Die Diskussion in den letzten Wochen war nicht, wer sich bei den Linken durchsetzt und für das Regierungspräsidium kandidieren wird. Sondern wer sich am wenigsten effizient vor dieser Aufgabe drückt. Keiner wollte. Weder Eva Herzog, noch Christoph Brutschin noch Hans-Peter Wessels. Die drei SP-Bisherigen überboten sich gegenseitig mit lautem Protestgeheul, wenn sie auf eine allfällige Kandidatur angesprochen wurden. «Uns gefällt es allen dreien in unseren Departementen», drückte es Wessels am Dienstagabend an der Delegiertenversammlung der SP etwas diplomatischer aus. Bei den Bürgerlichen musste Baschi Dürr (FDP) in den sauren Apfel beissen. Er, der schon bei den letzten Wahlen kandidiert hatte, konnte sich wohl nicht überzeugend genug drücken. Bei den Linken dagegen fiel der Entscheid auf die erstmals kandidierende Parteikollegin von Amtsinhaber Guy Morin: Elisabeth Ackermann. Sie sagte, sie sei sehr oft gefragt worden, ob sie eventuell nachrücken wolle, als klar wurde, dass Guy Morin nicht mehr kandidiere.

Eine motivierte Kandidatin

Sie habe während ihrer Amtszeit als Grossratspräsidentin gemerkt, dass ihr die Führungsfunktion sehr gut liege. .«Ich kann sehr gut verhandeln und Kompromisse finden, ich kann aber auch Entscheide fällen und sie durchsetzen. Mich interessieren die departementsübergreifenden Tätigkeiten.» Das Präsidialdepartement sei absolut zentral und werde oft schlechtgeredet und – geschrieben. «Ich hatte als Grossratspräsidentin viele Repräsentationsaufgaben, und zu meiner Überraschung fand ich das sehr spannend», so Ackermann. Das Regierungspräsidium böte auch Gelegenheit, langfristig Beziehungen aufzubauen. Auch fachlich entspräche ihr das Departement: Als Musikerin sei sie sehr interessiert an der Kultur, welche beim Präsidialdepartement angegliedert ist.

Grüne Politik müsse immer auch sozial sein. Es nütze nichts, wenn sich Bioprodukte nur die Reichsten leisten können. Sie wolle das «grüne Gewissen» in der Regierung sein. «Wir wollen eine Stadt, die velo- und fussgängerfreundlich ist.» Die Stadt ist als Wohnort und Wirtschaftsstandort sehr attraktiv, ein grosses Plus.

Wichtig sei für sie denn auch die Stadt- und Quartierentwicklung, also ebenfalls Gebiete, die in die Domäne des Präsidialdepartements fallen. Günstiger Wohnraum, ökologische Quartiere, Gebäude, die wenig Energie brauchten oder sogar Energie produzierten, das schwebt ihr vor – Basel solle eine Vorreiterrolle spielen. Der genossenschaftliche Wohnungsbau müsse eine grössere Rolle spielen, eine Tendenz, die bereits vorhanden ist (die bz berichtete). Gleichstellung von Frau und Mann ist ihr selbstredend wichtig, etwa bei Lohngleichheit – und auch das Gleichstellungsbüro findet sich im Departement des Regierungspräsidenten.

«Es wird nicht ganz einfach, weil die Bürgerlichen mit der SVP marschieren. Es scheint für sie kein Problem zu sein, dass die Bürgerlichen die SVP-Politik noch vor kurzer Zeit als unmenschlich und schädlich bezeichnet hatten», läutete Ackermann den Wahlkampf ein. Die Gegner nahmen den Fehdehandschuh gerne auf und verschickten Minuten nach der Nomination Ackermanns eine Mitteilung. Die SP erkläre hier «Forfait» und schicke eine Kandidatin ins Rennen, die «von Anfang als zweite Wahl von SP’s Gnaden gilt und keine Regierungserfahrung hat». Was wiederum eine scharfe Replik der SP auslöste, die den Bürgerlichen vorhält, sie hätten mit Dürrs erster Kandidatur vor vier Jahren auch einen «Neuen» direkt für das Präsidium antreten lassen.