Open Airs
Mittelmass bei Open Airs? Den Baslern ists egal

Die Meteorologen haben in dieser Woche leichtes Spiel. Am Freitag beginnt mit dem Leimentaler Open Air die Festival-Saison in der Region. «Und pünktlich zum ersten Konzert hat der Regen noch immer eingesetzt», üben sich die OK-Mitglieder des Oberwiler Events in Galgenhumor.

Leif Simonsen
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Doch vom Wetter lässt man sich nicht unterkriegen. Inmitten des Baselbieter Festivalsterbens hat sich das Leimentaler Open Air zehn Jahre behaupten können. Daniel Jung, nun im vierten Jahr OK-Präsident, verrät das Rezept: «Wir haben uns stets als Nischenprodukt gesehen. Wir haben akzeptiert, dass andere Festivals im Mittelpunkt stehen - und sahen dabei zu, wie sie sich finanziell übernahmen.»

Nun gibt es die Festivals in Nunningen und in Frick nicht mehr, das Rock am Bärg im solothurnischen Büsserach musste ebenfalls ein Jahr pausieren, nachdem man mit Baschi und den Young Gods im Jahr 2010 beinahe Bankrott gegangen wäre.

Keine internationalen Grössen

1 500 Zuschauer kamen im letzten Jahr ans Leimentaler Open Air - damit gehört Daniel Jung schon zu den bedeutendsten Festivalveranstaltern der Region. In und um die Kulturstadt Basel können die Jugendlichen von einem Grossfestival à la St. Gallen oder Gurten also nur träumen. Jung war selber lange der Überzeugung, dass sich hier eine Marktlücke auftut. Ob mit Metallica aber tatsächlich die Kassen klingeln würden, beurteilt der 29-Jährige heute skeptisch.

«Die Festivaldichte ist äusserst hoch geworden. Wenn man ein weiteres grosses Festival auf die Beine stellen will, dann ist man auf starke Geldgeber angewiesen.» Und für Stromgitarren haben die Basler Mäzene offenbar nicht viel übrig. Deswegen arbeiten die Festivalorganisatoren grösstenteils ehrenamtlich - das Resultat sind schlaflose Nächte vor den Open Airs. Marc Allenspach, der das Liestal Air im Stedtli (23. Juni) zum sechsten Mal mitorganisiert, klingt durchaus selbstkritisch, wenn er sagt: «Im Raum Basel werden keine Massstäbe gesetzt.»

Die Headliner der hiesigen Festivals geben ihm recht: In Oberwil spielen Famara, The Bianca Story oder Das Pferd, in Liestal Naturally 7 und Anna Rossinelli, in Büsserach die Lovebugs und Pegasus, am Hillchill in Riehen Boys On Pills und Black Strobe. Ausser am (professionellen) Summerstage Festival in Münchenstein (24. August, Park im Grünen) belegen also wieder mal regionale Grössen oder internationale No-Names die besten Sendeplätze.

Ennet der Grenze?

Womit sie sich im Fussball nie anfreunden könnten, scheint den Baslern bei den Festivals egal zu sein: zum Mittelmass zu gehören. Daniel Jung wehrt sich nicht gegen «moderates Wachstum», würde aber die gute Partnerschaft mit der Gemeinde Oberwil einem Hammer-Lineup - und somit grosse Publikumsmassen - nicht opfern. Allenspach hat für das Liestal Air ebenfalls keine Expansionspläne. «Die Kapazität auf dem Gestadeckplatz ist beschränkt», sagt er.

Und auch am Hillchill im Sarasinpark in Riehen (29./30. Juni) ist man weit von Grössenwahn entfernt. «Wir wollen nicht wachsen. Unser Ziel ist lediglich, die Qualität zu steigern», sagt die Presseverantwortliche Sabine Rüegg. Dank Stiftungsgeldern kommt das Hillchill auf ein Bugdet von rund 20 000 Franken. Ein bisschen mehr Geld zur Verfügung zu haben: «Da wären wir nicht abgeneigt», räumt Rüegg ein. «Aber die UBS als Hauptsponsor kommt für uns nicht infrage.»

Idylle statt Kommerz: Das wird sich in den nächsten zehn Jahren im Raum Basel kaum ändern. Marc Allenspach ist der Meinung, dass die Dichte an Festivals in der näheren Umgebung zu hoch ist. «Es gibt ja nicht nur die Konkurrenz in St. Gallen oder auf dem Gurten - auch Belfort in Frankreich ist nicht allzu weit.»

Daniel Jung hält ein solches Grossspektakel in der Region zwar nicht für unmöglich, würde aber den Schritt über die Landesgrenzen vorschlagen. Im Elsass etwa habe es viel mehr freie Landflächen - und die Kosten seien bedeutend tiefer. Bis es so weit ist, werden Famaras und Bianca Storys für Stimmung sorgen - und das finden die Basler auch nicht schlecht.