Ich habe eine lange Geschichte mit dem Grossen Saal der Musik-Akademie. Bereits als Musikschüler habe ich dort Klavier gespielt. Dabei hatte ich immer furchtbar Angst und war sehr nervös. Während der Studienzeit habe ich bei Vortragsabenden mitgewirkt und viel Musik gehört. Meine Frau hat am Konservatorium Geige studiert und so haben wir auch gemeinsam musiziert. Ebenso sind meine ersten eigenen Stücke dort uraufgeführt worden. Zu meinem Diplom hat das Konsi-Orchester eine Uraufführung von mir gespielt. Das sind die Jugenderlebnisse. Der Saal an sich war für mich damals nicht so wichtig, obwohl es ein wunderbarer Saal mit einer schönen Akustik ist.

Das ist bei meinem neuen Stück «Musica Profana», das heute in der Martinskirche uraufgeführt wird, anders. Hier habe ich nun zum ersten Mal den Raum als einen wichtigen Gestaltungsaspekt einbezogen. Ein Ensemble ist auf der Hauptbühne platziert, Blechbläser spielen dahinter vom Chor aus, und ein Ensemble mit Sopran, Flöte, Saxofon, zwei Gitarren und Akkordeon ist auf der gegenüberliegenden Empore. Dazu bewegt sich ein Bariton durch den Raum. Das Publikum wird also wandernde Klänge erleben.

Alte und neue Musik gemischt

Während meiner Direktionszeit hat es auch mal Konzerte gegeben, bei denen Musiker auf der Empore im Grossen Saal platziert waren oder aus dem Künstlerzimmer hinter der Bühne spielten. Aber diese Raumaspekte waren marginal. Für mich war damals wichtig, dass wir mit Unterstützung der Maja Sacher Stiftung und anderen Gönnern neue Werke in Auftrag geben konnten, zum Beispiel an damalige Lehrer wie Roland Moser, Thomas Kessler und Jacques Wildberger. Dazu kamen die Komponistenwochen, bei denen sich die gesamte Berufsabteilung (gelegentlich zusammen mit der Musikschule) dem Werk eines geladenen Komponisten gewidmet haben: unter anderen Hans Werner Henze, Witold Lutoslawski oder Luciano Berio. Im Grossen Saal gab es Konzerte mit Kammermusik und Orchesterstücken, und die Lehrer standen unter einem gewissen Druck von mir, die Stücke der Komponisten auch gut einzustudieren.

Doch ich war nie ein Freund von einseitigen Konzertprogrammen. Als Zuhörer gehe ich lieber in ein Konzert, wo Beethoven und ein neues Stück auf dem Programm stehen. Man hört dann beide Stücke anders. Wir haben auch im Grossen Saal bei den Vortragsabenden der Studierenden und in den Akademiekonzerten gemischte Programme mit alter und neuer Musik vorgezogen. Heute ist das meistens getrennt, was ich bedaure. Mich fasziniert, dass – obwohl wir heute anders empfinden als die Menschen vor 300 Jahren – die historische Musik uns immer noch berühren kann.

Aber wir haben neben Musik auch Politik gemacht. Als der Grosse Rat einmal die Subventionen der Musik-Akademie massiv kürzen wollte, haben sich anlässlich der Jahresfeier ungewöhnlich viele Lehrerinnen und Lehrer versammelt. Wir wollten dafür kämpfen, dass die Kürzung in einem erträglichen Rahmen blieb. Und das ist auch gelungen.

*Aufgezeichnet von Anja Wernicke