Die Fusionsdebatte dreht sich derzeit um Detailfragen. Zum Beispiel um jene, was denn der zukünftige Hauptort des fusionierten Kantons Basel sein soll. Das ist ein Stück weit verständlich. Wer gegen die Fusion ist, kann einfach Nein sagen. Er braucht nicht weiter zu begründen oder Fragen zu beantworten. Denn, seien wir ehrlich, es geht uns allen gut. Ein echter Leidensdruck, der uns zu drastischen Schritten zwingen würde, ist nicht auszumachen. Wer also den guten Status quo verändern will, der braucht Argumente, wieso eine Fusion uns allen ein noch besseres Leben ermöglichen würde. Und er muss Fragen beantworten, wie eben beispielsweise jene, wo in Zukunft Regierung und Parlament sitzen sollen.

Politiker sollen Kämpfer sein für das Volk, das sie wählt und bezahlt

Dass die Baselbieter Fusionsbefürworter hier zu allerlei Kompromissen bereit sind, geht in Ordnung. Aber geht es das auch bei Politikern aus Basel-Stadt? Schliesslich sollen sie für ihre Wählerinnen und Wähler, also die Stadtbewohner, kämpfen. Und ja, es ist ein Kampf. Bei jedem Vertragsabschluss geht es darum, für die eigene Seite das Maximum herauszuholen, selbst wenn der Vertrag aus Liebe geschlossen wird wie etwa ein Ehevertrag, ein Bündnisvertrag oder eben ein Fusionsvertrag.

Als Basler bin ich deshalb einigermassen erstaunt darüber, wie sich meine Vertreter in diesen Verhandlungen, in diesem Kampf, verhalten. Um es mal bildlich auszudrücken, haben sie das Handtuch geworfen, bevor sie überhaupt in den Ring gestiegen sind. Als Erstes haben sie ohne jede Not den Baselbietern mehr Sitze im Verfassungsrat zugestanden als sich selbst. Oder, um beim Boxen zu bleiben: Sie haben dem Gegner erlaubt, regelwidrigerweise zehn Kilo schwerer zu sein als sie selbst und auch noch Hufeisen in die Boxhandschuhe zu packen. Sollte es im Verfassungsrat je zu Diskussionen entlang der Kantonslinien kommen, können die Städter auch gleich ins Gartenbad gehen, denn die Abstimmung haben sie jetzt schon verloren.

Dieses Entgegenkommen zeugt nicht von Grösse, sondern von Angst

Als Zweites haben sich Basler Politiker, stolze Bewohner einer über 2000 Jahre alten Stadt, ernsthaft auf die Diskussion um den zukünftigen Kantons-Hauptort eingelassen. Ich habe nichts gegen Liestal. Aber dass ein Städtchen Hauptstadt sein soll, das nicht mal die grösste Gemeinde im Baselbiet ist, das keinerlei Zentrumsfunktionen hat – ausser der, Regierungssitz zu sein – und das weniger Einwohner hat als das Gundeli, das ist ein schlechter Witz. Weniger lustig daran wäre, dass sich in Zukunft der allergrösste Teil der Bewohner des vereinigten Kantons in den Zug setzen müsste, wenn er etwas von den Kantonsbehörden will. Dagegen ist Basel für die Städter und den grössten Teil der Baselbieter Bevölkerung bequem mit dem Tram oder gar dem Velo erreichbar. Hier schlägt das wirtschaftliche, das kulturelle, das wissenschaftliche Herz der Region.

Warum nur dieser Kleinmut, der als Grosszügigkeit verkleidet daherkommt? Weil man um jeden Preis die Fusion, das hehre Ziel, erreichen will. Dafür ist man bereit, sich selbst einzureden, dass es von Grösse und Vernunft zeuge, wenn man sich auf absurdeste Ideen einlässt. Ideen, die notabene auch im Baselbiet nur wenige Befürworter haben. Diese Ideen werden die eingefleischten Fusionsgegner auch nicht zu Befürwortern machen. Dem Baselbieter SVP-Präsidenten Oskar Kämpfer könnte man wohl ein Reiterstandbild aus purem Gold auf dem Barfüsserplatz errichten, er würde trotzdem nicht für die Fusion stimmen. Wer aber derart kleinmütig Basels Stolz preisgibt, muss damit rechnen, aus einigen Befürwortern Fusionsgegner zu machen.

Die Fusionsbefürworter in der Basler Politik mutieren immer mehr von Volksvertretern zu Vertretern der Fusion. Und vergessen dabei, dass diese kein Selbstzweck ist. Sie soll aus Basler Optik dazu dienen, uns, den Menschen in der Stadt, einen Mehrwert zu bringen. Das soll nicht heissen, man müsse die Baselbieter über den Tisch ziehen. Aber man sollte ihnen in den Verhandlungen mit breiter Brust und klaren Ansprüchen gegenübertreten. Und nicht schon mit eingezogenem Schwanz und wehender weisser Flagge in die Schlacht schleichen.