Basel
Muba buhlt mit Gratiseintritten und Rabatten um Besucher

Die Minderheit der Besucher der Muba bezahlt den vollen Eintrittspreis für die Basler Müsterlimesse. Der Messeleitung ist das nur recht, sollten doch möglichst viele Besucher den Weg in die Hallen finden.

Michael Heim
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Für viele Muba-Besucher fest eingeplant: Das Ende in der Degustation. Archivbild Kenneth Nars

Für viele Muba-Besucher fest eingeplant: Das Ende in der Degustation. Archivbild Kenneth Nars

Die Topfkollekte findet am Kassenschalter der Muba statt. Wer die Messe, die nächstes Wochenende in Basel aufgeht, besuchen will, kann so viel bezahlen, wie er will. Grosszügige Menschen kaufen eine «Mubacard» für 32 Franken, mit der sie die Messe (und ein paar andere) so oft besuchen können, wie sie wollen. Den Einzeleintritt gibt es für 16 Franken. Doch auch diesen Preis werden die meisten Besucher nicht bezahlen, denn es locken Rabatte.

Vergünstigungen gibt es etwa für Lehrlinge, Jugendliche oder Inhaber eines «Color-Key». Oder für Familien mit Familienpass. Auch wer schon an der Ferienmesse war oder einen Museumspass besitzt, erhält Rabatt. Ebenso Besitzer eines SBB-Generalabonnements oder eines U-Abos. Kinder und Schulklassen kommen sowieso gratis rein.

Gratiseintritt dank Ragusa

Zudem verteilen viele Aussteller Gratiseintritte an ihre Kunden. Oder an ihre Aktionäre, wie die Brauerei Unser Bier, die all ihren siebentausend Miteigentümern eine Mubacard geschenkt hat. Die Brauerei finanziert das Geschenk – wie schon in den Vorjahren – über ein Gegengeschäft mit der Messebetreiberin, wie der «Sonntag» weiss: Wer eine Mubacard kauft, erhält einen Gutschein für ein Glas Bier am Stand der Brauerei. Das ist alles.

Am ersten Messetag kommt sogar gratis in die Messehallen, wer draussen am Kiosk noch schnell ein Ragusa kauft und das leere Schächteli am Eingang vorweist. Und nein, das ist kein verspäteter Aprilscherz, wie Muba und Ragusa-Herstellerin Camille Bloch bestätigen.

Möglichst viele Gäste

Von den 300000 Besuchern der Muba bezahle nur gerade ein Drittel den vollen Eintrittspreis, sagt Messe-Sprecher Simon Dürrenberger auf Anfrage des «Sonntags». Knapp die Hälfte der Besucher kriegt Rabatt. Und jeder vierte Muba-Gänger spaziert gratis rein. Wer nicht will, muss nicht bezahlen.

Was unlogisch erscheint, macht für die Messe Sinn. Denn das von der Muba praktizierte Hürdenmodell hat einen einzigen Zweck: Jeden Besucher bei dem Preis abzuholen, den er gerade noch zu bezahlen bereit ist. Wichtiger als hohe Erträge an der Kasse ist der Messe ohnehin, dass möglichst viele Besucher den Weg an die Muba finden. Nur so bleibt sie für die Aussteller interessant.

Und so arbeitet die Muba neu auch mit der Ladenvereinigung Pro Innerstadt zusammen. Wer derzeit in einem der angeschlossenen Geschäfte einkauft, bekommt einen Gutschein für einen Gratiseintritt am ersten Messetag. 20000 Karten würden so verteilt, sagt Geschäftsführer Mathias F. Böhm. Das entspricht immerhin sechs Prozent der letztjährigen Besucherzahl. Die Pro-Innerstadt-Gutscheine sollen mittelfristig den Gratiseintritt mit der Fasnachtsplakette ablösen. Auch Fasnächtler bezahlen am ersten Tag keinen Eintritt.

Aussteller-Gebühren

Geld verdient die Messe nicht mit den Billetts sondern mit den Gebühren der Aussteller. Diese bezahlen schon für einen kleinen Stand mehrere tausend Franken Miete. 85 Prozent des Umsatzes mache die Messe mit den Ausstellern, sagt Pressesprecher Dürrenberger. Die Eintritte machen gerade mal die restlichen 15 Prozent aus.

Und so profitiert auch die Schokoladenfabrik Camille Bloch von der Gratiskultur der Messe, wie deren Pressesprecherin Regula Gerber erklärt. Die Aktion mit dem Ragusa sei Teil eines Pakets zur Feier des 70-Jahr-Jubiläums des Schokoladeriegels. Dieses sei zusammen mit der Messeleitung entworfen worden. Für die Gratiseintritte ihrer Kunden muss Camille Bloch nichts bezahlen. Und sie kann erst noch zusätzliche Schoggistängeli verkaufen.