Tierschutzfall

Monatelang vernachlässigt, jetzt tot: Das Sterben und das Erbe der Basler Katze Susi

Der Fall einer monatelang vernachlässigten Katze beschäftigt Basler Justiz, Medien und Tierschützer. Susi starb, nachdem ihre bevormundete Besitzerin erst ins Spital, dann ins Heim kam – jetzt läuft ein Verfahren, ermittelt wird in einem Dschungel der Instanzen.

Das ist die Geschichte der Katze Susi, wie wir sie mittlerweile kennen. Susi starb, nachdem sie vier Monate lang in einer Basler Wohnung bleiben musste, bis auf Fütterungsbesuche allein, während ihre Besitzerin erst ins Spital musste und von dort direkt ins Altersheim. Erst nach langer Verwahrlosung kam Susi in die Obhut einer Pflegestation der Organisation «Tierhilfe Regio Basel», wo sie ihre letzten Tage verbrachte, abgemagert, ausgetrocknet, mit einer Schilddrüsenüberfunktion, inkontinent und mit schwerem Infekt.

So viel ist klar. Klar ist auch, dass Susis Besitzerin unter Vormundschaft stand, wie «Telebasel» bereits Anfang Juni berichtete. Klar ist auch, dass Susi im neuen Tierheim an der Birs nicht aufgenommen wurde, wie die «Basler Zeitung» vor wenigen Tagen schrieb. Doch wo die Geschichte der Katze Susi endet, nimmt eine Reihe von Vorwürfen, Anschuldigungen und Recherchen ihren Lauf, die in einer Anzeige gegen Unbekannt und harscher Kritik am Tierheim ihr vorläufiges Ende fand.

Die Überforderung

Susis Leiden begann, als sich der Gesundheitszustand der Besitzerin verschlechterte. Die Beiständin übergab die Fütterung einem Betreuungsservice, dessen Mitarbeiter bereits früh bemerkten, dass sie die Betreuung der Katze nicht mehr sicherstellen können und dies dem Amt für Beistandschaften und Erwachsenenschutz meldeten. Doch es geschah wenig. Man versuchte, dem Wunsch der Besitzerin zu entsprechen und die Katze nicht in ein Heim zu geben, gab die Amtsleiterin bereits gegenüber mehreren Medien zu Protokoll.

Im Mai kontaktierte der Betreuungsservice das Tierheim. Katze Susi sei inkontinent. «Da Inkontinenz auch eine reine Alterserscheinung sein kann, hatten wir aufgrund dieser Information keine Kenntnis davon, dass das Tier schwer krank ist», sagt Beatrice Kirn, Leiterin des Tierschutzes beider Basel.

Daher wurde routinemässig nach dem Impfausweis gefragt und über mögliche tierärztliche Kostenfolgen informiert, worauf das Tierheim keine Antwort mehr erhielt. «Hätten wir auch nur etwas mehr über den Zustand des Tieres gewusst, hätten wir die Katze umgehend aufgenommen.» Nun wird aber dies dem Tierheim zur Last gelegt. Die «Tierhilfe Regio Basel», der das Tier am Schluss dieser Kette durch den Betreuungsservice übergeben wurde und die erstmals einen Tierarzt einschaltete, erhob Vorwürfe gegen das Tierheim.

Die Schuldfrage

Die Präsidentin der Tierhilfe, Nicole Rudin, gelangte an die Medien und erstattete Anzeige gegen Unbekannt wegen schwerer Vernachlässigung eines Tieres. Nach einem Bericht der «Basler Zeitung» vom Mittwoch verschickte das Tierheim eine Medienmitteilung, in der die Verantwortlichen erneut betonten, das Tier nicht abgewiesen zu haben. «Wir waren alle genauso schockiert, als wir erfuhren, was mit Katze Susi wirklich geschehen war», sagt Kirn. «Tatsache ist leider, dass wir auf unser Schreiben nie eine Antwort erhalten hatten.» Man habe seine Lehren aus dem Fall gezogen. Künftig werde das Tierheim bei solchen Anfragen nachhaken und allenfalls die Behörden einschalten.

Denn im Gegensatz zu einem regulären Vernachlässigungsfall von Tieren, der bereits von Beginn an von den Justizbehörden aufgenommen und dem Tierheim gemeldet wird, ist Katze Susi, die aus einem bevormundeten Haushalt kam, durch alle Instanzen gefallen. Wer in diesem System Schuld an der Vernachlässigung des Tieres hat, ermittelt aufgrund der Anzeige die Staatsanwaltschaft. Immerhin gelobte auch der Kanton bereits Besserung, indem die Behörde tierschützerische Fragen bei Bevormundeten nun konsequenter abklären will.

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