Bar Rouge
Mit Pfefferspray gegen Gäste: Handelten die Türsteher in Notwehr?

Vier Türsteher der «Bar Rouge» im Messeturm stehen wegen Rangeleien mit Gästen vor dem Basler Strafgericht. Sie sollen im Januar 2012 ohne Grund Pfefferspray gegen Gäste eingesetzt haben.

Patrick Rudin
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Die Türsteher der Bar Rouge sollen laut Anklage Körperverletzung begangen haben.

Die Türsteher der Bar Rouge sollen laut Anklage Körperverletzung begangen haben.

Keystone

«Türsteher ist ein gefährlicher Beruf», meinte ein Verteidiger zum Prozessauftakt, und tatsächlich stellt sich die Frage, ob vier Männer nur deshalb vor dem Basler Strafgericht stehen, weil sie ihren Job gemacht haben. Der korrekte Ausdruck für ihre damalige Funktion in der Bar Rouge im Messeturm heisst allerdings «Sicherheitsdienst», und die Vorwürfe beziehen sich auf ihren Umgang mit Gästen in der Bar: Im Januar 2012 warfen sie eine Gruppe von vier Männern und zwei Frauen aus dem Lokal.

Dass die beiden 34 und 36 Jahre alten Hauptangeklagten dabei Pfefferspray eingesetzt haben, ist unbestritten. Genau so klar ist allerdings, dass die vier männlichen Gäste jeweils einen Alkoholpegel zwischen 1,4 und 2 Promille im Blut hatten. Die Bar war an jenem Abend proppenvoll. Details des Gerangels sind indes umstritten. Einer der Gäste sagte aus, er habe kurz vor dem Rausschmiss noch einen Faustschlag ins Gesicht erhalten. Die vier Angeklagten betonen allerdings unisono, sie hätten sich bloss gewehrt, nachdem sie mehrmals angegriffen worden seien. Auch hätten sie vor dem Gebrauch des Pfeffersprays die Gruppe gewarnt.

«Die Männer sind handgreiflich mit anderen Gästen geworden, das Personal wollte schlichten», sagte der Verteidiger des 36-Jährigen. Auch der Verteidiger des 34-jährigen Türstehers betonte, sie seien verpflichtet gewesen, im Haus für Ordnung zu sorgen, man könne den Auftrag mit dem Ordnungsdienst in einem Fussballstadion vergleichen. «Sonst wirft ihnen die Bewilligungsbehörde vor, sie seien nicht in der Lage, für Ruhe und Ordnung zu sorgen», meinte der Verteidiger.

Die zwei Hauptangeklagten waren an einem weiteren Vorfall in der Bar Rouge im Juli 2012 dabei: Dort soll ein Polterabend zu wild geworden sein, die angetrunkenen Gäste wurden gegen vier Uhr morgens beim Verlassen der Bar ebenfalls mit Pfefferspray eingedeckt.

Auch hier Aussage gegen Aussage

Die vier Türsteher sind nicht vorbestraft und stammen alle aus dem ehemaligen Jugoslawien. Zwei wollen sich derzeit mit ihrer Familie in der Schweiz einbürgern lassen, doch wegen des laufenden Strafverfahrens haben die Behörden die Einbürgerung sistiert.

Vordergründig geht es um einen Schuld- oder Freispruch wegen Körperverletzung und Angriffs, die Staatsanwaltschaft beantragt für die beiden Hauptangeklagten eine bedingte Freiheitsstrafe von zehn Monaten. Bedeutender dürfte für die Angeklagten allerdings sein, ob sie ihren Job behalten können und mit einem Freispruch ein Hindernis für ihre Einbürgerung aus dem Weg geräumt wird.

Der Prozess begann bereits im vergangenen Oktober, doch verschob das Gericht den Termin für weitere Zeugeneinvernahmen. Einer der damaligen Gäste konnte sich am Montag vor Gericht nicht mehr an Details erinnern, ein zweiter erschien trotz Vorladung nicht. Das Urteil fällt am Dienstag. Die vier Verteidiger forderten generell Freisprüche: Die Angestellten hätten in Notwehr gehandelt.

Zuletzt musste sich das Basler Strafgericht im Dezember 2013 mit einem ähnlichen Fall auseinandersetzen: Ein stark alkoholisierter Mann auf dem Messeplatz sagte, er sei von einem der Bar Rouge-Türsteher geschlagen worden. Mangels Beweisen gab es damals einen Freispruch.

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