Riehen

Mord an Arbeitskollege: Täter muss zwei Jahre weniger hinter Gitter

Das Motiv für das Tötungsdelikt in Riehen bleibt weiterhin unklar. Der Mörder muss nun 17 statt 19 Jahre hinter Gitter, wie das Appellationsgericht am Mittwoch bekannt gab. (Symbolbild)

Das Motiv für das Tötungsdelikt in Riehen bleibt weiterhin unklar. Der Mörder muss nun 17 statt 19 Jahre hinter Gitter, wie das Appellationsgericht am Mittwoch bekannt gab. (Symbolbild)

Ein Mann, der 2012 in Riehen einen Arbeitskollegen in dessen Wohnung getötet haben soll, ist auch in zweiter Instanz des Mordes für schuldig befunden worden. Das baselstädtische Appellationsgericht reduzierte jedoch am Mittwoch das Strafmass von 17 auf 19 Jahre.

«Ich bin der Falsche. Ich bin nicht der Täter, der das getan hat», versuchte der 28-Jährige gestern vor dem Appellationsgericht noch einmal stockend und stotternd zu erklären. Die Eltern des ermordeten Opfers sassen auf der Zuschauerbank und warteten wie schon vor der ersten Instanz vergeblich auf ein Geständnis oder eine Entschuldigung. «Er kann sich beim besten Willen nicht entschuldigen oder ein Geständnis ablegen, wenn er nicht der Täter ist», insistierte der Verteidiger.

Für das Gericht war der Fall allerdings klar: Der Mann hat im Februar 2012 einen elf Jahre älteren Arbeitskollegen in dessen Wohnung in Riehen brutal bewusstlos geschlagen und danach erstochen. Das Gericht reduzierte das Strafmass auf 17 Jahre: Die verhängten 19 Jahre seien im Vergleich mit ähnlichen Fällen etwas zu hoch gewesen.

«Die Gesamtheit aller Indizien ergeben ein klares Bild. Es muss zu einer Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern gekommen sein, und er muss der Täter sein. Danach hat er die Tat verschleiert», sagte Gerichtspräsident Christian Hoenen.

SMS mit Handy des Toten

Die Exfreundin fand den Toten am nächsten Tag in seiner Wohnung, nachdem er nicht zur Arbeit erschienen war. Der Angeklagte streute am Arbeitsplatz danach Gerüchte über angebliche Bedrohungen und lenkte den Verdacht gar auf die Exfreundin, diese sass daraufhin kurz in Untersuchungshaft. Später wurde indes klar, dass sich der 28-Jährige mit dem Mobiltelefon des bereits toten Opfers selbst SMS zustellte und sich so ein Alibi zurechtbastelte. Allerdings bedachte er nicht, dass dank der Randdaten auch die Antennenstandorte ermittelt werden können.

Die Tatwaffen (darunter ein Messer) wurden nie gefunden, einzelne blutverschmierte Kleidungsstücke entsorgte der Mann aber in einem Abfallcontainer auf dem Rastplatz in Tenniken. Schliesslich gab er zu, den Toten gefunden und am Tatort «aufgeräumt» zu haben, bestreitet aber den Mord bis heute.

Zu Beginn der Untersuchung sagte er, er habe Angst gehabt, der Verdacht würde auf ihn fallen. Nach der Untersuchungshaft behauptete er, er sei in einem Schockzustand gewesen und habe sich eine Art von Normalität vorgespielt, in der das Opfer noch leben würde. Auch das Gericht konnte mit diesen widersprüchlichen Thesen nichts anfangen. «Es fällt generell auf, dass er nur das zugibt, was man ihm nachweisen kann. Und dann sucht er jeweils nach einer Erklärung dafür», resümierte Hoenen.

Warten auf Entlastungsbeweis

Während der Untersuchung sagte der Mann stets, vor Gericht werde er einen überzeugenden Entlastungsbeweis bringen. Vor erster Instanz im Basler Strafgericht kam allerdings nichts, und auch am Mittwoch im Appellationsgericht blieb es bei seiner Beteuerung, er sei unschuldig. Das Motiv für die Tat bleibt offen: Der Verurteilte leidet an einer Sprachbehinderung und wurde gehänselt, der getötete Freund hatte ihn am Arbeitsplatz als einziger geschützt. Allerdings sagten mehrere Zeugen aus, dass er die Freundschaft aufkündigen wollte. Unklar bleibt auch, welche Rolle eine Sammlung von Kinderpornos auf dem Laptop des Opfers gespielt hat. Der 28-Jährige hatte nach der Tat vergeblich versucht, den Laptop zu verstecken. Das Gericht wollte allerdings nicht darüber spekulieren: «Wir müssen ehrlich dazu stehen: Wir haben kein Motiv», sagte Hoenen.

Der Fall kann noch an das Bundesgericht weitergezogen werden, dort werden allerdings nur Rechtsfragen geprüft. Der Verteidiger, der Freispruch verlangt hatte, liess gestern offen, ob man das tun wird: Seiner Meinung nach gibt es Zweifel, die Indizienkette sei nicht geschlossen.

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