Der frühere Abwehrstratege hat einen bemerkenswerten Trainer-Parcours hinter sich. Sechs Jahre nach seinem Debüt bei Concordia ist er beim derzeit wichtigsten Klub der Schweiz angekommen. Der 38-Jährige pflegt einen effizienten Stil und peilt seine Ziele "mit einem unglaublichen Drang nach Erfolg an".

Im Interview mit der Sportinformation spricht Yakin vor dem Spiel in Genk über Taktik, den Rücktritt von Alex Frei, seinen langjährigen Coach Christian Gross und erklärt, was ihn noch immer mit seinem alten Weggefährten Erich Vogel verbindet.

Was haben Sie ausgelöst seit Ihrer Ankunft?

Es ist immer auch ein bisschen gefährlich, wenn man etwas Grosses verändern will. Aber ich habe hier ein Team angetroffen, das gewisse Inputs benötigte und sie innerhalb kurzer Zeit auch angenommen hat. Zu Beginn interessierte mich die Statistik nicht primär. Aber klar, es ist schön wenn man mit sieben Siegen und nur drei Niederlagen startet. Die Entwicklung, die Steigerung ist ersichtlich.

Wie tickt Basel unter Ihnen? Was verlangen Sie?

Ich schicke die Jungs sicher nie planlos auf den Rasen. Ich fordere, dass sie sich mit ihrem Job befassen, dass sie clever und zielorientiert Fussball spielen. Dominant und überzeugend sollen sie auftreten. Daran arbeiten wir.

Die Spieler berichteten von unzähligen Lektionen im Theorieraum. Sie gelten als System-Freak.

Für mich sind taktische Aspekte elementar. Und ganz wichtig ist für mich immer, welche Profile mir zur Verfügung stehen. Man kann die Spieler ja auch überladen mit Informationen. Es geht auch darum abzuschätzen, was ich mir als Trainer zutraue. Wie vermittle ich alles 1:1? Im Endeffekt geht es natürlich darum, dass alle daran glauben, ein Spiel gewinnen zu können.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bezeichnete Ihren Klub als absoluten Vorzeige-Verein der Schweiz. Was ist nötig, diese Auszeichnung langfristig zu bestätigen?

Eines vorweg: Langfristige Ziele zu formulieren, erscheint für einen Coach sehr unrealistisch. Im Fussball dauert eine mittlere Frist knapp zwei Wochen. Als FCB-Trainer muss man primär möglichst oft gewinnen. Mir ist aber natürlich auch die Art und Weise wichtig, wie wir auftreten, wie uns die Umsetzung der gefassten Ziele gelingt.

In Basel coachen Sie prominente Spieler. Marco Streller und Alex Frei bezeichneten Sie selber als Könige. Wie muss man das verstehen?

Es war eine gewagte Aussage, das ist mir klar. Sie kam mir spontan in den Sinn. Ich erinnerte mich an meine Zeit als Spieler und daran, wie ich gerne behandelt worden bin. Beide sind Leader und ganz wichtige Figuren hier in Basel. Im Titel der Frei-Biografie (König des Strafraums) kommt der Begriff zufälligerweise auch wieder vor.

König Frei tritt Ende Saison ab. Er räumt seinen Thron bislang ohne Nebengeräusche. War die Personalie Frei der erste heikle Punkt Ihrer Amtszeit?

Am Schluss ist es nun mal so, dass auf einer Schachbrettseite nicht zwei Könige Platz haben - höchstens noch einer vis-à-vis. Im Fussball kommt es manchmal innerhalb von kurzer Zeit zu Veränderungen. Alex musste sich auch fragen, ob das für ihn so noch Sinn machte. Jede Veränderung im Leben bringt Folgen - kleine und grössere. Danach muss man sich wieder neu orientieren. Mit 33 konnte er das selber sehr gut für sich beurteilen.

Sie dachten früher als Spieler wie ein Stratege - jetzt wieder als Coach, oder?

Absolut, ja. Ich muss hier mutige Entscheide fällen und sie aber auch schnell umsetzen. So funktioniert das im FCB. Ich bin überzeugt davon, dass die klare Kommunikation im Fall eines Leistungsträgers wie Alex richtig war. Mich überraschte die Geschwindigkeit sogar fast etwas, aber nicht der Inhalt der Mitteilung.

Wer prägte Sie? Christian Gross?

Wenn man zehn Jahre lang täglich länger zusammen ist als mit der Partnerin zu Hause, dann prägt das einen extrem. Ich wehrte mich nicht dagegen, obschon am Anfang einige Reibungspunkte vorlagen. Aber wenn man mit jemandem die schönsten Erfolge feiern kann, färbt das ab. Ein Typ wie Christian war wichtig für meinen Reifeprozess - auch neben dem Platz als Mensch. Ohne ihn hätte ich es zu Beginn kaum für möglich gehalten, welcher Aufwand und welche Arbeitsauffassung nötig sind, um Erfolg zu haben. Von der Zusammenarbeit mit ihm blieb viel Positives.

