Die Region Basel und Britannien verbinden viele wirtschaftliche Interessen und Verflechtungen. So viele, dass am Donnerstag das Thema Brexit auch die Sitzung des Oberrheinrates dominierte.

Die Verbundenheit geht tief, insbesondere in der Stadt. Das Tattoo, einer der grössten Anlässe im Jahreskalender, ist eine sehr britisch-lastige Angelegenheit. Die britische Expat-Kolonie war schon organisiert, bevor das Wort «Expat» es überhaupt ins Vokabular der hiesigen Politiker schaffte. Und der schräge, schwarze Humor, der insbesondere um die Fasnacht herum blüht, hat sehr viel gemein mit dem berühmt-berüchtigten englischen Humor. Kein Wunder bewegen die Meldungen von der Insel die Basler Gemüter.

Aber einig ist man sich nicht. So triumphierte der Basler SVP-Politiker Joël Thüring schon früh am Morgen auf Twitter, der Brexit sei der Anfang vom Ende der EU. Der liberale Grossrat und Regierungskandidat Conradin Cramer hält dagegen: «Ein trauriger Tag für Europa, ein schlechter Tag für die Schweiz». Damit steht er näher bei seiner Grossratskollegin aus der SP, Edibe Gölgeli, die sich mit «ein schwarzer Tag für die EU» vernehmen liess.

Die neuerdings mit LDP, FDP und CVP verbündete SVP meldete sich mit Grossrat Patrick Hafner wieder zu Wort und widersprach dem Entsetzen ihrer Allianzpartner: «Das ist ein Sieg des Liberalismus über den Etatismus — und eine Chance für die EU, von der Machtkrake wieder zum Ort der sinnvollen Zusammenarbeit souveräner Staaten zu werden.» Die Basler Basta-Politikerin und Regierungskandidatin Heidi Mück witterte dagegen einen Aufstand gegen eine EU, die nur den «Grosskonzernen dient». Die Reaktionen fallen also bei SP und Zentrum bestürzt aus. Die beiden Extreme dagegen sehen es positiver. Und das trotz Zusammenarbeit in den jeweiligen Bündnissen bei den anstehenden Wahlen in Basel-Stadt.

Sieg der Isolationisten?

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch im Landkanton, der 2014 entschieden hatte, sich nicht mit Basel-Stadt wiedervereinigen zu wollen. Damals sahen sich die isolationistischen Kräfte im Landkanton gestärkt – und der EU-Ausstieg Grossbritanniens könnte die Abschottungstendenzen verstärken. Das sei möglich, sagt Christine Frey, Präsidentin der Baselbieter FDP. Man solle nun aber «zuerst einmal Ruhe bewahren und dieses Resultat nicht überbewerten, was es für die Nordwestschweiz bedeuten könnte.» In unserer Region wisse man um den hohen Wert der Zusammenarbeit. Ihr Kollege von der CVP, Marc Scherrer, bezeichnet es als «unseriös, die Brexit-Abstimmung auf die Region herunterzubrechen». Trotzdem zeichne sich innerhalb von Europa eine Entwicklung ab, die es ernst zu nehmen gelte, schreibt der CVP-Präsident: einen Trend hin zu mehr Isolationismus.

Oskar Kämpfer, Präsident der SVP-Baselland schreibt, der EU-Ausstieg des Vereinigten Königreichs sei richtig. Es gehe aber auch in England nicht um Isolationismus, sondern um Föderalismus – «um eine möglichst starke Delegation von Verantwortung an kleinere Einheiten», wie es Kämpfer ausdrückt. «Das ist ein wichtiger Unterschied.»

Adil Koller schert aus. Laut dem Präsidenten der SP Baselland sind die Abschottungstendenzen im Baselbiet seit der Fusions-Abstimmung sogar schwächer geworden. «Die Bevölkerung will zwar nicht fusionieren, aber näher zusammenrücken und stärker zusammenarbeiten.» Das habe etwa die Abstimmung über die Pensionskasse der gemeinsamen Universität Basel gezeigt.

Unbeeindruckt vom Brexit hielt gestern der Trinationale Eurodistriktrat Basel im Rathaus seine Plenarversammlung ab. Die Organisation wurde vor zehn Jahren gegründet und vereinigt Delegierte aus Gemeinden aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz zwecks Koordination und Planung. Thema gestern: grenzüberschreitende Berufsausbildung. Gerade diese praktische Arbeit zeige, dass es in Europa eben auch anders gehe, so Grossrat Stephan Lüthi (SP). Trotzdem entschloss sich Distriktratspräsident Heinrich Ueberwasser (SVP), die Routine zu durchbrechen. Kurzfristig lud er Volkswirtschaftdirektor Christoph Brutschin ein, über die Folgen des Brexit für die Region zu sprechen. Fazit: Es wird wohl nicht so schlimm werden.