Kaserne

Moschee auf dem Basler Kasernenareal bekommt 250 Quadratmeter mit Rheinblick

Weil die heutigen Räumlichkeiten saniert werden, zieht die Moschee an den Unteren Rheinweg.

Weil die heutigen Räumlichkeiten saniert werden, zieht die Moschee an den Unteren Rheinweg.

Die Moschee darf auf dem Kasernenareal bleiben, und zwar in einem Anbau auf der Nordseite des Gebäudes, unmittelbar am Rhein.

Dass die älteste Moschee Basels trotz Umbauplänen auf dem Kasernenareal bleiben darf, ist bekannt. Nun ist klar, wie die Pläne des Kantons genau aussehen: Die Kasernen-Moschee erhält einen prominenten Platz am Rheinufer. Sie zieht in den nördlichen Anbau in einen der schönsten Teile des Gebäudes, mit grossen Fenstern auf den Rhein. Neu stehen der Moschee gemäss Ratschlag 250 Quadratmeter Fläche zur Verfügung, das sind 100 mehr als bisher. Die Räumlichkeiten bieten einen direkten Blick auf die Kleinbasler Rheinpromenade.

Das Gotteshaus soll sich über zwei Stockwerke erstrecken, wie Roland Frank von der Kantons- und Stadtentwicklung bestätigt. Das Erdgeschoss sei für die Männer vorgesehen, das Obergeschoss für die Frauen. «Damit auch die gläubigen Frauen die Predigt des Vorbeters hören können, wird der Boden mit Öffnungen versehen», so Frank. Äusserlich werde es im Bereich der Moschee nicht zu sichtbaren Veränderungen kommen.

Vorgesehen ist der Umzug für Mitte 2021. Der Imam hofft allerdings, bereits im Spätsommer 2020 einziehen zu können: «Am Freitag kommen bei uns jeweils relativ viele Leute zum Gebet. Dann ist es manchmal zu eng hier. Der neue Ort bietet uns mehr Platz.»

Eine Ausschreibung gab es nicht

Für den Kanton sind indes andere Gründe relevant für den Standortwechsel. Die heutigen Räumlichkeiten der Moschee seien sanierungsbedürftig und benötigten «sicherheitstechnische Ertüchtigungen» gemäss den aktuellen gesetzlichen Vorgaben, wie Frank schreibt. Schon im 2015 veröffentlichten Ratschlag der Regierung zum Umbau des Areals wurde der nördliche Anbau als Standort für die Moschee vorgeschlagen. Dieser entspreche den räumlichen und funktionalen Anforderungen. «Damit kann die lange Tradition der für das soziale und kulturelle Leben im Kleinbasel bedeutenden Moschee weiter geführt werden», heisst es im Ratschlag.

Klar ist aber auch: Der Zugang zur Moschee erfolgt über einen eigenen Eingang im Innenhof der Anlage. Zu einer Begegnung der Nutzergruppen der Kaserne wird es daher nicht unbedingt kommen, obwohl das Präsidialdepartement in einem Schreiben vom vergangenen Februar die kulturelle und soziale Durchmischung der Institution hervorhob.

Ausgeschrieben wurden die Räumlichkeiten der künftigen Moschee nie. Im 2015 publizierten Ratschlag der Regierung war bereits definiert, dass die Moschee auch künftig auf dem Areal bleiben soll. Auch dass sie direkt an den Unteren Rheinweg grenzen soll, war bei genauer Lektüre ersichtlich. Trotzdem ist der Einzug der Moschee nun hochaktuell. Die bz weiss von Interessenten aus der Gastro-Szene, welche die Räumlichkeiten gerne als Restaurant bespielt hätten.

Die Vergabe der rheinnahen Räumlichkeiten an die Moschee sorgt auch bei SVP-Grossrat Joël Thüring für Irritation: «Der Moschee das Filetstück der Kaserne zu geben, ist nicht Sinn und Zweck der Sache.» Er habe darauf vertraut, dass die Verwaltung ein geeignetes Nutzungskonzept erarbeiten werde. «Ich hätte hier mehr Sensibilität von den Verantwortlichen erwartet. Dieser Standort kann als Provokation verstanden werden. Schliesslich gehört der Islam nicht zur Schweiz, und seine Symbole sollten nicht derart präsent in Erscheinung treten können.»

Gelassene Nachbarn

Bei der Anwohnerschaft scheint der bevorstehende Standortwechsel der Moschee aber kein Thema zu sein. Das sagt jedenfalls Thomas Mächler, Präsident des Vereins «Heb Sorg zum Glaibasel»: «Bisher habe ich aus dem Quartier nichts Negatives vernommen. Ich habe nicht den Eindruck, dass hier etwas über die Köpfe der Bevölkerung hinweg entschieden wurde.»

Und auch Thomas Keller, Geschäftsführer der Kaserne, betont, die Verantwortlichen begrüssten den Umzug der Moschee in die neuen Räume des Kopfbaus. «Die Moschee trägt zur kulturellen Vielfalt auf dem Kasernenareal bei», so Keller. Am Vergabeprozess der Mieträume sei man hingegen nicht beteiligt gewesen.

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