Kopieren tun Sie ihn aber trotzdem nicht.

Nein. Aber ich erinnere mich gut an eine Szene in meinem ersten Jahr bei 'Congeli" (Concordia Basel). Wir spielten gegen Wil mit Uli Forte als Trainer. Er kam nach dem Spiel zu mir und sagte: Ich hätte gedacht, du würdest wie Gross auftreten. Dem war gar nicht so. Ich habe ja auch unter Löw, Hodgson oder Beenhakker trainiert. Wir studierten viel Taktisches ein. Ich beobachtete alles genau und sog vieles auf - und lernte dabei, meine Ideen immer der Qualität des Kaders anzupassen.

Erich Vogel ist eine weitere wichtige Figur Ihrer Laufbahn als Spieler und Trainer.

Mit Erich tausche ich mich immer mal wieder aus. Er verfolgt meinen Weg extrem nahe. Da gibt es nichts zu verheimlichen: Er ist eine massgebende Person in meinem Leben. Er holte mich zum FCB zurück und brachte mich zu Congeli. Es ist immer wieder spannend, mit ihm über den Fussball und das Leben zu diskutieren. Vogel besitzt eine immense Erfahrung und ist ein weiser Mann mit spannenden Ideen.

Gibt es einen Schlüsselmoment auf Ihrem steilen Weg zum Chef-Trainer beim FCB?

Ich würde eher von einer Phase sprechen. Am Ende meiner Karriere war ich ja fast ein Jahr lang verletzt. Und am 13. Mai 2006 wurde ich dann ja verabschiedet, nachdem wir gegen den FCZ den Titel verspielt hatten. Das war für mich ein einschneidender Moment. So quasi: Die eine Karriere ist vorbei, was jetzt? Dann kamen die intensiven Jahre der Ausbildung, der Aufstieg mit Thun, die Gewissheit: Ich habe eine spannende Zeit vor mir.

Es gibt Kritiker, die Ihnen vorhalten, zu viele Leute um sich zu scharen. Der Begriff Yakin-Clan wirkt sehr negativ behaftet.

Der Rückhalt meiner Gruppe war für mich unheimlich wichtig, um Entwicklungen als Spieler zu beschleunigen, oder später den Einstieg ins Trainer-Business zu schaffen. Aber am Ende steht man mit den eigenen Füssen, mit den eigenen Ideen, mit den eigenen Sorgen auf dem Boden. Ich kann mich hinter niemandem verstecken. Der Support ist zwar hilfreich, aber letztlich muss ich die Entscheide ganz alleine treffen.

In Basel wurden Sie mit Vorbehalten und eher kühl empfangen. Ihr Vorgänger Heiko Vogel genoss beim Publikum grosse Sympathien. Überraschte Sie die Skepsis gewisser Fans?

Man sollte das alles nicht überbewerten. Ich nahm die Reaktionen ernst, klar. Aber ich konnte ja nicht gleich jeden auf Anhieb überzeugen. Die besten Argumente sind oft gute Resultate und ehrliche Arbeit.

Trotzdem: Vermissen Sie im Schweizer Fussball nicht manchmal den Respekt gegenüber Figuren, die sich wie Sie oder Alex Frei exponieren?

Wir schenken unter Umständen den negativen Punkten zu viel Aufmerksamkeit. Die Wertschätzung ist schon da, aber man zeigt sie halt nicht so. Das ist vielleicht ein bisschen unsere Mentalität. Ich konzentriere mich eher auf die positiven Aspekte und weiss auch, dass ich mit Fleissarbeit punkten kann. Und am Ende geht es doch vor allem darum, einen Kübel in den Händen zu halten.

Sie sitzen als 38-Jähriger bereits auf dem wichtigsten Klub-Trainerstuhl der Schweiz- sozusagen innerhalb von sechs Jahren von Frauenfeld nach Basel.

Ich verfüge ganz einfach über den nötigen Ehrgeiz und riskierte schon als 17-Jähriger Fussball-Lehrling bei GC viel, obschon man ja immer wieder behauptete, ich sei vor allem phlegmatisch und bequem. Vielleicht bin ich eher ein Genussmensch, der keine Zeit verschwendet und dank qualitativ einwandfreier Arbeit einen hohen Ertrag erzielt.

Für Sie ist es womöglich eine Genugtuung, die vielen Vorurteile gegenüber Ihrer Person zu widerlegen?

Zu einem Teil schon, ja, aber das ist ja nur ein kleiner Teil der Aussenwahrnehmung. Ich orientiere mich lieber am Spektrum, das mich positiv beeinflusst. Ich sehe das Schöne am Fussball, ich liebe den Fussball. Da kommt für mich nur das Beste infrage, da spüre ich einen unglaublichen Drang nach Erfolg. Ich will beweisen, dass ich in Basel etwas mitbewegen kann.