20 Monate haben Michael, Tim und Benjamin Kittelmann aus München an einem Lego-Nachbau des deutschen Schlachtschiffs Bismarck gebaut. Rund 80 000 Bausteine waren für den sechs Meter langen Nachbau nötig. Und 300 Meter Kabel, denn die schwere und mittlere Artillerie sowie der Flugzeugkatapult können ferngesteuert werden.

An der Muba-Ausstellung Brick Live ist das Schlachtschiff einer der Publikumsmagnete – doch noch vor Eröffnung der Ausstellung haben die Verantwortlichen nachgebessert. «Wir haben die heiklen Symbole auf dem Schiffsdeck und auf der Fahne mit Papier abgedeckt», sagt Muba-Sprecherin Sabrina Oberländer auf Anfrage der bz.

Die Bismarck war das wohl bekannteste Grosskampfschiff der deutschen Kriegsmarine mit einer Länge von über 250 Metern und einer Höchstgeschwindigkeit von 57 Kilometern pro Stunde.

Das 1939 gebaute Schiff wurde im Mai 1941 von der britischen Kriegsmarine versenkt, nachdem es nur wenige Tage zuvor den britischen Schlachtkreuzer Hood versenkt hatte. Beide Gefechte forderten weit über tausend Todesopfer. Und trotzdem haben sich die Muba-Verantwortlichen dazu entschlossen, das Exponat zu zeigen.

«Das Modell ist toll gebaut»

«Es handelt sich um ein besonders schönes und eindrückliches Schiff, das zudem noch eine geschichtlich wichtige Epoche zeigt», begründet Oberländer. Bisher hätten sich keine Besucher negativ geäussert. «Des Weiteren ist das Objekt Teil der unabhängigen Ausstellung des Schweizer Legovereins, dessen Mitglieder freie Hand haben, ihre Fertigkeiten und Kreativität zu zeigen», sagt die Sprecherin. Dass wir die heiklen Symbole im Rahmen einer solchen Ausstellung nicht zeigen möchten, sei doch verständlich.

Beim Lego-Verein ist man mit der Teilweise-Zensur einverstanden. «Wir haben das Modell der Bismarck als Ausstellungsobjekt gewählt, weil es toll gebaut ist und aufzeigt, welche vielfältigen Möglichkeiten der Lego-Baustein bietet», sagt Vizepräsident Stephan Matter. «Da das Hakenkreuz aber auch negative Reaktionen auslösen kann und in Deutschland sogar verboten ist, haben wir entschieden, das Hakenkreuz abzudecken.»

Selbstverständlich in Absprache mit dem Erbauer des Modells. Dieser war für die bz gestern nicht zu erreichen und konnte deshalb die Frage nicht beantworten, wieso er das umstrittene Nazi-Symbol überhaupt angebracht hat. Denn die Original-Bismarck trug die auffällige Hakenkreuzbemalung nur bei ihrem Stapellauf und auf den Probefahrten in der Ostsee.

Als sie im Mai 1941 zu ihrer ersten und letzten Einsatzfahrt auslief, war das Zeichen bereits übermalt – um sie besser zu tarnen vor den Angriffen englischer Torpedoflieger.

Die Debatte – Hakenkreuze aus Lego

Innerhalb der Redaktion scheiden sich die Geister an der Frage, ob man aus Lego alles bauen darf und soll.

Pro:

«Kriegsspielzeug darf sein»

Durch das Betrachten eines Hakenkreuzes wird man nicht zum Nazi

«Trommel, Pfeife und Gewehr/Fahn und Säbel und noch mehr/Ja ein ganzes Kriegesheer/Möcht’ ich gerne haben.» So beschrieb Hoffmann von Fallersleben 1835 in «Morgen kommt der Weihnachtsmann» die Wünsche eines Kindes. Seit es die moderne Pädagogik gibt, gibt es die Debatte über Kriegsspielzeug. Ich bin der Meinung, Kriegsspielzeug darf sein, braucht aber Erklärung und Begleitung. Kein Kind wird beim Anblick eines Lego-Schlachtschiffs den Wunsch verspüren, in Polen einzumarschieren. Und niemand wird durch das Betrachten eines Hakenkreuzes zum Nazi.

Es hätte zwei ehrliche Möglichkeiten gegeben, mit der Frage umzugehen: Erstens: Man stellt kein Modell der «Bismarck» aus. Zweitens: Man stellt eines aus, inklusive Hakenkreuzen. Die Variante «wir stellen das Modell aus, aber zensurieren die Hakenkreuze» ist der bemühte Versuch politischer Korrektheit unter Wahrung historischer Authentizität. Die beste Variante allerdings wäre diese gewesen: Die «Bismarck» so nachbauen, wie sie in den Einsatz fuhr: komplett in grauer Tarnbemalung.

Contra:

«Mangelnde Sensibilität»

Nazi-Kriegsschiffe und Kinderspielzeug gehören nicht kombiniert

Die rarste aller Lego-Sondereditionen ist ein Konzentrationslager. Stacheldraht, Überwachungstürme und bis aufs Skelett heruntergehungerte Häftlinge: Das Set bietet alles, was das Herz des Historikerbauklotzfetischisten begehrt. Geschmacklos finden Sie? Ich kann Sie beruhigen. Beim Lego-KZ handelte es um eine Aktion des polnischen Punkkünstlers Zbigniew Libera.

Worin hingegen der Sinn bestehen soll, an einer Spielzeugmesse ein Nazi-Kriegsschiff auszustellen – verdecktes Hakenkreuz hin oder her – erschliesst sich mir nicht. Nur eine Zahl: Über 1400 Soldaten liessen ihr Leben, als der britische Schlachtkreuzer Hood 1941 von der Bismarck zerstört wurde. Eines der unzähligen tragischen Kapitel in einem Krieg, in welchem mein kürzlich verstorbener Grossvater noch gekämpft hatte.

In einer Zeit, in der die Volksverhetzer wieder aus ihren Löchern gekrochen kommen und längst vergangen geglaubte Ideologien verbreiten, zeugt das Präsentieren einer Nazi-Kriegsmaschine an einer Ausstellung, die von kindlicher Begeisterung lebt, von einem seltenen Ausmass an mangelnder Sensibilität.