«Die grösste christliche Musik»: So nannte Felix Mendelssohn die Matthäus-Passion, als er sie nach über 80 Jahren Dornröschenschlaf zum ersten Mal wieder aufführte. Mit den bekannten Folgen. Heute ist diese Musik ein garantierter Fixpunkt in der Zeit vor Ostern. Auch am vergangenen Wochenende wurden in und um Basel gleich an beiden Tagen gleich beide Bach-Passionen, Johannes und Matthäus, aufgeführt – viermal Passion pur also.

Der Studienchor Leimental Basel und die Zürcher Kantorei St. Peter taten sich zusammen und sangen gemeinsam die doppelchörig angelegte Matthäus-Passion in der Basler Martinskirche. Dabei ist ein Mega-Chor von gut 240 Sängern zustande gekommen (zusammen mit den Sängerinnen und Sängern der 6. Klasse der Rudolf Steiner-Schule
Basel). Das ist eine Chorgrösse, die mehr an romantische Chortradition denken lässt als an die heutige Praxis mit viel weniger Sängern.

Pingpong der Chöre

Die Grundidee, dass zwei Chöre singen, liegt im Stück selbst. Es ist zweichörig angelegt: Je nach Inhalt hat der eine oder andere das Wort. In den Chorälen, in den grossen Eingangs- und Schlusschören, da dürfen sie gemeinsam.

Dirigent Sebastian Goll, Leiter des Basler Chores, hat mit diesem Projekt denn auch einen erfreulichen Kompromiss geschafft. Unter seiner Leitung erlebten die Hörer am Samstag in der beinahe randvollen Kirche eine klangvolle Aufführung. Selbst wenn die beiden Chöre gemeinsam agierten, gab’s da viele Schattierungen, differenzierte Klangfarben und eine Diktion, bei der so gut wie jedes Wort verständlich war. Seinem im Programmheft (lesenswert!) geäusserten Wunsch nach klanglicher Transparenz und musikalischer Rhetorik wurde Goll vollkommen gerecht.

Das gilt auch für die beiden Orchester mit Namen amici musici. Die Instrumentalisten liessen keine Wünsche offen. Stellvertretend für die anderen, die mir verzeihen mögen, sei der Konzertmeister Vitaly Shestakov genannt. Er hat immer zupackend seine Musiker auf die lange Reise mitgenommen. Und sein Solo in der Alt-Arie («Erbarme Dich»): Inniger und zarter habe ich dieses Stück noch selten gehört.

Ebenso die einzelnen Solisten des grosso modo hervorragenden Ensembles seien um Verständnis gebeten, wenn sie nicht alle genannt werden können. Dieter Wagner zum Beispiel erzählte als Evangelist die Geschichte mit leidenschaftlicher Verve. Die Sopranistin Maria C. Schmid berührte einmal mehr in der filigranen Arie «Aus Liebe» und erfüllte den Wunsch, Momente tiefster Geborgenheit erfahren zu lassen, wie sie sagt.

Wer’s verpasst hat: unbedingt nachholen! Diesen Sonntag, 9. April, um 17 Uhr in der Zürcher Kirche St. Peter.