Der Kampf um öffentlichen Grund verschärft sich: Zum ersten Mal hat die Mobility-Genossenschaft in Basel beantragt, dass ein Taxistandplatz in einen Parkplatz für Mobility-Fahrzeuge umgewandelt wird. Konkret geht es um den Taxistandplatz neben der alten Börse beim Aeschenplatz. Auf den zwei Parkplätzen warten die Taxis, wenn der Standplatz vor der Bank Coop schon belegt ist. Das ist oft der Fall: Schliesslich handelt es sich um eine attraktive Lage mit zahlkräftigen Kunden, die sich im Mercedes herumchauffieren lassen.

Der zusätzliche Platz bei der alten Börse: Mobility will das Stück Asphalt für sich.

Der zusätzliche Platz bei der alten Börse: Mobility will das Stück Asphalt für sich.

Mit dem Standplatz neben der alten Börse würden Taxifahrer eines ihrer Privilegien verlieren, das sie mit den Bewilligungsgebühren in der jährlichen Höhe von 700 Franken teuer bezahlen. Ein Entscheid zugunsten von Mobility ist nicht undenkbar: Über die Umwandlung in einen Mobility-Parkplatz befindet das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD).

Vor genau vier Jahren hat der Regierungsrat beschlossen, dass das BVD öffentlichen Grund für Carsharing-Standplätze ausscheiden kann. «Sofern keine geeigneten Alternativen auf Privatareal zur Verfügung stehen», heisst es im Beschluss. Mobility sucht beim Aeschenplatz also schon länger erfolglos einen Parkplatz. Das Unternehmen ist an dieser attraktiven Lage nicht vertreten. Die nächsten Mobility-Standplätze liegen am Bahnhof, beim Christoph-Merian-Park, an der Hardstrasse und beim Münsterplatz.

Taxifachkommission redet mit

Allerdings entscheidet das BVD nicht über den Antrag, ohne vorher unverbindlich die Taxifachkommission anzuhören. Die Kommission hat zum Mobility-Antrag bereits getagt und ihn mit grosser Wahrscheinlichkeit abgelehnt. Von der bz mit dem Sachverhalt konfrontiert, wollen die Kommissionsmitglieder das aber nicht bestätigen: Es gelte das Kommissionsgeheimnis.

Grundsätzlich ist die Haltung der Kommission aber, dass keine Taxistandplätze aufgehoben werden sollen, ohne dass der Kanton einen gleichwertigen Ersatz zur Verfügung stellt. Gerade die Gleichwertigkeit ist beim Aeschenplatz schwer zu erreichen, weil die beiden Standplätze an bester Lage liegen. Allerdings ist jener neben der alten Börse oft leer. Urs Kestenholz, der in der Kommission das Taxigewerbe vertritt, sagt aber: «An Bushaltestellen steht auch nicht immer ein Bus.»

Mobility bestätigt gegenüber der bz, auch an weiteren Orten Parkplätze zu suchen. So zum Beispiel an der Missionsstrasse zwischen Burgfelderplatz und Spalentor. Und in Allschwil bei der Tramstation Ziegelei.

Platz teilen: nicht mit Mobility

Dabei hat Mobility hohe Ansprüche: «Die Stellplätze müssen problemlos auffindbar, rund um die Uhr nutzbar und oberirdisch gelegen sein, am besten in Sichtweite der ÖV-Haltestellen», so ein Mobility-Sprecher. Alles Voraussetzungen, die auch für attraktive Taxistandplätze gelten. Nur verschafft der erwähnte Regierungsratsbeschluss Mobility seit 2011 einen Vorteil.

Taxikommissionsmitglied Urs Kestenholz beteuert aber, dass sich Taxis und Mobility nicht als Konkurrenten sehen. So gewährleiste die Kestenholz Auto AG der Mobility-Genossenschaft sogar Rabatte beim Autokauf.

Grundsätzlich kann sich Kestenholz auch vorstellen, Taxiplätze mit anderen Verkehrsteilnehmern zu teilen. Nur mit Mobility ist das nicht möglich, da Mobility die Parkplätze 24 Stunden lang beansprucht.

Auch die Taxistandplätze beim Barfi sind derzeit Gegenstand von Diskussionen. Immer wieder parkieren dort Lieferanten: Sie möchten die Taxistandplätze am liebsten auch offiziell mitnutzen können, statt wie jetzt illegal. Laut Kestenholz sei das Taxigewerbe hier zu Konzessionen bereit: «Die Lieferanten brauchen den Platz dort am Morgen. Für Taxis ist der Barfi aber erst ab Mittag wirklich interessant.»

Platz vor Börse nicht im Plan

Nicht jeder Taxistandplatz ist allerdings so attraktiv: Die Plätze beim Bahnhof St. Johann werden zum Beispiel fast nie genutzt, weil der Kanton sie entgegen der Wünsche der Taxiunternehmen auf der Luzernerring-Brücke gebaut hat. Auf www.stadtplan.bs.ch ist der Taxiplatz auf der Luzernerring-Brücke zudem nicht eingezeichnet. Im Gegensatz zum Taxistandplatz vor der Bank Coop ist auch jener vor der alten Börse auf dem Online-Stadtplan nicht eingezeichnet. Das ist schon mal ein gutes Omen für Mobility.