Acht Jahre prägte Regierungspräsident Guy Morin die öffentliche Wahrnehmung der Basler Exekutive. Was ist nicht alles schon geschrieben und geredet worden über seine Auftritte. Bei seiner letzten grossen Rede soll das Wort aber ihm gehören. Die bz hat einige wichtige Punkte der Neujahrsansprache herausgegriffen.

Morin über Kollege Baschi Dürr:

«Die Medien kämpfen um Leserinnen und Leser, Auflage und um Einschaltquoten und sind auch bereit, Geschichten ‹aufzubauschen›. Differenziertheit und Respekt gehen dabei verloren. Die letzten Wochen vor den Wahlen haben gezeigt, was eine mediale Kampagne auslösen kann: einem Magistraten fast das Genick brechen.

Und worum ging es dabei eigentlich genau? Ich bin bei diesem Beispiel sicher befangen. Ich sage es trotzdem: Für mich war diese Kampagne nicht verhältnismässig.»

... über die Gesellschaft:

«Terroranschläge wie zuletzt am Weihnachtsmarkt in Berlin bergen die Gefahr, dass unsere Gesellschaft entzweit und nicht vereint wird. Im Ausland wie in der Schweiz. Mit Polarisierung, mit dem ‹divide› oder dem Entzweien wird versucht, Macht und Einfluss zu gewinnen. Die Angst und Bedrohungslage verstärken diese Entwicklung. In dieser hochemotional aufgeladenen Stimmung wird es immer schwieriger, faktenbasiert, differenziert und mit Respekt gegenüber der anderen Meinung zu argumentieren.

Dagegen haben es rechtspopulistische Kräfte anscheinend einfacher, mit Pauschalisierungen und verunglimpfenden Angriffen Mehrheiten zu schaffen. Sie sind daran, unsere humanistischen Werte einer vielfältigen, säkularen und gleichberechtigten, die Minderheiten schützenden Gesellschaft infrage zu stellen.»

... über das abgetrennte Baselbiet:

«Aber auch die seit der Ablehnung der Fusionsinitiative im Jahr 2014 geführte öffentliche Partnerschaftsdiskussion zwischen Basel-Stadt und Basel-Landschaft folgt dem ‹Entzweien› und nicht dem ‹Vereinen›. Da werden in Basel wie in Liestal teilweise verletzende, sicher aber trennende Aussagen gemacht. Nach seit Beginn meiner Tätigkeit als Regierungsrat zirka zehn Jahren aufbauenden Partnerschaftsbemühungen zwischen Basel-Stadt und Basel-Landschaft gewinnt das ‹divide› wieder an Einfluss. Das ist eigentlich die schmerzlichste Erfahrung im Rückblick auf meine Tätigkeit.»

... über sein Amt:

«Und ich möchte mich auch persönlich bei Ihnen bedanken. Die letzten acht Jahre im neu geschaffenen Präsidialdepartement waren eine strenge, aber sehr spannende Zeit.

Heute weiss ich, dass es diese Stürme brauchte, um die Diskussion über ein neues Departement und der damit verbundenen Funktion des Regierungspräsidenten zu führen und sich damit auseinandersetzen zu können. Alle haben daran teilgenommen und das war richtig so.»