Von Samstag 13 Uhr bis heute Montag fünf Uhr lautete die planerische Vorgabe für die Gleiarbeiten am Bahnhof SBB in Richtung Süden. «Nur die S6 aus dem Wiesental konnte nicht in den Bahnhof SBB einfahren und musste schon am Badischen Bahnhof halten», erklärt Michel Hug, Projektleiter Fahrbahn bei den SBB. Über allem stehe aber die Sicherheit seiner Mitarbeiter, stellt der Auftragsverantwortliche Jean Gretter klar.

Insgesamt waren bis zu 40 Personen verteilt auf fünf Schichten am Wochenende in Einsatz. Auszuwechseln war eine 14 Jahre alte Weichenanlage auf Höhe der Straumann AG beziehungsweise der Juristischen Fakultät im Ostteil des Bahnhofs. Die Entscheidung, die Weiche 2013 auszuwechseln, wurde laut Hug bereits vor vier Jahren getroffen, als man eine Schadensbeurteilung unternahm. «Einzelne Weichenteile kann man auswechseln, bei grösserer Abnutzung muss man die Weiche komplett auswechseln.» Es handelt sich um eine enge, viel befahrene Weiche. «Aufgrund des Radius ist die Belastung für das Material grösser als anderswo.»

Betroffen ist der Schwellensatz. Die Platten haben sich ins Holz eingefressen, der Schotter kann nach vielen Jahren nicht mehr die nötige Wirkung erzielen. «Die Kanten der Steine runden sich mit der Zeit ab. Die Steine können nicht mehr ineinander greifen, was für die Stabilität der Schienen von grosser Bedeutung ist. Zudem geht die Wasserdurchlässigkeit und die Elastizität verloren», erläutert Hug die Abnutzungserscheinungen.

Auf Rädern und Raupen

Bei der neuen Weiche handelt es sich um eine Sonderkonstruktion aus Österreich. «Die neuen Schienen mit der Bezeichnung 54E2 sind leicht höher und schwerer als die alten 46E2. Ein Meter Schiene wiegt demnach neu 54 Kilogramm, was die Stabilität markant erhöht.» Aufwendiger wird demnach die Überschweissung der Weiche an die alten Schienen mit den alten Höhen.

Bevor aber die neuen Schienen mitsamt den Schwellen verlegt werden können, muss die alte Fahrbahn herausgeschnitten und mit einem Kran herausgehoben werden. Anschliessend trägt ein spezieller Bagger den alten Schotter ab. Mittels Förderband gelangt der Schotter anschliessend auf einen 150 Meter langen Zug von Förderwagen. Diese können sowohl mit normalen Rädern auf den Schienen als auch mit einer ausfahrbaren Raupe auf dem Schotter fahren. Die 300 Kubikmeter neuer Schotter werden bis auf zwanzig Zentimeter Höhe aufgetragen, worauf die neuen Schwellen inklusive der Schienen gelegt werden. Jean Gretter hat für seine Leute alles minutiös geplant: «Danach legen wir nochmals zehn Zentimeter Schotter nach, der dann mit einer Stopfmaschine unter die Schwellen und Schienen gestopft wird.» Heute Nacht werden dann die abschliessenden Schweissarbeiten erledigt.

Da es sich beim Herzstück der neuen Fahrspur nicht um ein Regelstück aus dem normalen Fundus der SBB Gleisanlagen handelt, gestalten sich die Arbeiten von der Vorbereitung bis zur Endmontage aufwendiger als gewöhnlich. «Gegen 1,5 Millionen Franken kosten die Bauarbeiten insgesamt», rechnet Planer Hug vor. Dabei schlägt auch die Entsorgung des alten Materials zu Buche. Aufgrund der Imprägnierung der Schwellen sind sowohl diese als auch unter bestimmten Umständen der Schotter als Sonderabfall zu entsorgen.