrero, und zum Schluss, zurück in Europa, Richard Strauss´ Suite aus dem «Rosenkavalier», dieser schwelgerisch orchestrierten und raffiniert ironischen Musik, die so recht nach dem Geschmack von Thomas Herzog ist, weil er dem Orchester all die klanglichen Finessen entlockte, die diese Musik auch 100 Jahre nach ihrer Uraufführung so faszinierend machen.

Seriös gespielt

Ganz seriös war sie gespielt! Von den ausgezeichneten Solisten seien im Folgenden die viel beschäftigten genannt: Manuel Druminski (Konzertmeister), Martin Jaggi (Violoncello), Tobias Schmitt (Oboe), Géraldine Cacciatore (Flöte), Carla Blackwood (Horn) und Jochen Weiss (Trompete). Vier Zugaben und als Kehraus der «Wettstein-Marsch», gesetzt für grosses Orchester und zum rhythmischen Mitklatschen bestens geeignet.

Ausverkauft war auch das Neujahrskonzert des Sinfonieorchesters Basel und des Theaterchores im Grossen Haus des Theaters unter Leitung des Düsseldorfer Generalmusikdirektors Axel Kober. Ein Blick auf die Komponistennamen: Bedrich Smetana, Jacques Offenbach, Alexander Borodin, Robert Stolz und Franz Lehár zeigte, wohin die Neujahrsreise gehen sollte: ins Land des Lächelns. Dass die am Vorabend ausgeladenen lustige Witwe nun mit ihrer dominanten Präsenz die verkaufte Braut, die Belle Hélène und die Venus in Seide ausstach, hatte allerdings stichhaltige Gründe. Das Opernstudio des Theaters «OperAvenir» gab der Nachwuchssängerin Cordelia Katharina Weil und ihren drei Kollegen Noel Hernández, Alex Lawrence und Rolf Romei Gelegenheit, vor vollen Haus zu singen und gleichzeitig sich neben der erprobten Maja Boog zu beweisen.

Sentimentalität und Seriosität

«Lippen schweigen, ´s flüstern Geigen: Hab´ mich lieb!» oder «Dein ist mein ganzes Herz, wo du nicht bist, kann ich nicht sein», schliesslich «Es lebt eine Vilja, ein Waldmägdelein, ein Jäger erschaut sie im Felsengestein»: Was gibt es Schwereres als das (vermeintlich) Leichte und Seichte? Wenn etwas dieses bunte Konzertprogramm hörenswert machte, war es zum einen die Professionalität, mit der diese Nachwuchssänger Seriosität und Sentimentalität ausbalancierten. Zum andern waren es jedoch die Spielfreude des Orchesters und die Gesangskultur des von Henryk Polus einstudierten Theaterchores.

Zwei ganz unterschiedliche Konzerte in dichter Folge. Was für ein Ende, was für ein Beginn. Ein Hoch auf die Musikstadt Basel!