Theater Basel

Moses-Musical in Basel: Theater-Recycling auf dem Müllberg

Regisseur Simon Solberg vermanscht «Moses» am Theater Basel zum Einheitsbrei. Überzeugend ist das nicht. Als Eindruck bleiben Slapstick und Klamauk im Gedächtnis. Immerhin sind die stinkenden Müllberge eine echte Innovation. Und Moses erweist sich als talentierter Rapper.

Im Zuschauerraum des Basler Schauspielhauses stinkt es am Donnerstagabend leicht faulig. Riechen die Müllberge auf der Bühne tatsächlich und absichtlich schlecht, um dem Publikum zusätzlich ein olfaktorisches Erlebnis zu bieten? Der Gestank wäre immerhin eine echte Neuschöpfung, die meisten anderen Elemente an diesem Abend sind es leider nicht.

Wer vor kurzem im selben Theater Simon Solbergs «Don Karlos» sah, erlebt während seiner zweiten Inszenierung als Co-Schauspielleiter so manches Déja-Vu. Auch bei «Moses» drückt Solberg während eindreiviertel Stunden fast pausenlos aufs Gaspedal und wirft alles ins Spiel, was er in seiner Theater-Klamottenkiste gefunden hat: Rasche Schnitte, laute Musik, viel Geschrei, derber Humor, erfrischender bis salopper Umgang mit dem Urtext und Stroboskoplicht. Noch stärker als bei «Don Karlos» überwiegen diesmal Slapstick und Klamauk. So wähnt man sich die meiste Zeit in einer PRO-7-Sketch Revue wie der Bullyparade (kurzer Internet-Check: Tatsächlich, «Bully» war schon mal Moses).

Moses ist ein guter Rapper

Im Vergleich neu ist, dass viel gesungen und gerappt wird. Es ist schliesslich ein Musical, genauer ein «Mash-Up Musical». Mit diesem Untertitel gibt Solberg dem Werk die ehrlichste Bezeichnung gleich selbst: Das Stück ist ein Brei (mash). Denn das ist es, was fast zwangsläufig herauskommt, wenn man von vielen Geschichten, Ideen und Liedern je ein Stück abhackt und alles zusammen im Mixer verquirlt. Wenn Gott Rastalocken trägt und bekifft auf ein paar Engel steigt, oder wenn das israelische Volk sich lechzend mit Geldscheinen einreibt (Kapitalismus ist ein böser Religionsersatz!), dann vermögen diese und weitere ähnlich gestrickte Szenen weder aufzurütteln noch zu unterhalten. So ein Theater langweilt leider nur noch.

Halt, man muss Moses (Johannes Schäfer) zu Gute halten, dass er gut rappen kann. Und seine Frau Zippora (Joanna Kapsch) kann singen – schade, dass sie jedes Lied nur anstimmen darf.

Darth Vader

Mit religiösem, ernstem Eifer, führt Moses sein Volk raus aus der ägyptischen Gefangenschaft, rein in einen 40-jährigen Höllentrip durch die Wüste. Wenn dieser Moses an Gottes Plänen zweifelt, so schämt er sich für diese Schwäche und trichtert sich und seinen Leuten immer wieder ein: Gottes Pläne dürfen nicht hinterfragt, sondern müssen befolgt werden. Diesen Aspekt der Moses-Geschichte verhandelt Solberg durchaus ernsthaft, seine Botschaft ist überdeutlich: Es ist falsch, einem Führer zu folgen. Gesellschaft und Individuen müssen selbst Verantwortung für ihr Handeln übernehmen. Gegen Ende tritt Moses im dunkeln Kapuzenmantel und Gasmaske als Darth Vader auf: Er ist gänzlich vereinnahmt von der dunklen Kraft des Fanatismus.

Wobei das alles nur ein Spiel im Spiel ist: Moses und sein Volk sind Müll-Sammler. Zufällig haben sie im Dreck eine Bibel gefunden, die zum Vorlesen und Nachspielen animiert. Die Abfallberge auf der Bühne sind eindrücklich (Bühnenbild: Simon Solberg und Yvonne Kalles). Offenbar hat der Regisseur sich vom Dokumentarfilm «Waste Land» inspirieren lassen. Nur berührt dieser Film mit seinen subtilen Portraits brasilianischer Abfallpflücker nachhaltig.

Theater Basel. Moses – ein Mash-Up Musical. Weitere Daten unter: www.theater-basel.ch

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