Interregio
Museums-Pass ist eine Erfolgsgeschichte für Kooperation am Oberrhein

Der Museumspass ermöglicht den Eintritt in 230 regionale Museen. Dank Anfangsfinanzierung durch die EU ist das Projekt selbsttragend – so wie viele andere im Dreiland. Nach dem EWR-Nein verstärkte sich die interregionale Zusammenarbeit über die Landesgrenzen hinweg.

Peter Schenk
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Der Oberrheinische Museums-Pass ermöglicht auch den Besuch der Fondation Beyeler.

Der Oberrheinische Museums-Pass ermöglicht auch den Besuch der Fondation Beyeler.

Keystone

Über 35 000 Exemplare sind 2011 vom Oberrheinischen Museums-Pass verkauft worden, davon 14 000 in der Schweiz. Derzeit ermöglicht der Pass den Eintritt in 230 Museen. In der Region Basel machen so renommierte Einrichtungen wie die Fondation Beyeler, das Tinguely-Museum, das Kunstmuseum oder das Vitra Design Museum in Weil am Rhein mit.

Seit 2004 ist das 1999 gestartete Projekt selbsttragend. Eine Voraussetzung dafür war das europäische Förderprogramm Interreg, ein wichtiger Motor der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. «Von 1998 bis 2002 haben wir Fördergelder in Höhe von 1,2 Millionen Euro erhalten, ein Teil davon waren Interreggelder. Ohne diese Finanzierung wäre das Projekt nicht möglich gewesen», erklärt Susanne Linker, Mediensprecherin des Museums-Passes.

Es ist beileibe nicht das einzige Vorhaben, dass dank Interreggeldern zustande kam. Diese verstehen sich als Anschubfinanzierung. Nach einigen Jahren müssen die Vorhaben ohne die Gelder auskommen. «Seit den 90-er Jahren hat es am Oberrhein 450 grenzüberschreitende Projekte gegeben, 160 davon mit Schweizer Beteiligung», sagt Véronique Bittner, seit zehn Jahren bei der Regio Basiliensis für Interreg zuständig.

Kleine Aussenpolitik gefördert

Für Manuel Friesecke, derzeit Geschäftsführer ad interim der Regio Basiliensis, hat der «grosse Einstieg in Interreg» mit dem EWR-Nein zu tun. «Die Kantone und der Bund haben danach die kleine Aussenpolitik gefördert und Interreg hat immer mehr Fahrt aufgenommen», argumentiert er.

Interreg-Gelder fliessen bei der Zusammenarbeit der Universitäten Eucor, dem Schüleraustausch, bei BioValley, einem Cluster der Lebenswissensschaften und der Medizintechnik oder bei der Erweiterung des trinationalen Netzwerks der Neurowissenschaften. Grenzüberschreitende Wanderwege werden ebenso gefördert wie die Trinationale Bauausstellung IBA 2020, Verkehrsprojekte wie den Ausbau der Tarifkooperation, Erarbeitung der Schlüsselprojekte der Trinationalen Agglomeration Basel oder das Euregio-Zertifikat für das Berufspraktikum beim Nachbarn. Auch die Einrichtung eines trinationalen Studiengangs Elektro- und Informationstechnik wurde mit Interreggeldern ermöglicht.

Ein Erfolg war auch der Ausbildungsgang Bauingenieurwesen. «Von den Fachhochschulen haben wir gehört, dass die Studenten keinen Job suchen müssen, die Betriebe nehmen selber Kontakt auf. Die Nachfrage ist gross», berichtet Véronique Bittner.

Das Gleiche gilt auch für andere trinationale Ausbildungsgänge wie Mechatronik, bei dem Elektronik, Maschinenbau und Informatik gelehrt wird, und International Business Management - letzteres ist allerdings ohne Interreggelder zustande gekommen.

Bund fördert Wirtschaftsprojekte

Am von 2007 bis 2013 laufenden Interregprogramm IV ist die Nordwestschweiz mit 35 Projekten beteiligt. Übernahm der Bund früher die Rolle von Brüssel, indem er die Hälfte des Schweizer Anteils an einem Projekt zahlte, fördert er jetzt im Rahmen der Neuen Regionalpolitik nur noch wirtschaftliche Vorhaben, die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit stärken. Für die letzte Förderperiode fliessen am Oberrhein insgesamt Mittel in Höhe von 67 Millionen Euro.