Kulturpolitik

Morin will mehr als nur Gratiseintritte in Basler Museen

Das Kunstmuseum Basel: Ob der Eintritt dereinst gratis sein wird, ist noch unklar.

Das Kunstmuseum Basel: Ob der Eintritt dereinst gratis sein wird, ist noch unklar.

Der oberste Kulturchef sieht den Gratiseintritt als eine der möglichen Massnahmen, um die staatlichen Museen Basels mehr Besuchern näherzubringen. Basel würde sich damit von anderen Schweizer Städten abheben.

Guy Morin ist noch bis Februar 2017 Basler Regierungspräsident. Ihm bleibt weniger als ein halbes Jahr Zeit, um an seinem politischen Erbe zu arbeiten. Ein Anliegen, das Morin sehr wichtig ist, ist die Aufgleisung der kantonalen Museumsstrategie. Ihm liegt besonders die Öffnung der fünf staatlichen Museen Basels für neue Bevölkerungsgruppen am Herzen: «Wir möchten Museen, die für alle zugänglich sind», sagt Morin.

An den Eintrittspreisen schrauben

Um das zu erreichen, will der Noch-Regierungspräsident auch bei den Eintrittspreisen ansetzen: Denkbar seien im Vergleich zu heute weitere Rabattsysteme, Aktionstage – oder Gratiseintritte in die Dauerausstellungen der staatlichen Basler Museen. Den kostenlosen Zugang sieht Morin nicht als Königsweg, sondern als eine Massnahme von mehreren, die auch gemeinsam als Paket umgesetzt werden könnten. Immer mit dem Ziel, auch Besucher in die Museen zu holen, die bisher mit Kunst nicht viel anzufangen wussten.

Die Idee des Gratiseintritts verfolgt Morin seit 2014. Seine potenzielle Nachfolgerin, Elisabeth Ackermann, brachte sie gestern im Interview mit der bz ebenfalls auf. Zurzeit scheint es allerdings nicht so, dass Ackermann ihren grünen Parteikollegen Morin wird beerben können: Im Kampf um das Präsidialamt liegt sie laut der ersten Wahlumfrage der bz und der «Tageswoche» hinter Baschi Dürr (FDP) zurück. Ob der liberale Dürr die Museumsstrategie des grünen Morin in dessen Sinne weiterführen würde, darf zumindest bezweifelt werden. Vielleicht will Morin auch darum vorwärts machen: «Wir sind mit grossem Eifer daran, die neue Strategie für die Museen auszuarbeiten», sagt er. Ob es noch in seiner Amtszeit zu definitiven Beschlüssen kommt, will er nicht vorhersagen.

Die Besucher gratis einzulassen, das hat auch die Museumsdirektorenkonferenz der fünf staatlichen Basler Museum Ende 2015 geprüft. Dabei kam sie zum Schluss, dass das nicht bei allen fünf Museen realisierbar wäre, unter anderem wegen der finanziellen Kompensation, die dadurch nötig würde. Der Einnahmeeinbruch fiele bei einigen Häusern höher aus als bei anderen. Welche Beträge den Museen entgehen würden, will man beim Kanton nicht preisgeben.

Elisabeth Ackermann nannte gestern Migranten als Bevölkerungsgruppe, die dank des Gratiseintritts zum Museumsbesuch animiert werden könnten. Freude am kostenlosen Kunstvergnügen hätten zweifellos auch die Touristen – und damit auch Basel Tourismus. «Der Gratiseintritt in die Museen würde die Positionierung von Basel als Kunst- und Kulturstadt stärken und gegenüber anderen Städten einen Vorteil bedeuten, der sich auch gut vermarkten liesse», sagt Christoph Bosshardt von Basel Tourismus. Ob deshalb mehr Touristen nach Basel kämen, sei schwierig zu sagen: «Es sind in erster Linie die Sonderausstellungen, welche Touristen anziehen», so Bosshardt.

Tatsächlich würde sich Basel durch den gross angelegten Gratiseintritt von anderen Schweizer Städten abheben: In Zürich ist der Eintritt nur bei einem Teil der staatlichen Museen frei. In Bern und Genf gibt es keine kantonal getragenen Museen, wohl aber öffentlich subventionierte. Während in Genf die meisten Dauerausstellungen der städtisch getragenen Museen gratis sind, ist in Bern der Eintritt nur bei speziellen Aktionen umsonst.

Morin kontert Dürrs Visionen

Angesprochen auf die Äusserungen Dürrs, der darüber sinniert, die staatlichen Museen auszulagern und vermehrt über einzelne Ausstellungen statt den Betrieb zu finanzieren, sagt Morin: «Kunst darf nicht politisch gesteuert werden. Das steht auch so in der Verfassung, im Museums- und im Kulturfördergesetz.»

Die Museen verwalteten unser kulturelles Erbe, unseren Reichtum, so Morin. Dazu gehörten unter anderem das Gemälde des Leichnams Christi im Grabe, der Nachlass von Erasmus von Rotterdam oder die vom Volk gekauften Picassobilder. Morin ist sich sicher: «Die Bevölkerung ist nicht bereit, diese Schätze Privaten zu übergeben – nicht zur Pflege, nicht zur Vermittlung, nicht zur Erforschung.»

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