Herr Nussbaumer, Sie haben den Begriff «Druck» gezogen. Wie gehen Sie damit um? Haben Sie in angespannten Zeiten auch mal schlaflose Nächte?

Daniel Nussbaumer: Druck ist in erster Linie etwas, das man sich selbst auferlegt. Das kann anspornend sein, aber wenns zu viel wird, wirkt sich das auch bei mir auf die Nächte aus. Dann ist es wichtig, dass man die Distanz sucht und das, woran man gerade ist, auch relativiert.

Was machen Sie, wenn Sie nicht einschlafen können?

Ich habe ein Schlafhygieneritual. Das heisst, dass ich vor dem Schlafen gehen gewisse Regeln befolge, um dem Körper zu signalisieren, dass er jetzt in den Schlafmodus wechseln sollte. Ich habe beispielsweise einen Spray, den ich jeden Abend auf mein Kopfkissen spraye. Wenn ich das rieche, weiss mein Körper: Jetzt ist Schlafenszeit. Nichtsdestotrotz gibt es immer noch Nächte, in denen ich nach drei Stunden wieder aufwache. Dann lese ich eben ein gutes Buch und trinke einen Baldrian-Tee.

Druck, sagen Sie, ist in erster Linie etwas Selbstauferlegtes, hat also mit Ehrgeiz zu tun. Sind Sie ein ehrgeiziger Mensch?

Ehrgeiz und Druck liegen eng beisammen. Ich bin sicher jemand, der gerne Erfolg hat und sich deshalb auch von Zeit zu Zeit zu viel Druck auferlegt.

Ehrgeizlinge sind oft schlechte Verlierer. Sind Sie auch einer?

Was heisst das? Ich glaube, ich kann gut mit Niederlagen umgehen und sehr schnell verarbeiten, indem ich den Anspruch an mich stelle, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Sind Sie der Fairplay-Typ oder schummeln Sie dann und wann?

Ganz ehrlich (überlegt) … unlängst habe ich beim Tennismatch einen Ball aus gegeben. In dem Moment habe ich realisiert, dass der Ball eigentlich drin war. Ich brauchte dann allerdings zwei Minuten bis ich zum Gegner ging und ihm gestand, dass er eigentlich drin gewesen war. Ich weiss nicht, ob es schlechtes Gewissen ist oder das Bewusstsein für die Lächerlichkeit der Situation. Warum bei so etwas unbedeutendem wie einem Tennisballwechsel schummeln?

Welches waren die schlimmsten Niederlagen in Ihrem Leben?

Wenn du ehrlich bist, hast du täglich Niederlagen. Wenn ich ein Ereignis herauspicken müsste, dann wäre es wahrscheinlich meine abgebrochene Banklehre. Ich habs damals zwar nicht als solche empfunden, aber für meine Mutter war es schlimm. Ich kann mich an ihren Blick erinnern und ihre Sorgen: Was soll nun aus meinem Sohn werden? Das hat sich extrem eingeprägt.

Haben Sie schon erlebt, dass Druck Versagensängste in Ihnen ausgelöst hat?

Das Gefühl kenne ich auch, immer wieder, vor einem wichtigen Ereignis, vor einer Rede oder einer Prüfung. Mir persönlich hilft es, daran zu denken, wie unbedeutend dieses bevorstehende Ereignis in der Weltgeschichte ist, und du in 50 Jahren ohnehin tot bist. Dass das alles gar keine Rolle spielt, das gibt dir eine Gelassenheit für den Moment.

Zurück zum Tennis: Wenn der Gegner Matchball hat. Packen Sie dann die besten Bälle aus oder begehen Sie dann eher einen blöden Fehler?

Ich glaube schon, dass ich in einer angespannten Situation über mich hinauswachsen kann. Ich brauche auch etwas die Theatralik der zugespitzten Momente. Auch im Job glaube ich, dass ich dann oft die richtigen Entscheide fälle, auch wenn ich ganz hibbelig werde.

Können Sie in Drucksituationen aufbrausend sein und Dinge tun, die Sie bereuen?

Nein, das glaube ich nicht, oder? (Schaut in Richtung seiner Pressechefin). Ich glaube, ich kann den Druck gut absorbieren. Ich sehe das auch als meine Rolle an, ein Schutzschild für die Mitarbeiter zu sein.

Sie sind seit zwei Jahren an der Spitze und werden wahrscheinlich immer wieder mit dem Publikumsschwund konfrontiert. Welchen Druck verspüren Sie von oben?

Wir sind in einem starken Wandel. Gefordert ist, sich täglich neu zu erfinden. Dieser Druck ist gross, vor allem seitens Kunden und Medien. Richtigerweise fordert die Geschäftsleitung ebenso Erfolge.

Die Publikumszahlen zu steigern, dürfte in der heutigen Zeit schwierig sein. Spüren Sie Druck seitens der Messeleitung?

Ja, den gibt es. Aber es ist nicht der, der mich nachts wach hält. Das ist der Druck, den jeder andere gegenüber dem Vorgesetzten auch hat. Aber die Reibung mit dem Vorgesetzten ist auch eine Aufgabe, der ich mich stellen muss. Ich muss aufzeigen, was heutzutage realistisch ist. Letztlich mündet das Ganze aber in einem Konsens. Wenn wir diesen nicht fänden, dann wäre ich der Falsche für dieses Projekt. Wenn er findet, ich sei der falsche Muba-Chef, dann stehe ich gerne auch für eine andere Aufgabe zur Verfügung. Bis jetzt ist dies aber nicht der Fall, ich verspüre von allen Seiten bis hin zum CEO grosse Unterstützung.