Am 21. Mai stimmen die Basler Stimmbürger über den Veloring und die Frage, ob in Jugendzentren Alkohol ausgeschenkt werden darf, ab. Deutlicher weniger öffentlichkeitswirksam sind die Wahlen der Bürgergemeinde, welche am gleichen Tag stattfinden.

Der Wahlkampf um die 40 Sitze im «kleinen Parlament» läuft traditionellerweise deutlich ruhiger und gesitteter ab als die kantonalen und nationalen Wahlen. Dies hängt vor allem mit zwei Aspekten zusammen. Einerseits sind nur Personen wahlberechtigt, welche das Basler Bürgerrecht haben, unter dem Strich rund ein Viertel der Kantonsbevölkerung. Andererseits hat die Bürgergemeinde – historisch das Überbleibsel der kommunalen Politik in der Stadt – realpolitisch nur noch wenig Handlungsraum.

Tradition im Visier

Doch nun mischt die Linke, die in der Bürgergemeinde im Gegensatz zum Grossen Rat klar in der Minderheit ist, den Wahlkampf auf. Als eine ihrer fünf Kernforderungen für den bevorstehenden Wahlkampf fordert die SP «Die Öffnung aller Zünfte für Frauen». Zur Erklärung: Die Bürgergemeinde hat die Oberaufsicht über die Zünfte. Mit ihrer Forderung stechen die Genossen vor allem bei konservativen Zünftlern in ein Wespennest.

Von den 30 Zünften und Gesellschaften nehmen gerade mal deren drei – Zunft zu Schneidern, Zunft zu Gartnern und Akademische Zunft – auch Frauen in ihre Reihen auf. Alle anderen sind nach wie vor reine Männergesellschaften. «Zünfte sind in Basel ein wichtiges Netzwerk», sagt Sarah Wyss, SP-Wahlkampfleiterin und selber Bürgergemeinderätin. «Es kann nicht angehen, dass Frauen davon ausgeschlossen sind.»

Sie selber könnte sich auch gut vorstellen, «zünftig» oder eine «Gesellschaftsschwester» zu werden, sagt Wyss. «Wir sind uns bewusst, dass unsere Forderung provokativ ist und sie kurzfristig auch nur schwer erreichbar ist.» Aber es sei wichtig, dass die Bürgergemeinde als Oberaufsichtsorgan ihre Möglichkeiten stärker nutze und in der Frauen-Frage Druck auf die Zünfte ausübe. «Aber am besten wäre es natürlich, wenn der Willen von den Zünften selber da ist», sagt Wyss.

Diese Meinung teilt auch Stefan Wehrle. Der CVP-Vertreter ist im laufenden Amtsjahr Präsident des Bürgerrats, der siebenköpfigen Exekutive der Bürgergemeinde. Er ist Mitglied bei der Ehrengesellschaft zum Greifen sowie bei der Akademischen Zunft und der Zunft zu Gartnern. «Ein bewusster Entscheid, denn diese beiden Zünfte nehmen auch Frauen auf», sagt Wehrle. Es sei sicher sinnvoller, wenn sich jede Zunft selber öffnet und beschliesst, Frauen aufzunehmen. «Mehrheitlich dürfte dies eine Frage der Zeit sein», sagt Wehrle. Bei Diskussionen und Abstimmungen über dieses Thema tue sich innerhalb der Zünfte ein deutlicher Generationenunterschied auf.

Rechtlich heikle Sache

Rechtlich könnten die Zünfte von der Bürgergemeinde wohl zur Aufnahme von Frauen gezwungen werden, erklärt der promovierte Jurist und ehemalige Strafgerichtspräsident Wehrle mit Verweis auf einen fiktiven Fall: Wenn eine Frau aufgenommen werden wolle, könne sie gegen die zu erwartende Absage rekurrieren. Als öffentlich-rechtliche Korporationen sind Zünfte und Ehrengesellschaften verpflichtet, die Gleichheit von Mann und Frau zu berücksichtigen. Wenn nicht vom Bürgerrat, so wäre spätestens vom Appellationsgericht als nächster Instanz in dieser Frage ein eindeutiges Urteil zu erwarten. «Unter Juristen ist dieses Szenario bekannt», sagt Wehrle. Wie toll es dann für die Frau sei, in dieser Zunft zu sitzen, ist aber eine andere Frage.