Draussen vor der Kaserne ist es noch nicht sonderlich glamourös. Zu kurz die Warteschlange, zu leger das Publikum, zu freundlich die Türsteher. Hie und da zeigt sich zwar, dass sich mancher Besucher wohl doch zweimal überlegt hat, welche Kleider dem Abend gerecht werden könnten. Das Gros aber trägt, was es immer trägt, Basels Ausgehvolk lässt sich von einer Modeschau nicht die Garderobe diktieren.

Drinnen dann wird es mondän. Der Raum ist ganz in schwarz, oben an der hohen Decke der Reithalle schwebt eine riesige Discokugel die tausende kleine Lichtpunkte streut. Fotoapparate blitzen. Im Hintergrund erklingen französischen Chansons aus den 70er-Jahren. Junge Menschen in einheitlich schwarzen Kleidern verteilen Plastikgläser mit süssem Sekt. Andere junge Menschen in Schwarz weisen den Platz.

Der Beginn der Modenschau

Mit einer halben Stunde Verspätung – wer würde von einer Modeschau schon Pünktlichkeit erwarten? – gehen im Saal die Lichter aus. Die Musik beginnt, eine wilde Aneinanderreihung von Löwengebrüll, Italo-Western und Kill Bill. Dann Shirley Bassey, die «Goldfinger» singt.

Alles ist dunkel, genau in der Mitte des Raumes treffen die Scheinwerferkegel aufeinander und auf eine einsame Tänzerin. Sie verströmt Eleganz und diese zurückhaltende Erotik, wie sie den Bondgirls eigen ist. Irgendwann gesellen sich andere Models zu ihr. Weil diese sich nicht ganz so gekonnt zur Musik bewegen, gilt die Aufmerksamkeit plötzlich den Kleidern die sie tragen. Dramatische Silhouetten dominieren das Bild. Die Designerin Loredana Steiger habe sich von der zerstörerischen Kraft einer Explosion inspirieren lassen, kann der Beschreibung ihrer Arbeit entnommen werden.

Die Entwürfe von Jenny Nyfeler

Die nächste Nummer beginnt im selben Stil. Eine Frau, ihren Körper bedecken lediglich ein paar Fäden und Kordeln, steht im Zentrum der Scheinwerferkegel. Ganz langsam fängt ihr Körper an zu zucken und zu vibrieren. Die Bewegungen steigern sich und gipfeln in einem regelrechten Schüttelrausch. Der Tanzstil und die Beschaffenheit der Entwürfe aus der Hand von Jenny Nyfeler sind nahezu perfekt aufeinander abgestimmt.

Längst nicht alle Darbietungen aber sind derart konsequent umgesetzt. Vor allem zu Beginn des Programmes scheint die Idee jeweils zu sein, ein Model als Femme fatale zu inszenieren und dieser eine Entourage von weiteren, unauffälligeren Frauen zur Seite zu stellen. Nicht allen aber gelingt die Mischung aus zurückhaltender Eleganz und offensiver Erotik. Zuweilen gleitet die Darbietung ins Vulgäre ab, müssen transparente Stoffe die fehlenden tänzerischen Fähigkeiten der Models kompensieren.

Musik, Kleid und Model bilden eine Einheit

Die stärksten Momente sind dann, wenn Musik, Kleid und Model eine Einheit bilden. Bei der Kollektion von Désirée Gabriel kommt all das zusammen.

Immer mehr wird die Show zur Party, lösen trocken hämmernde Bässe die Retromelodien ab, weicht der programmierte Ablauf einem spontanen Getanze. Bis irgendwann die Lichter im Saal wieder angehen und auch die letzten Zuschauer bemerken, dass die Modeschau vorbei ist. Fast selbstironisch der Text des letzten Liedes: «This isn’t Paris, it’s not London…» Aber das ist Basel, und derart mondäner Glamour ist hier eine erfrischende Seltenheit.