Die Gegner des Neubaus des Naturhistorischen Museums und des Staatsarchivs, über den das Basler Stimmvolk am 19. Mai abstimmen wird, kritisieren den vorgesehenen Standort am Bahnhof St. Johann. Dieser befinde sich zu weit ausserhalb des Zentrums und sei für Besucher schwierig zu erreichen. Beispiele aus anderen Schweizer Städten zeigen, dass ein Standort ausserhalb des Zentrums sowohl Chancen bieten, aber auch Risiko sein kann.

2016 eröffnete der Neubau des Naturmuseums St. Gallen im Osten der Stadt. Zwölf Minuten dauert die Busfahrt vom Hauptbahnhof direkt zum Museum. Die unmittelbare Nähe zum Botanischen Garten, mit dem jetzt gemeinsame Veranstaltungen durchgeführt werden, sprach genauso für den Stadtrand wie die gute Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Verkehr und dem Auto.

Das Museum befindet sich in der Nähe eines Autobahnanschlusses und kann an den Wochenenden zu den eigenen Parkplätzen auch kostenlose Stellplätze von Firmen in der Nachbarschaft benutzen, was vor allem auch Auswärtige anzieht.

Für Museumsdirektor Toni Bürgin ist klar: Der Entscheid für die Peripherie war «absolut richtig». Eine detaillierte Besucheranalyse werde zwar erst dieses Jahr durchgeführt, aber die Besucherzahlen stimmten zuversichtlich.

Noch profitiere das Museum aber vom «Neusein», gibt Bürgin zu bedenken. «Wir machen uns Gedanken, wie wir das Museum in unserer Kommunikationsstrategie bewerben sollen. Schliesslich geht es darum, die Leute zu uns nach draussen zu holen.»

Im Zentrum eingeschränkt

Laufkundschaft gibt es am Stadtrand keine. Doch stellt sich die Frage, ob es Laufkundschaft bei einem Museum überhaupt geben kann. «Nein, die Besucher kommen bewusst zu uns», findet Toni Bürgin. Befindet sich ein Museum aber in unmittelbarer Zentrumsnähe und ist so Teil der Stadt, könne Laufkundschaft durchaus vorkommen, erwidert Thomas Briner, Direktor des Naturmuseums Solothurn.

Kombiniert mit einem kostenlosen Eintritt machen sich die Solothurner die Lage ihres Museums zunutze und verzeichnen so auch Besucher, die spontan für eine halbe Stunde vorbeischauen. Die Rechnung geht auf. Die Zentrumsnähe sei in der Regel ein Vorteil, müsse aber nicht der Entscheidende sein, glaubt Thomas Birner. «Wie das Naturhistorische Museum Basel am jetzigen Standort sind auch wir hier vom Platz her eingeschränkt. Die Sammlung müssen wir auf verschiedene Standorte in der Stadt verteilen, was nicht optimal ist.»

Das Gebäude, das einst eine Schule war, sei nicht auf die Bedürfnisse eines Museums ausgerichtet. Trotzdem: Thomas Birner will die Lage im Zentrum nicht missen. Gedanken, wie sie das Museum in der Öffentlichkeit bewerben sollen, müssen sich die Museumsmacher in Solothurn trotzdem machen. Denn die Gefahr bestehe, so Direktor Birner, «dass man im Zentrum denkt, die Leute kämen von allein».

Kampf um Aufmerksamkeit

In den heute dicht bebauten Städten ist ein Neubau von der Dimension des in Basel geplanten Museums und des Staatsarchivs fast nicht mehr möglich. Bei Neubauten können die Verantwortlichen den Museumsbedürfnissen zwar entsprechend planen. Am Stadtrand müssen die Besucher aber noch stärker «abgeholt» werden.

Sich einen Namen als Ausflugsziel zu erarbeiten, brauche die Strahlkraft einer Fondation Beyeler, des Zentrums Paul Klee oder des Verkehrsmuseums, ist Daniel Studer, Direktor des Historischen und Völkerkundemuseums St. Gallen, überzeugt.

Dieses liegt zwar im Stadtpark in unmittelbarer Nähe zum Kunstmuseum, dem städtischen Theater und der Tonhalle, ist aber trotzdem «ab vom Schuss». Mit dem öffentlichen Verkehr ist es über eine Viertelstunde vom Hauptbahnhof entfernt, wobei eine Haltestelle direkt beim Museum fehlt.

«Man kann nicht bestreiten, dass die periphere Lage nicht ganz egal ist», gibt Daniel Studer zu. «Wir müssen definitiv mehr um Aufmerksamkeit kämpfen, als wenn wir uns im Herzen der Stadt befinden würden.»