Sonderausstellung

Mörder und Lebensretter: Die Welt der Parasiten ist spannend wie ein Krimi

Das Naturhistorische Museum zeigt in einer Sonderausstellung, dass die Parasiten mehr sind als abstossendes Ungeziefer.

Sie kriechen, fliegen und gleiten. Mal ist ihr Körper mit feinen Härchen gespickt, mal glitschig und schleimig. Die meisten Parasiten wären bei einem Schönheitswettbewerb mit ihrer unkonventionellen Erscheinung fehl am Platz. Viel eher sind sie geniale Lebenskünstler und kleine Kolonialherren über einen fremden Organismus, den sie mit ihrer List zum willenlosen Sklaven unterwerfen.

In einer farbenprächtigen Vielfalt präsentiert sich die neue Sonderausstellung «Parasiten. Life undercover» im naturhistorischen Museum Basel. Vielfältig sind auch ihre wichtigsten Protagonisten: Maden, Mücken, Würmer, Zecken und andere Vertreter aus der Armee der unbeliebten Arten. Denn so unterschiedlich diese sind – den schlechten Ruf beim Menschen teilen sie sich. Konzipiert wurde die Ausstellung vom Museum für Naturkunde in Berlin. Erstmals ist sie in der Schweiz zu sehen.

Wer sich auf die Ausstellung einlässt, lernt die faszinierende Seite des mikroskopischen Lebens kennen. Parasiten sind nicht nur Übeltäter; sie waren wichtige Treiber der Evolution und schaden nicht nur, sondern können auch heilen. Doch zunächst eine Entwarnung: Lebenden Tieren begegnet man in den Museumsräumen keinen — oder zumindest nicht absichtlich.

Meistens nur Schmarotzer

Die Bezeichnung «Parasit» bedeutet nichts anderes als «Neben-Esser». Die wenigsten von ihnen hegen böse Absichten; oftmals handeln sie aber egoistisch. «Der Parasit will den Wirt nicht umbringen, er will mit ihm zusammenleben», sagt Anna Pevzner, Projektleiterin Ausstellungen des Naturhistorisches Museums. «Eigentlich sind Parasiten Mitesser. Ihre Lebensweise ist hochinteressant.» Pevzner führt begeistert das Beispiel des Bandwurms an: Dieser überlebt im Darm ohne Luft und Licht. Die Ausstellung zeigt, dass wir unseren Lebensraum mit Parasiten teilen. Zu finden sind diese zum Beispiel als Bandwurm im Darm unserer Hauskatze. Auch der Mensch ist für Parasiten ein interessanter Lebensraum. Die beste Verteidigung ist das Immunsystem. Doch Würmer tricksen es gnadenlos aus.

Es sind spannende Kreisläufe, mit denen Parasiten in fremde Organismen eindringen. Die Ausstellung zeigt sie mit verständlichen Grafiken. Sie deckt auch auf, dass unsere Lebensweise in Grossstädten Parasiten, wie den Bettwanzen, ein ganzes Reich anbieten, und dass der Klimawandel neue Lebensräume schafft.

Heilende und tödliche Absichten

Neben den abstossenden Eigenschaften gehen die erstaunlich nützlichen Seiten der Parasiten oft vergessen. Die Fliegenmade zum Beispiel ist eine richtige Wohltäterin. Auch in der Schweiz wird sie für medizinische Zwecke genutzt. Ihre Stärke ist, dass sie nur abgestorbenes Gewebe frisst und so Wunden säubern kann wie kaum ein anderer. Doch auch Würmer könnten nützlich sein: Aktuell wird erforscht, ob eine Wurmtherapie Allergien verhindern kann.

Als das Naturhistorische Museum die Ausstellung plante, war für Projektleiterin Pevzner klar: «Man kann keine Ausstellung über Parasiten in Basel machen, ohne das Tropeninstitut miteinzubeziehen.» Im hinteren Teil der Ausstellung findet sich deshalb ein Raum, der vom Schweizerischen Tropen und Public Health Institut (TPH) kuratiert wurde. In Basel hat das international renommierte Institut seinen Hauptsitz. Der Raum ist mit einem riesigen Mückennetz eingekleidet: Das Hauptthema ist die Krankheit Malaria. Der gleichnamige Parasit lebt in der Anophelesmücke und gelangt über ihren Stich in den menschlichen Blutkreislauf. Das Institut TPH erforscht seit vielen Jahren gemeinsam mit Partnerinstitutionen, wie verhindert werden kann, dass die Krankheit stündlich Todesopfer fordert. Der exklusiv kuratierte Raum zeigt einen Querschnitt über die Arbeit des Instituts. Mit Mückennetzen und Medikamenten konnten Erfolge in der Bekämpfung der Tropenkrankheit erzielt werden. Vielversprechend ist ein Impfstoff, an dessen Entwicklung das Institut beteiligt war. Im nächsten Jahr soll dieser zugelassen werden.

Erstaunlich auch: Vor zweihundert Jahren war die Oberrheingegend selbst Nährboden für Malaria.

Sonderausstellung. «Parasiten. Life undercover». 24.10.2014 bis 26.4.2015. Naturhistorisches Museum Basel, Augustinergasse 2.

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