In der Mitteilung des Nachristendienst des Bundes (NDB) wird China als «undurchsichtiger Akteur» betitelt. NDB-Direktor Markus Seiler warnt zudem vor dem Einfluss sogenannter Konfuzius-Institute. Diese seien «Teil einer umfassenden Strategie, mehr Einfluss zu gewinnen». Auch in Basel gibt es ein solches Konfuzius-Institut. Dessen Präsidentin Qi Zhu Ammann wehrt sich im Interview vehement gegen die Vorwürfe Nachrichtendienst-Chefs.

Frau Ammann, verstehen Sie die Kritik am Modell des Konfuzius-Institutes in Basel?

Qi Zhu Ammann: Ich verstehe, dass es Kritik gibt. Aber dass in der Berichterstattung von einer Bedrohung geredet wird, ist für mich unverständlich.

Der Nachrichtendienst des Bundes hinterfragt in seinem Bericht die Unabhängigkeit Ihrer Institution. Spüren Sie Druck von China?

Nein, definitiv nicht. Wir sind als Verein organisiert. Unsere Führung besteht aus neun Vorstandsmitgliedern, fünf dieser Mitglieder kommen aus Basel. Diese leiten zusammen unser Projekt. Druck spüren wir also definitiv keinen.

Dass China mithilfe von Konfuzius-Instituten ideologischen Einfluss auf andere Länder nehmen will, stimmt also nicht?

Darüber kann ich nur lachen. Wir wollen die Sprache vermitteln, die chinesische Kultur. Aber auch konfuzianische Werte. Diese regeln das Zusammenleben der Menschen. Schreiben vor, dass jedermann eine Ausbildung geniessen darf. Mit Propaganda hat dies meiner Meinung nach gar nichts zu tun.

In China herrscht Internetzensur, Einschränkung der Religionsfreiheit und eine fragwürdige Beziehung mit der tibetischen Bevölkerung. All diese Werte sind ja Teil dieser Kultur, die Sie vermitteln.

Internetzensur sehe ich keinesfalls als etwas Positives an. Und dass in China ein Einparteiensystem herrscht, ist auch ein Fakt. Trotzdem ist eine Abschottung, ein Ignorieren der chinesischen Kultur keine Strategie, die wir gutheissen.

In China gibt es viele Probleme. Das sehen Sie auch so?

Ja natürlich, das steht ausser Frage. China hat viele Baustellen, viele Probleme, die angepackt werden müssen. Aber darum sollte man nicht direkt von einer Bedrohung reden.

Was sind konkrete Ziele des Konfuzius-Instituts in Basel?

Wir wollen einen Mehrwert für die Gesellschaft bieten. Dieses Jahr schicken wir zum Beispiel 25 Studenten für zwei Wochen im Rahmen der Summer School nach China. Bei der East China Normal University sollen sie Einblick in die Kultur Chinas erhalten. Ausserdem organisieren wir Events, die der Gesellschaft zu Gute kommen sollen. Wie zum Beispiel das alljährlich stattfindende Mondfest auf dem Basler Münsterplatz.