Umfrage

Mitarbeiter der Pädagogischen Hochschule unzufrieden mit Leitung

Die Mitarbeiter Pädagogischen Hochschule machen sich Sorgen um die Ausrichtung ihrer Arbeitsstätte. (Symbolbild)

Die Mitarbeiter Pädagogischen Hochschule machen sich Sorgen um die Ausrichtung ihrer Arbeitsstätte. (Symbolbild)

Jeder zweite Mitarbeiter der Pädagogischen Hochschule würde seine Stelle wechseln, hätte er ein Angebot. Der Grund für diese beängstigende Zahl ist beunruhigend: Die Lehrerausbildung leidet zugunsten der Forschung.

Die Pädagogische Hochschule Nordwestschweiz (PH FHNW) hat offensichtlich massive Probleme: In einer Umfrage unter den Mitarbeitenden gibt rund die Hälfte an, sie würde die Stelle wechseln, gäbe es ein Angebot. Die «NZZ am Sonntag» zitierte gestern auszugsweise aus einer Studie, die der bz vorliegt. Diese zeigt Ungewöhnliches für eine von Lehrerverbänden und Gewerkschaften durchgeführte Umfrage auf: Die Mitarbeiter der PH FHNW sind nicht unzufrieden, weil der Lohn oder die Arbeitszeiten nicht stimmen würden. Nein, sie machen sich Sorgen um die Ausrichtung ihrer Arbeitsstätte. Die Lehre, also die Ausbildung der zukünftigen Lehrkräfte, würde massiv unter der Forschungsoffensive leiden, die der Schuldirektor, Herrmann Forneck, ihr verordnet hat.

Direktor wäre gerne Uni-Rektor

Forneck brüstet sich immer wieder gerne mit der Zahl an wissenschaftlichen Publikationen und den Forschungsgeldern, die seine Schule bekommt. «Er redet immer davon, die PH zum ‹Pädagogischen Oxford› der Schweizer Hochschulen zu machen», erzählt ein Insider. Und das geht zulasten der Ausbildung.

In der Tat: Die Studie der Lehrerverbände musste sich zwar die Zahlen selbst mühsam zusammenstellen, weil die Schulleitung die Studie zu verhindern suchte. Doch deutlich sind sie trotzdem: In den fünf Jahren seit der letzten Umfrage ist der Anteil der Dozierenden an der Gesamtzahl der Mitarbeitenden von 63 Prozent auf 36 Prozent gesunken. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil der Forschenden von 15 auf 49 Prozent.

Forschen ja, aber...

«Forschung ist wichtig, aber nicht dermassen auf Kosten der Dozierenden», sagt die bz-Quelle. Damit steht sie nicht alleine da: 69 Prozent der Dozierenden sind mit der Strategie ihrer Hochschule nicht einverstanden. Aufs ganze Personal gesehen liegt dieser Anteil bei 59 Prozent

Kritik kommt auch an der neuen Form der Forschung: «Das Institut für Forschung wird zunehmend ausgehöhlt. Dafür gibt es nun 40 Professuren, über alle Institute verteilt, die einen enormen Druck spüren, publizieren zu müssen – zulasten der Lehre.»

Entsetzte Experten

Der ETH-Forscher Theo Wehner, der von den Studienverfassern als externer Experte beigezogen wurde, beurteilt die Ergebnisse als «desolat». Im Gespräch mit den Verfassern der Umfrage habe er zu Protokoll gegeben, er habe noch nie so schlechte Zustimmungswerte gesehen, so die bz-Quelle.

Die gesamte Studie soll heute publiziert werden.

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