Jörg Beckmann, welche Rolle werden Stadt-Parkings noch spielen, wenn die Autos selbst fahren?

Jörg Beckmann: Sie werden bestimmt weniger wichtig sein als heute, möglicherweise sogar überflüssig. Und auch bereits auf dem Weg in diese Zukunft werden Parkings, so wie wir sie aktuell kennen, an Bedeutung verlieren. Denn Carsharing und andere Entwicklungen werden viel früher kommen.

Ist es denn aktuell noch sinnvoll, in Städten grosse, unterirdische Parkanlagen zu bauen, wie Basel-Stadt das derzeit macht?

Ja und Nein. Denn aktuell weiss niemand, ob das vollautonome Fahren in zwanzig, dreissig oder vierzig Jahren kommt. Beim Bauen eines Parkings sollte man aber sicher berücksichtigen, dass sich die Nutzungsform an die Entwicklungen anpassen lässt.

Wie meinen Sie das?

Zunächst sollten bereits jetzt sämtliche Parkfelder elektrifiziert werden, oder zumindest sollten Leerrohre zur späteren Elektrifizierung eingezogen werden, denn die Elektromobilität wird unvergleichbar schneller kommen als autonomes Fahren. Danach sollte auch über alternative Nutzungsformen nachgedacht werden, etwa als kleinräumiges Güter-Verteilzentrum.

Sie meinen, dass die Parkings nachts, wenn sie schon jetzt kaum ausgelastet sind, quasi zwischengenutzt werden könnten?

Ja, es gibt bereits Ansätze, die in diese Richtung gehen. Es macht ja durchaus Sinn, wenn diese verfügbaren, gut erschlossenen, zentral gelegenen Gebäude auch nachts verwendet werden könnten – etwa indem Lieferwagen Waren anliefern und auf kleinere Transportmittel, zum Beispiel elektrische Lastenvelos, umladen. Damit diese dann die letzte Meile übernehmen und die Güter bis zum Quartierladen oder zur Haustür bringen.

Man könnte jetzt argumentieren, dass es ja auch noch Parkhäuser braucht, wenn die Autos selber fahren. Schliesslich werden die Menschen auch in 50 Jahren nachts noch schlafen ...

Letzteres ja, aber ob die Autos dann tatsächlich herumstehen, ist unklar. Denn die Firmen, die Flotten an selbstfahrenden Autos betreiben, werden diese bestmöglich auszulasten versuchen – indem sie etwa in der Nacht für Gütertransporte genutzt werden. Und wenn sie stehen oder geputzt und repariert werden, dann vermutlich nicht an diesen Prime-Lagen mitten in der Stadt, sondern eher an der Peripherie. Für die zentral gelegenen Parkings spricht hingegen, dass die stehenden Autos aus ökonomischer Sicht über Nacht am ehesten dort sein sollten, wo sie am Morgen als Erstes gebraucht werden.

Wie sieht es denn mit den Parkplätzen entlang der Quartierstrassen aus?

Dass diese wegfallen, ist eines der grossen Heilsversprechen der autonomen Mobilität. Heute stehen Autos im Durchschnitt in 90 Prozent der Zeit herum und versperren wertvolle Fläche. Da ist es natürlich reizvoll, einen Teil dieser Fläche zurückzugewinnen. Aber auch hier gilt: Der Weg für autonomes Fahren ist noch weit und mit vielen Unabsehbarkeiten gespickt, nicht nur im technischen Bereich, sondern auch von der regulatorischen Seite. Und nicht zuletzt muss sich auch der Mensch anpassen, muss das Bedürfnis nach einem eigenen Auto als Statussymbol und seine Rolle als Fahrer aufgeben und einem selbstfahrenden Auto genügend vertrauen. Und selbst wenn das autonome Auto irgendwann per Knopfdruck vor die Haustür fährt, braucht es noch Zonen fürs Ein- und Aussteigen sowie für den Warenumschlag.