Kulturenmix
Multikulti im Verein: Bei den Black Stars spielen 61 Nationen mit

Im Fussball geht es oft um mehr als nur den Sport. Bestes Beispiel dafür ist der FC Black Stars. Der Basler Quartierverein zählt unter seinen knapp 600 Mitgliedern ganze 61 verschiedene Nationen. Tendenz steigend.

Céline Feller
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Auf der Sportanlage Buschweilerhof der Black Stars trainieren Kinder aus zahlreichen Nationen zusammen – und haben viel Spass dabei.

Auf der Sportanlage Buschweilerhof der Black Stars trainieren Kinder aus zahlreichen Nationen zusammen – und haben viel Spass dabei.

Juri Junkov

Es ist einer der letzten Sonntagnachmittage im Spätsommer dieses Jahres. Die Temperaturen sind angenehm, die Sonne wärmt in der Region die regen- und kältegeplagten Seelen und lockt so die Bevölkerung nach draussen. Auf dem Hauptfeld des Buschweilerhofs nahe der Grenze von Basel und Allschwil kämpfen zwei Juniorenteams um den Sieg. Für die beiden Frauenmannschaften, die sich für ihre Partie einwärmen möchten, bleibt nur der Gang auf den Nebenplatz der Sportanlage.

Schon von Weitem ist der Lärm, der vom kleinen Kunstrasenfeld kommt, zu hören. Kinder aller Altersgruppen, Jugendliche, Erwachsene mit ihren Sprösslingen, alle tummeln sie sich auf dem künstlichen Grün, um Fussball zu spielen. Bei genauem Hinhören wird deutlich: Deutsch sprechen sie nicht – oder fast nicht. Es ist ein multikultureller Sprachmix aus Türkisch und den diversen Sprachen des Balkans. Es ist eine Szene, die nicht selten ist auf dem Fussball-Platz, der inmitten von Wohnhäusern und -blöcken steht. Für gewöhnlich ist der Buschweilerhof, der seinen Namen dem Bauernhof verdankt, der sich früher auf dem Gelände befand, in fester Hand des FC Black Stars.

Der im Jahr 1907 gegründete Basler Quartierverein machte am vergangenen Wochenende Schlagzeilen, als die erste Mannschaft im Schweizer Cup den Titelverteidiger und Super-Ligisten FC Zürich beinahe zum Verzweifeln brachte. Am Ende reichte es nicht zum grossen Coup, «Black», wie der Verein in der Region genannt wird, unterlag knapp mit 1:2.

Via FCB, Congeli oder Sozialamt

Der Verein, der 600 Mitglieder zählt, ist viel mehr als nur der kleine David, der ab und an im Cup die Chance bekommt, Goliath zu nerven. Bereits vor zwei Jahren zeigte Black – damals ebenfalls gegen den FCZ – eine gute Leistung und unterlag 1:3. Vielmehr ist der Verein Schmelztiegel unzähliger Nationen. «Anfang Woche haben wir gerade die 61. Nation dazubekommen», so Peter Faé, Sportchef des FC Black Stars. «Die neuste Nation ist Island. Bei uns kommen sie aus aller Herren Ländern. Sogar aus der Mongolei haben wir jemanden», erzählt Faé weiter. «In Südamerika decken wir jedes Land ab, und auch Schwarzafrikaner sind dabei.»

Dass Letztere den Weg zum Quartierverein finden, verwundert nicht. Unter dem Namen «Black Stars» läuft nämlich nicht nur der Basler Verein auf, sondern auch eines der erfolgreichsten Fussballteams Afrikas: die Nationalelf Ghanas. Für Faé ist der Name ohnehin ein Punkt, der viele Jugendliche anlockt: «Ich denke schon, dass es unter anderem mit dem englischen Namen zu tun hat. Der tönt eben besser als ein ‹normaler› deutscher Name.» Hinzu kommt, dass Black als sechstältester noch bestehender Klub Basels einer der traditionsreichsten und damit auch bekanntesten der Region ist. Auch deshalb, glaubt Faé, kommen viele Kinder aus den International Schools zu den Sternen. «Die Eltern reden zusammen, und am nächsten Tag schicken die nächsten ihre Kinder zu uns.»

Auch vom Sozialamt werden Kinder und Jugendliche, die gerne Fussball spielen wollen, oft zu den Black Stars geschickt. «Wohl, weil sie wissen, wie multikulturell wir sind, und dass wir auch zu schwierigeren Fällen nicht Nein sagen und viel Geduld mit ihnen haben.» Geduld, die andere Vereine wie beispielsweise der FC Basel oder Congeli nicht haben, meint Faé. «Viele, denen es beim FCB nicht gereicht hat oder die für Congeli zu undiszipliniert waren, kommen zu uns.»

Dass der Verein dabei eine Erziehungsfunktion einnimmt, sei selbstredend. Oft tauchen die Kinder alleine auf, ohne Erziehungsberechtigte oder Familienmitglieder. Faé: «Die Kids werden anscheinend von ihren Eltern in ihren Ländern in einen Zug gesetzt und landen hier.» Manchmal seien es ganze Wellen aus einzelnen Ländern, wie zuletzt aus Portugal. In solchen Fällen übernehmen die Trainer und Funktionäre mehr Verantwortung, als sie eigentlich müssten. «Ein Junge aus dem Kongo, der die Woche durch in einem Heim wohnt, verbringt die Wochenenden jeweils bei seinem Trainer und seiner Familie. Anderen wiederum wird etwas zu Essen mitgegeben, wieder anderen die Jahresbeiträge oder die Ausrüstung bezahlt. Wir haben eben viele Sozialfälle. Aber die sollen genau so Fussball spielen können wie alle anderen, deren Eltern genug verdienen.»

Der Ehrenkodex verpflichtet

Doch geht der Verein bei einem solch multikulturellen und auch sozialen Mix nicht die Gefahr ein, bald für Schweizer an Attraktivität zu verlieren? «Nein», sagt Faé, «Schweizer wird es immer haben». Wichtig ist dabei auch, dass im Klub Deutsch als Verständigungssprache Pflicht ist. «In den Vereinsstatuten steht, dass alle Deutsch miteinander sprechen müssen. Dazu verpflichten sich alle Vereinsmitglieder bei ihrem Eintritt.» Bestes Beispiel ist dabei die erste Mannschaft der Black Stars. Mit Samir Tabakovic, dem ehemaligen FC-Basel-Verteidiger, steht ein Bosnier am Spielfeldrand. «Mit den drei bosnischen Spielern darf er jedoch ausschliesslich Deutsch sprechen, das ist im Ehrenkodex festgehalten.»

Der Nationen-Mix war bei Black schon immer gross. Damit widerspiegelt der Verein auch perfekt die kulturelle Vielfalt des Iselin-Quartiers, in dem er beheimatet ist, und des benachbarten St.-Johann-Quartiers. «Momentan ist die Mischung aber wirklich extrem», sagt Faé. Genau so extrem wie der Mitgliederzuwachs des Vereins: Allein in den letzten vier Monaten stiessen 100 neue Kinder dazu. «Wir platzen aus allen Nähten, aber wir können nicht Nein sagen.» Am Ende ist es eben doch die Freude, die bei Faé überwiegt: «Wir sind stolz, so viele Kinder aus aller Herren Ländern zu haben.»