Gut, dass das schlechte Wetter am späten Samstag dazu verleitet hatte, die Wintersachen noch einmal rauszuholen. Es war am Abend mächtig kühl in der zugigen Halle auf dem Dreispitzareal, in der die diesjährigen Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen des Institute of Fashion Design Basel der FHNW ihre Abschlussarbeiten vorstellten. Zur Kühle kam die Coolness, die zu solchen Events wohl dazugehören muss: ruppige Türsteher, laute Bässe und meist grimmig dreinblickende Models. War das eigentlich ernst gemeint und nötig – die Türsteher zum Beispiel – oder eine ironische Anspielung auf das bekanntermassen raue Klima an den grossen Laufstegen dieser Welt?

Die ganze Show dann war wohl als eine Art Roadtrip gedacht, mit sekundenkurzen Filmsequenzen zwischen den einzelnen Auftritten, die Scheinwerfer und Strassen zeigten. Geradezu im Stil des US-Actionfilms «The Fast and the Furious». Was das aber mit den vorgestellten Entwürfen zu tun haben sollte, blieb rätselhaft. Ebenso das Motto, unter dem präsentiert wurde: «Join us flaneur emigré on our soul promenade».

Wrestling zum Auftakt

Vor allem erschloss es sich einem wirklich nicht, warum eine Wrestling-Szene mit Hulk Hogan der Auftakt für die als Schlussfeuerwerk präsentierten Arbeiten der einzigen Masterabsolventen, dem Duo Wuethrich Fuerst, sein sollte: Ihr interessanter Umgang mit dem Kontrast zwischen statischen Passstücken, die oft als Kopfbedeckungen fungieren und von den Models getragen wurden, und eleganten fliessenden Stoffen, war ein subtiler Hinweis auf Erwartungen, die an Mode herangetragen werden, passte aber doch wenig zu Wrestling.

Die Arbeiten der Bachelorabsolventen, die ein dreieinhalbjähriges Studium hinter sich haben, waren durchweg beeindruckend: Was da an den rund 1000 Zuschauern vorbeidefilierte, die auf einer grossen Pyramide sassen, zeigte Können auf hohem Niveau und grosses Interesse an Details und an Materialien, die oft und scheinbar wieder immer mehr auf traditioneller Handarbeit basieren: Patchworksteppjacken (Arabella Miller), mit Perlmuttkugeln verzierte Häkelgewänder (Angela Thurnherr) oder grobmaschig Gestricktes (Elena Hofmeyer).

Es komme darauf an, seine Haltung, seine Persönlichkeit, durch Kleidung auszudrücken; das sei das Hauptkriterium beim Entwerfen der Abschlussarbeiten, wie das Fashion Institute verlauten liess. Dies führte zu ganz unterschiedlichen, oft witzigen Ergebnissen, wie zum Beispiel zu Julia Zwahlens bordeauxrotem Jogginganzug. Ganz klar ein ironischer Kommentar zu Karl Lagerfelds Bonmot, wer einen Jogginganzug trage, habe sich selbst aufgegeben. Einengen darf nur ganz wenig, die Rückkehr der superbreiten Schultern aus den 1980er Jahren scheint beschlossene Sache zu sein, wobei der «Flaneur emigré» beziehungsweise sein weibliches Pendant alles in applizierten Taschen am Körper mit sich trägt (Isabella Meyer).

Runde Formen oder viel Haut

Auch die bunt gestreiften Hosenanzüge und schulterfreien Strandkleider von Chantal Brogini erinnerten an die lässige Mode des späten 20. Jahrhunderts. Witzig war Lisa Rechsteiners auf der Herzform basierende Brust und Po betonende Spice-Girl-Reminiszenz, vorgestellt durch Models mit wohltuend runden Formen. Spektakulär und dazu kontrastierend die betont schlanken Mädchen, die Ugo Pecoraios viel Haut zeigende Abendgarderobe auf zweirädrigen Segways vorführten.

Auch die Arbeiten von Nadine Michelle Scherer stachen heraus: Streng verspielte Kleidchen, eine Mischung aus Mondrian und Basquiat. Oder Delia Matthäus’ wie ein Gehrock geschnittener cremefarbiger Herrenmantel mit grossem Aufschlag. Und geht das eigentlich, elegante Baggy Trousers aus Cordsamt? Romain Sochon zeigte, dass es geht.