Im Winter vor zwei Jahren wurde ein 35-jähriger deutscher Monteur in Riehen tot in seinem Bett gefunden. Zuerst wurden zwei Männer aus dem familiären Umfeld festgenommen, die kurz darauf wieder freigelassen wurden. Eine Woche später gab die Staatsanwaltschaft (Stawa) bekannt, dass sie einen 24-jährigen Bekannten in Untersuchungshaft gesetzt habe. Mehr kommuniziert sie nicht.

Nun steht der Prozess an. Die Anklageschrift der Stawa zeigt, dass es sich beim Verdächtigten nicht um einen fernen Bekannten des Opfers handelt. Es ist der Arbeitskollege, der seine Stelle bei einer Laufner Firma am gleichen Tag antrat wie der Deutsche aus Riehen. Das Opfer hatte nicht viele Freunde. Der Angeklagte, ein im Kosovo geborener Aargauer, war einer der wenigen, die einen regelmässigen Kontakt zu ihm pflegten. Am 5. Februar 2012 fragte er ihn per SMS, ob er Zeit für einen Besuch habe. Er müsse ihm ein Auto zeigen. Der elf Jahre ältere Kollege sagte zu.

Was sich in der Wohnung genau abgespielt habe, sei ungeklärt, schreibt die Stawa in ihrer Anklageschrift, die sie nach anderthalbjähriger Ermittlungsarbeit verfasst hat. Fest stehe aber, dass der Angeklagte im Schlafzimmer «ohne erkennbaren Anlass und ersichtliches Motiv» mit einem länglichen Gegenstand auf seinen Kollegen eingeprügelt habe. Das Opfer habe einen massiven Schädelbruch erlitten und sei bewusstlos geworden. Die Stawa geht davon aus, dass der Beschuldigte wusste, dass sein Opfer an den schweren Kopfverletzungen sterben werde. Trotzdem habe der 24-Jährige danach mit einem Messer mindestens siebenmal auf seinen bewusstlosen Kollegen eingestochen. Die Stawa spricht von einer Hinrichtung. Detailliert schildert sie, wie der Angeklagte nach der Tat falsche Fährten legte und Gerüchte über einen Ehrenmord streute. Diese wurden vom «Blick» und von der «Basler Zeitung» aufgenommen und führten zu den ersten Verhaftungen.

Das Motiv des mutmasslichen Täters bleibt für die Stawa aber im Dunkeln. Stefan Suter, der Anwalt des Angeklagten, erklärt den Grund: «Es gibt keinerlei Motiv.» Sein Klient bestreite die Täterschaft. Der Verteidiger sagt: «Es gibt diverse Punkte, die von den Ermittlungsbehörden nicht oder zu wenig abgeklärt worden sind.» Es bleibt ein Rätsel-Mord.