Immer mehr Basler entsorgen ihren Müll illegal: Gebührenlose Kehrichtsäcke, Elektroschrott und Möbel werden einfach aufs Trottoir oder in Grünanlagen gestellt. Es handelt sich um ein neues Phänomen: Die Zahl der illegalen Entsorgungen hat sich seit 2008 verdoppelt.

Jürg Hofer, Leiter des Basler Amts für Umwelt und Energie (AUE), rechnet dieses Jahr mit insgesamt etwa 5400 Meldungen zu illegal entsorgtem Abfall. Die Meldungen kommen von Müllmännern und aus der Bevölkerung. Folglich werden jeden Tag 15 neue wilde Entsorgungen beanstandet, die weggeräumt werden müssen. Insgesamt entsteht so in Basel jährlich ein illegaler Abfallberg von mehreren Hundert Tonnen.

Nun greift der Kanton durch: Neuerdings werden Abfallsünder konsequent verfolgt und gebüsst. Offiziell spricht das AUE nicht von Bussen, sondern von 200-fränkigen Gebühren, die von den Verursachern für den Aufwand verlangt werden. Im Jahr 2008 wurden erst etwa zwölf Basler verwarnt. Die Zahl steigt rapid: Hofer rechnet damit, dass seine Mitarbeiter dieses Jahr mindestens 220 Abfallsünder erwischen. Die Zahlungsbereitschaft sei erstaunlich hoch: Im letzten Jahr beglichen zwei Drittel der Gemahnten die Rechnung. «Beim letzten Drittel wird es allerdings schwierig, weil diese Leute entweder weggezogen oder überschuldet sind», sagt Hofer.

Detektivische Kleinarbeit

An vorderster Frontist der Abfalldetektiv im Einsatz. Illegal entsorgte Abfallsäcke zerlegt er in detektivischer Kleinarbeit. Hofer staunt, wie oft sein Mitarbeiter Hinweise wie Adressen findet, mit denen er die Täter überführen kann. Schwieriger ist es bei Elektroschrott und Möbeln. Doch auch hier ermittelt der Abfalldetektiv hartnäckig: Er klingelt an Haustüren und erkundigt sich, ob jemand etwas über das Sofa oder den Fernseher auf dem Trottoir wisse. Immer wieder erhält er entscheidende Hinweise von Nachbarn.

Der Abfalldetektiv erlebt auch unangenehme Situationen. Er wird immer wieder angefeindet. Deshalb wird sein Name auch nicht mehr veröffentlicht. «Einmal tauchte eine ganze Familie ziemlich bedrohlich vor seinem Büro auf, um sich über eine Gebühr zu beschweren», erzählt Hofer.

Besonders akut ist das Abfallproblem in drei Quartieren: Gundeldingen, St. Johann und unteres Kleinbasel. Dies liege nicht daran, dass es einigen Quartierbewohnern möglicherweise an Geld mangle, ist Hofer überzeugt. «Eine Senkung der Abfallgebühren würde nichts bringen, da vor allem immer mehr Elektroschrott illegal entsorgt wird», bedenkt er. Dieser kann in jedem Laden, der Elektrogeräte verkauft, gratis abgegeben werden. Dass die meisten Leute dies nicht wüssten, lässt Hofer ebenfalls nicht gelten: «Praktische Dinge wie die Gratis-Sperrgutabfuhr sprechen sich erstaunlich schnell herum.» Als Gründe vermutet er vor allem Bequemlichkeit und eventuell auch eine gewisse Verdrossenheit gegenüber dem Staat.

Mehr Elektroschrott und Kleinabfälle

Die provisorisch eingeführte Gratis-Sperrgutabfuhr hat nur zu einer Verlagerung geführt: Es werden zwar weniger grosse Möbel illegal entsorgt, dafür immer mehr Elektroschrott und Kleinabfälle. «Ursprünglich war das Ziel, dass illegale Entsorgungen durch die Gratis-Sperrgutabfuhr auf null zurückgehen - davon sind wir weiter entfernt denn je», bilanziert Hofer.

Spricht der AUE-Chef über das Abfallproblem, sind auch Emotionen herauszuhören. Immer wieder schüttelt er den Kopf: «Wieso schaffen es die Leute in einer so schönen Stadt nicht, mehr Eigenverantwortung zu zeigen? Ich staune immer wieder, wie sauber italienische Städte, die ja nicht den besten Ruf haben, im Vergleich zu Basel sind.» Eine Lösung des Problems schlägt die Basler SVP mit ihrer Sauberkeitsinitiative vor: eine Abfallpolizei.

Hofer hat Verständnis für das Anliegen, ist aber auch skeptisch: «Der Aufwand, um noch mehr Abfallsünder zu erwischen, wäre riesig.»
Das Abfallproblem ist vor allem ein städtisches Phänomen. «Beim Kanton Baselland treten kaum Meldungen ein, dass die Gemeinden mit echten illegalen Entsorgungen stark belastet wären», berichtet Arthur Rohrbach vom Baselbieter AUE. Littering und Unordnung bei Sammelstellen seien aber auch hier weit verbreitet und liessen sich nicht immer klar von illegalen Entsorgungen abgrenzen.