Ole Gunnar Solskjaer hat mit dem FC Basel noch eine Rechnung offen. Mit Schaudern erinnert sich der norwegische Trainer von Molde FK an den 7. Dezember 2012 zurück. In einer denkwürdigen Partie eliminierte der FCB das grosse Manchester United. Solskajer schmerzt dies darum heute immer noch, weil der ehemalige Weltklassestürmer elf Jahre als Profi und zwei als Trainer des Reserveteams Angestellter der United war.

Zweite Familie

„Ich habe dort eine zweite Familie gefunden", sagt Solskjaer, der trotz vieler Angebote anderer Klubs ManU die Treue hielt und nie bei einem anderen Klub im Ausland spielte. Seit eineinhalb Jahren trainiert Solskjaer nun seinen Stammklub Molde FK und gewann bereits im ersten Jahr den Meistertitel.

Doch er träumt von Höherem. „Irgendwann möchte ich Manchester United trainieren", sagte Solskjaer an der heutigen Pressekonferenz vor dem Spiel morgen gegen Basel, „aber das ist noch weit weg. Ich und meine Familie, wir sind glücklich in Molde und ich arbeite gerne mit meinen Spielern."

Was Basel kann, können wir auch

«Was Basel damals geschafft hat, können wir auch.» Solskjaer sieht sein junges Team in derselben Rolle, die der FCB im letzten Winter gegen die „Red Devils" bekleidete. „Der Killer mit dem Babyface", wie er während seiner Karriere von den Fans genannt wurde, rechnet sich trotz Aussenseiterrolle einige Chancen gegen Basel aus. „Unser Vorteil ist, dass wir mitten in der Saison stehen. Basel hingegen hat seine Topform noch nicht gefunden."

Solskjaer (r.) bei der offiziellen Pressekonferenz mit Molde-Captain Daniel Berg Hestad.

Solskjaer (r.) bei der offiziellen Pressekonferenz mit Molde-Captain Daniel Berg Hestad.

Die morgige Partie sei für die meisten seiner Spieler der bisherige Karrierehöhepunkt, auch er als Trainer sei besonders gefordert. „Wie stelle ich mein Team taktisch ein? Wie motiviere ich sie noch mehr als sonst? Die Antworten auf diese Fragen zu finden, das war auch für mich als Trainer Neuland", so Solskjaer. Molde trage nur selten einen Ernstkampf gegen einen grossen Klub wie Basel aus. „Darum zählt nicht nur das Resultat. Für mich ist auch wichtig, dass meine Jungs lernen, lernen, lernen. Und auf ihrer Karriereleiter die nächste Stufe erklimmen."

Was die grössten Unterschiede zwischen seiner und der Arbeit von FCB-Trainer Heiko Vogel seien - beide sind junge, ambitionierte und momentan auch erfolgreiche Trainer. Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen. „Das Budget. Basel verpflichtet Spieler wie Diaz oder Sauro, die bereits ein hohes Niveau haben und dementsprechend teuer sind. Wir in Molde hingegen nehmen ausnahmslos junge Spieler unter Vertrag oder solche, die nicht viel kosten." Das verändere die Arbeit eines Trainers entscheidend. „Das Niveau in Training und Spiel ist bei Basel viel höher. Das prägt auch den Trainer."

Trotz Aussenseiterrolle und Respekt: Gross verändern werde er die bisherige Taktik nicht. „Wir müssen auf ein paar Dinge besonders achten, zum Beispiel wie wir am besten gegen Alex Frei und Marco Streller verteidigen. Ansonsten vertraue ich auf unser System, es hat uns bisher stark gemacht."
Ein spezielles Verhältnis verbindet ihn mit seinem Captain Daniel Berg Hestad. Mit 39 Jahren ist Solskjaer nur gerade zwei Jahre älter als sein verlängerter Arm auf dem Spielfeld. „Wir haben im Kindesalter jede Woche zusammen in Molde gespielt. Jetzt haben sich unsere Wege wieder getroffen. Solche Geschichten schreibt nur der Fussball."
Auch Berg Hestad ist optimistisch. „Ich habe viel Selbstvertrauen, auch gegen ein gutes Team wie Basel. Aber wie Ole Gunnar bereits sagte, haben wir den Vorteil, schon lange eingespielt zu sein."

Erinnerungen an 2002

Grossen Respekt hat Solskjaer vor Basels zwei berühmtesten Profis Alex Frei und Marco Streller. „Sie sind sehr erfahren und harmonieren wir Zwillinge." Obwohl er selber nie gegen einen der beiden gespielt hat, weiss Solskjaer eine Menge über das Basler Sturmduo zu berichten. Und gerät ins Schwärmen. „Solche Typen machen den Unterschied aus. Ein Trainer kann sich glücklich schätzen, sie im Team zu haben."

Obwohl der FC Basel im letzten Dezember einen Stich in Solskjaers Herz tätigte, der Norweger hat auch gute Erinnerungen an den morgigen Gegner. „Ich habe es noch vor Augen: van Nistelrooy spielt mich frei, ich laufe allein auf den Goalie zu und schiesse das 3:1." Es war der 26. November 2002, als Solskjaer im Basler St. Jakob Park das Champions League Zwischenrundenspiel zugunsten von Manchester United entschied.

Rund 5000 Fans erwartet

Für die Partie, die morgen um 19 Uhr angepfiffen wird und live auf Telebasel übertragen wird, erwartet der Ticketverantwortliche des Molde FK rund 5000 Zuschauer. Im Heimspiel der 2. Qualirunde gegen Ventspils seien es 7500 Zuschauer gewesen, jedoch habe das gleichzeitig stattfindende Jazzfestival mit über 100‘000 Besuchern merklich dazu beitragen. Auch Anhänger des FCB werden wie in Tallinn im Aker-Stadion zugegen sein. Wie viele, ist schwierig einzuschätzen. In Tallinn waren es rund 150.