Offroader-Debatte

Mr. Monster-Truck: Warum fährt der so ein Riesending?

In Aktion: Christian Mettmann und sein Dodge Ram 1500 Pick-up

In Aktion: Christian Mettmann und sein Dodge Ram 1500 Pick-up.

Christian Mettmann gondelt mit einem der grössten zugelassenen Autos durchs enge Kleinbasel, einem Doge Ram 1500 Pick-up. Der Unternehmer sagt, es gehe gar nicht anders.

Mittwochvormittag, Oetlingerstrasse, tiefstes Kleinbasel. Hausfrauen, beladen mit Einkaufstaschen, der quengelnde Nachwuchs im Schlepptau. Eine Seniorin lässt ihren Dackel eine Mauer benetzen. Ein älterer Mann beäugt die Szenerie am offenen Fenster. Im Hintergrund läuft «Musigwälle», Verkehrsmeldungen, dann erschallt «Biene Maya» von Karel Gott. Bald ist er übertönt. Das Klacken einer sich schliessenden Autotür, Zündung, dann Brummen und Rauschen.

Wenn Christian Mettmann mit seinem Auto durchs Kleinbasel gondelt, fährt das ganze Quartier mit, zumindest akustisch. Sein weisser Dodge Ram 1500 Pick-up ist eines der grössten Autos, das in der Schweiz gefahren werden darf. 1,95 Meter gross, 8 Zylinder, über 5600 Kubikzentimeter Hubraum, über 2,9 Tonnen schwer – vor allem aber: etwas über 2 Meter breit, breiter als jeder normale Parkplatz.

Er brauche das Auto, sagt Christian Mettmann. Er ist ein Allrounder. Der gelernte Feinmechaniker hat sich vor sechs Jahren selbstständig gemacht. Mettmann Reinigungen, sieben Mitarbeiter, Büro an der Flachsländerstrasse, Lager in Allschwil. «Wir machen aber noch viel mehr als Reinigungen», sagt der 58-Jährige. «Hausräumungen, Gartenunterhalt, Zügelservice, Transporte. Heute musst Du flexibel sein. Sonst hast Du keine Chance.»

Die Transporte sind es, warum er den Dodge gekauft habe, sagt Mettmann. Einen 3,5-Tonnen-Anhänger habe er. Ebenso einen Tieflader, sechs Meter lang. «Mit dem haben wir schon alte Stretchlimousinen transportiert.» Mettmann hat auch drei weitere Firmenfahrzeuge, einen Citroën Jumpy und zwei kleinere Fords. «Aber den Jumpy kann ich doch nicht nehmen für die Anhänger. Sonst zieht der das Auto – und nicht umgekehrt.»

In der Schweiz werden die Autos immer voluminöser. Der VW Golf war in seiner ersten Version 1,61 Meter breit. Die neuen Modelle messen 1,78 Meter. Schon lange schwelt die Forderung, dass der Strassenraum vergrössert werden soll. Plus 10 bis 50 Zentimeter pro Fahrbahn, forderte vergangenes Jahr der Verband für Verkehrsfachleute Schweiz (VSS). Die Idee stiess auch bei Politikern im Stadtkanton auf offene Ohren. Dabei ist eine Verbreiterung gerade in Städten kaum möglich.

Basel ist grosszügig

Kommt hinzu, dass das Gesetz bei Trottoirs und Velostreifen Mindestbreiten vorschreibt. «Bei gleichbleibendem Platzangebot schränken diese geänderten Faktoren den verfügbaren Platz für den ruhenden Verkehr (Parkplätze) zwangsläufig erheblich ein», schreibt Nicole Ryf-Stocker, Mediensprecherin des Basler Bau- und Verkehrsdepartements. Bedeutet: Wenn alle mehr Platz brauchen, müssen Parkplätze weichen. Alleine zwischen 2015 und 2017 fielen in Basel-Stadt fast 500 Parkplätze weg.

Spass mache es ihm schon, den Dodge zu fahren, sagt Mettmann. «Er ist ein Kraftpaket.» Laut dem Basler Justiz- und Sicherheitsdepartement fahren derzeit 22 Dodge Ram mit BS-Nummernschild herum, 19 der Reihe 1500. Die Halter haben Glück. Ihre Kästen auf vier Rädern passen gerade noch knapp in Basler Parkplätze. Die sind in Basel-Stadt breiter als an manch anderen Orten. «Ein durchschnittlicher Parkplatz auf Allmend ist in Basel 2 Meter breit – das sind 10 Zentimeter mehr, als von der Norm vorgeschrieben werden», schreibt Nicole Ryf-Stocker. Mettmanns Dodge ragt also etwas mehr als einen Zentimeter über den Rand. Eine Busse gibts deswegen keine.

Feindbild der Grünen

Auch bei der Länge ist Parkieren mit dem Dodge Ram Zentimeterarbeit. Basler Reihen-Parkplätze sind fünf Meter lang, wenn sie freistehen oder am Anfang oder Ende einer Parkplatzreihe platziert sind. Eingeschlossene Felder, solche innerhalb von Reihen, sind einen Meter länger. Der zusätzliche Platz ist fürs Manövrieren vorgesehen. Der Dodge misst etwas über 5,8 Meter. Da kommen meist nur einzelne oder Randparkplätze infrage. Mindestens die Schnauze oder das Heck ragt über die Linie hinaus. Das ist erlaubt.

Der Platz reicht gerade knapp. Bei den Parkfelder ist entscheidend, dass die Räder noch innerhalb der Markierung stehen.

Der Platz reicht gerade knapp. Bei den Parkfelder ist entscheidend, dass die Räder noch innerhalb der Markierung stehen. 

Da die Zahl der Sport Utility Vehicle, bekannter ist die Abkürzung «SUV», zunimmt, dürfte das Gedrängel auf den Strassen zunehmen. Jedes dritte neue Auto in der Schweiz ist mittlerweile eine Geländelimousine. Grüne Politiker würden die SUV am liebsten komplett von den Strassen verbannen, etwa mit der Offroader-Initiative.

Christian Mettmann kann der Debatte um die SUV nicht wirklich etwas abgewinnen. Würden Fahrzeuge wie der Dodge verboten oder mit einer hohen Sonderabgabe bestraft, müsste er sich wohl aus der Stadt verabschieden. Mit einem Cargo-Velo könne er keinen Anhänger ziehen.

Polizist war begeistert

Manchmal würden ihn die Dimensionen seines Fahrzeugs aber schon ins Schwitzen bringen. «Es gibt Strassen, da muss ich auf den Trottoirrand mit den Rädern, wenn ich den Wagen abstelle. Sonst kann das Tram nicht mehr durch.» Gebüsst worden sei er noch nie deswegen. «Die Polizisten verstehen das. Einer sagte sogar einmal, er wünsche sich solch einen Wagen für die Polizei.»

Cars, Busse und Lastwagen seien noch breiter, fügt Mettmann an. Die könne man auch nicht einfach verbieten. «Es braucht einfach etwas Rücksicht. Dann kommen alle aneinander vorbei.» Sagt er und steigt wieder in seinen Dodge. Der nächste Termin ruft.

Das Fahrzeug ist längst um die Ecke gebogen, noch immer hallt das Brummen nach.

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