In der Nostalgie schwelgen, der guten alten Zeit huldigen. Mit Songs, die fast alle älter sind als 30. Mit einer eindrücklichen Anzahl Nummer-1-Hits. Ungefähr so lassen sich die Auftritte des Hardrock-Doppelpacks mit Foreigner und Krokus an der Baloise Session zusammenfassen.

Die britisch-amerikanischen Foreigner zählten Ende der 70er-Jahre zur Speerspitze des sogenannten Adult Orientated Rock – einem Genre, das mit einer Kombination aus druckvollen Gitarrenriffs und eingängigen Melodien eine Alternative zum angesagten Punk darstellte. Für all jene, die eben nicht wütend und frustriert, sondern optimistisch und verliebt waren. Eine Haltung, die bestens zur sich distinguiert gebenden Baloise Session passt.

Zwar kritisiert Foreigner-Vokalist Kelly Hansen wie so viele vor ihm die «tables and chairs». «Thats not a fucking rock show.» Doch, mit Verlaub, das ist bloss aufgesetzte Rocker-Attitüde: Die geschliffenen Foreigner-Kracher und vor allem das Akustik-Set im Mittelteil des Konzerts bilden alles andere als einen Kontrapunkt zu den Kerzen und Cüpli auf den Tischen. Sollen sie auch nicht.

Jeder Schlag sitzt

Was während des knapp 80-minütigen Basler Konzerts fasziniert: Punkto Timing und Druck lassen Foreigner keine Altersnachlässigkeit erkennen. Jeder Schlag auf der Snare sitzt, die Gitarrenriffs grooven mächtig. Ausnahmestimme Kelly Hansen hat dasselbe schrille Organ wie sein legendärer Vorgänger Lou Gramm und schraubt sich mit derselben Präzision und Sicherheit durch die Oktaven. Der für Foreigner ebenfalls prägende bombastische Keyboard-Sound wirkt teilweise etwas gar aufdringlich, etwa bei «Break it up», und auf eine nicht mal unangenehme Weise völlig unzeitgemäss.

Das Saxophon-Solo in «Urgent» ufert etwas gar weit aus – und raubt damit dem Knüller die Wucht. In «Jukebox Hero» beeindruckt einmal mehr der energisch gegen die Gitarren haltende Sänger Hansen. Doch ausgerechnet beim wohl nachhaltigsten Foreigner-Song überhaupt zeigt sich, dass live die rohe Kraft des Originals nicht mehr vorhanden ist. Mancher Familienvater im Publikum dürfte bei der Nummer-1-Ballade «Waiting For a Girl» kurz in Jugenderinnerungen schwelgen. Doch die bange Frage lässt sich nicht wegwischen: Was würde der Sohnemann zum Treiben auf der Bühne sagen? Im Gegensatz etwa zu einem Konzert der Rolling Stones sind Foreigner halt eben doch kein Vergnügen für die ganze Familie.

Dasselbe trifft zumindest an diesem Abend in Basel auch auf Krokus zu. Dabei wäre der zeitlose, an AC/DC erinnernde Rock der Solothurner an sich bestens geeignet, auch jüngere Musikfans anzusprechen.

Warum soviele Cover?

Das ehrliche, schnörkellose Handwerk der Herren von Rohr, von Arb, Storace und Co. hebt sich wohltuend ab vom teilweise überkandidelten Altherren-Rock von Foreigner. Unverständlich bleibt, weshalb Krokus neben ihren Stampfern «Bedside Radio» und «Heatstrokes» derart viele Coverversionen im Gepäck mitführen. Gewiss sorgen «American Woman» und «Mighty Quinn» für gute Stimmung im Saal, doch das hätte das teilweise superbe Songmaterial des ehemaligen Schweizer Musikexports Nummer 1 wohl auch getan.

In der Nostalgie-Show ging man zu stark auf Nummer sicher. Schade.