Eglisee
Moderne Burkinis sind ab sofort tabu im Frauenbad

Die unruhigen letzten Jahre haben nun Konsequenzen im Frauenbad Eglisee: Muslimische Besucherinnen dürfen keine weiten Burkinis mehr tragen, die sich kaum von Strassenkleidung unterscheiden lassen. Auch Kinder sind im Fraueli nicht mehr geduldet.

Michel Zumoberhaus
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Burkinis, die nicht eng anliegen sind den Verantwortlichen im Frauenbad Eglisee ein Dorn im Auge. (Symbolbild)

Burkinis, die nicht eng anliegen sind den Verantwortlichen im Frauenbad Eglisee ein Dorn im Auge. (Symbolbild)

Keystone

Das Baden im Frauenbad Eglisee, auch «Fraueli» genannt, ist nur noch in ausgewiesener Badekleidung erlaubt. Das heisst konkret: «Oben ohne», Bikini, Badekleid oder eng anliegender Ganzkörperschwimmanzug. Nötig wurden diese Regeln, weil es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Stammgästen und angereisten streng gläubigen Muslimas aus dem Elsass gekommen war.

Nicht erlaubt ist daher künftig das Baden in Strassenkleidung, in Unterwäsche und auch in weiten Burkinis. «Die Burkinimode hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Sie lässt sich von Strassenkleidern nur schlecht unterscheiden», erklärt Peter Howald, Leiter Sportamt Basel-Stadt. Gänzlich verboten sind Burkinis also nicht. Nur wird Frauen mit modernen Burkinis, die meist mit einem Röckchen ausgestattet sind, der Zutritt ins Frauenbad untersagt. Grund sei ebendieser schwer erkennbare Unterschied, ob mit dieser Bekleidung gerade Tram oder Bus gefahren wurde. «Das hat nichts mit der Religion zu tun, sondern lediglich mit hygienischen Gründen», stellt Rolf Moser, Leiter Gartenbäder, Kunsteisbahnen und Gastronomie, klar.

Die Piktogramme zeigen, was im «Fraueli» noch erlaubt ist.

Die Piktogramme zeigen, was im «Fraueli» noch erlaubt ist.

bz

Damit sich die Frauen vor männlichen Blicken ungestört fühlen, werden 90 Prozent des Staff aus Bademeisterinnen bestehen. In der vergangenen Badesaison war das Verhältnis noch 60 Prozent Männer und 40 Prozent Frauen. Falls jedoch ein medizinischer oder technischer Notfall eintritt, kann es durchaus sein, dass ein Mann durch das Frauenbad eilt. «Wir haben hohe Anforderungen in unseren Bädern. Das Lösen von technischen Problemen ist sehr gefragt», so Howald.

Kein Zutritt für Kinder

Neu dürfen Kinder nicht mehr ins Frauenbad mitgenommen werden. Eine Ausnahme wird bei Säuglingen und Kindern im Krabbelalter gemacht. Das Familienbad ausserhalb des Frauenbads mit seinem Planschbecken sei gemäss Howald mit verschiedenen Spielmöglichkeiten dafür besser geeignet. «Das ‹Fraueli› ist kein Park und kein Spielplatz. Es ist eine Ruhezone.» Der Zutritt für Frauen ist erst ab 16 Jahren zugänglich. Für alle also, die den Erwachsenentarif zahlen müssen. «Diese Massnahme soll dem Ruhebedürfnis der älteren Damen entgegenkommen», erklärt Howald weiter.

Ab dem ersten Tag, sprich dem 14. Mai, wenn die Badesaison 2016 im Frauenbad Eglisee eröffnet wird, sollen diese neuformulierten Regeln konsequent durchgesetzt werden. Howald wie auch das Personal erhoffen sich nun eine «friedliche und ruhige» Badesaison 2016.

Wehmütiger Stammgast

Seit 58 Jahren besucht Ruth Scholer das «Fraueli» im Gartenbad Eglisee und geniesst den sanften Gang ins kühle Nass, um den heissen Temperaturen zu trotzen. Den eisigen Wind, der seit einigen Jahren durch das «Fraueli» bläst, störte ihren Rückzugsort massiv. Den Clinch bekommt Scholer hautnah mit und zeigt sich immer noch schockiert: «Frauen haben einen Bademeister äusserst wüst beschimpft, nur weil er ein Mann war.» Dieser Vorfall ist kein Einzelfall.

Auch in der letzten Badesaison kam es zu ähnlichen Zwischenfällen, die sogar in Handgreiflichkeiten ausarteten und ohne externe Hilfe nicht zu bewältigen waren. Seit ein paar Jahren sorgt eine private Sicherheitsfirma für mehr Sicherheit. Die Präsenz wird zu Beginn der Badesaison verstärkt, um bereits vor dem Frauenbad zu informieren und falls nötig zu intervenieren. «Ich bin gespannt, wie sie die neuen Regeln umsetzen wollen. Ich kann es verstehen, finde es aber schade, dass meine Enkelin hier nicht das Schwimmen lernen kann.» Scholer selbst lernte das Schwimmen von ihrer Grossmutter. Immerhin kann sie es sich auf der neuen Sonnenterrasse gemütlich machen.

SVP erfreut über neue Regeln

Die neue Regel, dass weite Ganzkörperbadeanzüge im Frauenbad Eglisee verboten werden, freut die SVP Basel-Stadt. In einer Medienmitteilung nahm die Partei gestern dazu Stellung. Aus ihrer Sicht sollten aber «sämtliche Ganzkörperanzüge und Burkinis verboten werden». Das Verbot solle für den gesamten Kanton gelten.